Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Ehemaliger Bamf-Chef wies 2017 auf Überforderung hin

Frank-Jürgen Weise übte in seinem bisher unter Verschluss gehaltenen Abschlussbericht scharfe Kritik am Bamf.

(Foto: dpa)

Frank-Jürgen Weise hatte das Flüchtlingsamt auf Bitten der Kanzlerin 2015 übernommen - und seinem Abschlussbericht zufolge noch nie eine Behörde in so "schlechtem Zustand" erlebt.

Der ehemalige Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Frank-Jürgen Weise, hat in einem Abschlussbericht Anfang 2017 Defizite in der Behörde aufgezeigt. In dem Papier heißt es laut Bild am Sonntag, dass die Leitung unter Weise "in ihrer beruflichen Erfahrung noch nie einen so schlechten Zustand einer Behörde erlebt" habe. Weise hatte das Bamf auf Bitten der Kanzlerin Angela Merkel 2015 übernommen und bis Ende 2016 geführt.

Nach seiner Tätigkeit für das Bamf wurde Weise in Abstimmung mit dem Kanzleramt von Thomas de Maizière zum Beauftragten für Flüchtlingsmanagement ernannt. In der neuen Funktion sollte er dabei ­helfen, das chaotische Asylsystem zu verbessern.

In einem zweiten Bericht übt er wieder scharfe Kritik - auch am Bundesinnenministerium, dem das Bamf untersteht. Er verwies auf Mängel in der Datenverarbeitung und in der Aufbau- und Ablauforganisation. Es sei "nicht erklärbar, wie angesichts dieses Zustandes davon ausgegangen werden konnte, dass das Bamf den erheblichen Zuwachs an geflüchteten Menschen auch nur ansatzweise bewerkstelligen könnte", kritisierte Weise in seinem Schreiben. Er habe zudem der Kanzlerin 2017 zwei Mal im direkten Gespräch seinen Kenntnisstand übermittelt.

Eine Sprecherin des Innenministerium bestätigt der Zeitung die Papiere. Viele Vorschläge von Weise hätten "Eingang in die weiteren Arbeiten zur Verbesserung der Situation" gefunden, sagte die Sprecherin.

Kein Bezug zu Bremen

Das Bamf steht derzeit in der Kritik. Es könnte im Bundestag einen Untersuchungsausschuss geben, wenn sich genug Fraktionen dafür aussprechen. Im April war bekannt geworden, dass die Bremer Bamf-Außenstelle zwischen 2013 und 2016 in mindestens 1200 Fällen Asylanträge zu Unrecht bewilligt haben soll. Mit den konkreten Vorwürfen in Bremen haben die von der Bild zitierten Weise-Berichte demnach allerdings nichts zu tun.

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