Die freigekommenen bulgarischen Krankenschwestern und der palästinensische Arzt berichten von ihrer Zeit im libyschen Gefängnis - und offenbaren grausige Folter-Details.

Die aus libyscher Haft freigelassenen fünf bulgarischen Krankenschwestern und der palästinensische Arzt sind nach eigenen Angaben während ihrer Gefangenschaft schwer misshandelt worden.

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Sneshana Iwanowa Dimitrowa (vorne): "Am schwersten waren die ersten drei Monate. Wir sind gefoltert worden." (© Foto: AP)

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Eine der Schwestern, Sneshana Iwanowa Dimitrowa, berichtete in einem Gespräch mit der Berliner Zeitung über Folter, Isolation und Demütigung. Auch der Arzt Aschraf al Hasus berichtete in einem im niederländischen Fernsehen ausgestrahlten Interview von schlimmen Folterpraktiken.

"Am schwersten waren die ersten drei Monate. Wir sind gefoltert worden", zitierte die Berliner Zeitung Dimitrowa. "Wenn du an Füßen und Händen an einem Seil hängst, sie dir den Körper auseinander reißen, dann dachte ich manchmal, dass es besser wäre, zu sterben. Damit das ein Ende hat."

Mehrmals hätten ihre Peiniger versucht, Hunde der Polizeischule auf sie zu hetzen. Erst nach drei Monaten seien alle aus der Isolationshaft in Tripolis in ein Gefängnis in Bengasi überstellt worden, sagte Dimitrowa. Dort erst habe sie die anderen wiedergetroffen. Sprechen durften sie das erste Jahr allerdings nicht miteinander, auch nicht mit den Diplomaten, die kamen. "Immer die Zähne zusammenbeißen, schweigen, alles hinnehmen", sagte die Krankenschwester während des Gespräches in ihrem Heimatdorf Litakowo.

Anders als ihre Mitgefangenen legte Dimitrowa unter der Folter kein Geständnis ab: "Lieber sterbe ich mit reinem Gewissen und Ehre vor meinen Kindern als etwas zu gestehen, was ich nicht getan habe. Das bricht einem doch das Rückgrat", sagte sie, äußerte aber zugleich Verständnis für die anderen.

Der Arzt al Hasus, der mittlerweile die bulgarische Staatsbürgerschaft hat, sagte im niederländischen Fernsehen, er sei unter Drogen gesetzt und mit Elektroschocks an Füßen und den Genitalien gefoltert worden. Er sei gezwungen worden, eine Erklärung zu unterschreiben, wonach er in der Gefangenschaft gut behandelt worden sei, sagte der 39-Jährige.

Die ursprünglich zum Tode Verurteilten waren beschuldigt worden, mehr als 400 libysche Kinder vorsätzlich mit dem HI-Virus angesteckt zu haben. Aids-Experten sehen dagegen Hygiene-Mängel als Auslöser.

Die Angeklagten hatten schon während der Haft erklärt, ihnen seien Geständnisse mit Folter abgepresst worden. Sie waren seit 1999 inhaftiert. Die sechs wurden vorigen Dienstag freigelassen, nachdem die libyschen Behörden die Todesstrafe in lebenslange Haft umgewandelt hatten. Nach ihrer Ankunft in Sofia wurden sie vom bulgarischen Staatspräsidenten Georgi Parwanow begnadigt.

Libyen hat unterdessen Einzelheiten zu den Verhandlungen um die Freilassung bekanntgegeben. Wie der Ministerpräsident Al-Baghdadi Ali Al-Mahmudi mitteilte, zahlten unter anderem Tschechien, Katar und Bulgarien in den Fonds ein, aus dem die Familien der HIV-infizierten Kinder eine finanzielle Unterstützung erhalten. Frankreich habe zudem zugesagt, dem Krankenhaus in Benghasi mit Ausrüstung zu helfen und etwa 50 libysche Ärzte auszubilden, sagte al-Mahmudi weiter.

Der Fonds Benghasi International hat an die Familien betroffener Kinder insgesamt 460 Millionen Dollar Entschädigung gezahlt. Nach Angaben des Fonds wurde die Zahlung wiederum durch ein Darlehen finanziert. Dieses solle zurückgezahlt werden, sobald Geldgeber auf freiwilliger Basis ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt hätten. Insgesamt gibt es den Angaben zufolge Zusagen über 477 Millionen Dollar. Die Mittel würden aus 31 verschiedenen Quellen stammen, darunter Libyen.

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(AP/Reuters)