Bundesparteitag der NPD Parteichef Apfel übersteht die Rebellion

In der NPD rumort es seit Monaten. Finanzprobleme, Mitgliederverluste - und das nahende Verfahren zum Parteiverbot. Auf dem Bundesparteitag im baden-württembergischen Weinheim fordert deshalb ein Berliner den Parteichef Holger Apfel heraus - und scheitert.

Von Tanjev Schultz, Weinheim

Mit einer eingespielten Fanfare beginnt am Samstag der Bundesparteitag der NPD, der mit einer Kampfabstimmung und der Wiederwahl des Vorsitzenden Holger Apfel enden wird. Etwa 170 Delegierte sitzen im Saal eines Landgasthofs in Weinheim, Baden-Württemberg. Eine Schar von Demonstranten ruft draußen: "Nazis raus!" Drinnen sitzen die Rechtsextremisten, die Polizei hat die Zufahrtstraße weiträumig gesperrt.

Bis kurz vor Beginn des Treffens war nicht öffentlich bekannt, wo genau die NPD ihren Parteitag abhalten würde. Unter konspirativen Umständen reisten die Delegierten an einem Tag an, den viele Neonazis wie einen Feiertag begehen, weil Adolf Hitler am 20. April Geburtstag hatte. Alles nur Zufall, sagt dazu ein NPD-Sprecher. Angeblich hätte man gerne einen anderen Termin gewählt, das sei aber nicht möglich gewesen. Ursprünglich wollte die NPD ihren Parteitag vor zwei Wochen in Oberfranken abhalten, musste ihn aber wegen einer Baustelle absagen.

Nun also Weinheim an der Bergstraße, im renovierungsbedürftig wirkenden Gasthof "Zum schwarzen Ochsen": Der Wirt bekommt Applaus, weil er "standhaft" geblieben sei und die NPD in sein Haus gelassen habe.

Holger Apfel beschimpft die "Journaille"

Die Rechtsextremisten sitzen gedrängt, an der Decke rotiert ein Ventilator. Ein paar Journalisten hocken am Rand, NPD-Chef Holger Apfel beschimpft in seiner Begrüßungsrede die "Journaille" und wettert gegen die "Diktatur der selbsternannten Demokraten".

Ein Autor des Berliner Tagesspiegels reiste aus Weinheim vor Beginn des Parteitags wieder ab, weil die NPD ihm den Zutritt verweigerte. Als zugelassener Medienvertreter fragt man sich nun: Was hat man bloß falsch gemacht, dass einen die NPD nicht auch auslädt?

Jede Berichterstattung über die NPD ist eine Gratwanderung. Seit der Bundesrat beschlossen hat, ein Verbot der NPD zu beantragen, hat diese ihre Propaganda verstärkt und zieht durch allerlei Mätzchen und Provokationen ungeahnte Aufmerksamkeit auf sich - eine Partei, die bei der Landtagswahl in Niedersachsen zuletzt nur 0,8 Prozent der Wähler hinter sich versammelte.

Von Weltraum-Nazis und Blitzkriegern

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Der stellvertretende Berliner NPD-Vorsitzende Uwe Meenen, der später gegen Apfel antreten wird, fordert zu Beginn eine kritische Debatte über den Zustand der Partei. Er will die genauen Zahlen über die Mitglieder vorlegen lassen, und zwar bis zur Ebene der Kreisverbände hinunter. Dann müsse allerdings die Presse aus dem Saal geschickt werden. Deren Anwesenheit dürfe kein Grund sein, dem Parteitag die "Wahrheit" vorzuenthalten. Unter Parteichef Holger Apfel, sagt Meenen, habe es starke Mitgliederverluste gegeben.