Schwarz-Gelb will Steuersenkungen, obwohl dafür die Schulden ansteigen werden. Wolfgang Schäuble schließt ein Scheitern im Amt nicht aus. Das Karriereende wäre für ihn zu verkraften - anders als beim Kollegen Guttenberg.

Der neue Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kalkuliert angesichts der ehrgeizigen Steuersenkungspläne der Koalition und dem massiven Anstieg der Staatsschulden ein persönliches Scheitern in seinem Amt ein. "Das muss ich sogar. Wer Angst vorm Scheitern hat, ist in seinen Entscheidungen nicht frei", sagte der CDU-Politiker dem Stern.

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Kalkuliert sein Scheitern gleich ein: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. (© Foto: ddp)

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Dennoch verteidigte Schäuble die aktuelle Verschuldungspolitik der schwarz-gelben Regierung: "In einer so beispiellosen Wirtschaftskrise muss der Staat das wenige, was er tun kann, um Wachstum zu fördern, mit höheren Schulden finanzieren."

"Prinzip Hoffnung"

Die jetzige Situation erinnere ihn an die Verhandlungen über die deutsche Einheit vor 20 Jahren, sagte Schäuble. "Es gibt eine Parallele: Sie wissen von einem Tag auf den anderen nicht, was alles noch kommen wird." Zugleich räumte er ein, dass die Koalition damit nach dem "Prinzip Hoffnung" verfahre.

"Hoffnung ist nicht schlecht", meinte Schäuble weiter. Es gehe bei den geplanten Steuerentlastungen "auch um die psychologische Wirkung. Wir müssen jetzt erst einmal weiter ein hinreichendes Maß an Vertrauen und Zuversicht herstellen". Die Steuerentlastung von 20 Milliarden Euro zum 1. Januar 2010 sei jedoch "nah an der Obergrenze".

Karriereende "zu verkraften"

Seinen gelassenen Umgang mit der schwierigen Aufgabe begründete Schäuble mit seinem Alter: "Alter und natürlich auch Erfahrung machen unabhängig und stark." Deshalb sei die Wahl Merkels für "diese ungewöhnlich große Herausforderung" auch auf ihn gefallen und nicht etwa auf den knapp 38-jährigen CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg.

"Wenn er nach zwei Jahren scheitern würde, dann wäre er erst 40 Jahre alt und seine politische Karriere wäre kaputt. Wenn ich in zwei Jahren scheitern sollte, bin ich 69, und dann - das klingt jetzt lakonisch - wäre das zu verkraften."

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(AP/ots/yas/gba)