Und immer die Frage "Zu Dir oder zu mir?": NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hält mal wieder eine launige Büttenrede, allerdings eine ziemlich alte.
Jürgen Rüttgers mag keine Überraschungen, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident ist gern präpariert - selbst wenn es um den Frohsinn geht. "Spontaner Humor ist gut", sagte der CDU-Politiker in einem Interview für den Aachener Karnevalsverein (AKV). "Aber ich bin gerne gut vorbereitet."
Ein Ministerpräsident zwischen Kölsch und Frikadellen: Jürgen Rüttgers bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst. (© Foto: dpa)
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Für die Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst, den Rüttgers am Samstag erhielt, hatte der 58-Jährige den Humor besonders intensiv geprobt: Denn seine 15-minütige Büttenrede war in weiten Teilen alles andere als neu.
Mit diesem Vortrag, der von den Karnevalisten im Aachener Eurogress stürmisch bejubelt wurde, tingelt der Ministerpräsident seit drei Jahren durch die Karnevalssession - in weiten Passagen fast wortgleich. Seine launige Rede über einen Tag als Ministerpräsident im Karneval zwischen Kölsch und Frikadellen gehört zum Standardrepertoire des Rheinländers.
Derart geschult erzählte Rüttgers auch am Samstagabend aus dem Aachener Narrenkäfig über die Probleme eines Ministerpräsidenten mit zunehmendem Bierkonsum: "Ich werde dabei fotografiert, wie ich versehentlich in die Limousine der ebenfalls anwesenden SPD-Landesvorsitzenden einsteige. Fliege aber achtkantig raus, als ich in Verkennung der Situation lalle: 'Zu Dir oder zu mir?'"
Es ist sein erfolgreich erprobter Karnevals-Stehsatz, der in Aachen ebenso zündete wie schon 2007 bei der Prinzenproklamation im westfälischen Warendorf, bei der Ernennung zum Doctor humoris causa durch die Dülkener Narrenakademie oder 2008 bei der Verleihung des Närrischen Steckenpferd in Krefeld.
Der Ritter-Orden also doch nur Business als usual? Dabei, so hatte Rüttgers zuvor gesagt, werde der Aachener Karnevalsorden zurecht Nobelpreis des Humors genannt und "flößt mir schon Respekt ein".
Hätte man da nicht erwarten dürfen, dass der Preisträger Rüttgers der hohen Ehre mit einer exklusiven Rede seinen Respekt zollt? Die nordrhein-westfälische Staatskanzlei trat am Sonntag dem Vorwurf der Mehrfachverwertung entgegen.
Es sei, teilte ein Sprecher der Staatskanzlei auf SZ-Anfrage mit, "nicht unüblich, dass gelungene Passagen und Stilelemente aus früheren Vorträgen neu verwendet werden". Zudem wies die Regierungszentrale darauf ihn, dass "Anlage und Teile der Rede sowie das Lied neu" seien.
In der Tat hatte Rüttgers nach seiner Büttenrede - kostümiert mit Bauhelm und oranger Warnweste - zur Melodie des Village People-Songs "YMCA" das eigens umgetextete Lied "Wir sind so gerne hier in Nordrhein-Westfalen" gesungen.
Auch der Aachener Karnevalsverein assistierte: Man habe mit der altbekannten Rüttgers-Rede "überhaupt kein Problem", sagte AKV-Sprecher Torsten Peters auf Anfrage. Die Rede sei vielmehr "in Abstimmung mit uns entstanden". Es gäbe schließlich keine Vorgabe, dass der Ordensritter eine komplett neue Rede halten müsse. Es sei vielmehr "ein typisches Element" einer Büttenrede, "altbewährte Dinge aufzugreifen. Entscheidend ist für uns, dass dem Publikum die Rede gefällt. Und das war am Samstag definitiv der Fall", so Peters.
Am Montagabend kann sich auch das Fernsehpublikum davon überzeugen: Die ARD strahlt um 20.15 Uhr eine Aufzeichnung der Verleihung aus. Dann können die TV-Zuschauer erleben, was AKV-Präsident Horst Wollgarten bereits anlässlich der Vorstellung des neuen Preisträgers gesagt hatte. Jürgen Rüttgers, so Wollgarten, sei "ein bodenständiger Mensch, aber auch Weltbürger und Meister des doppelten Humors".
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(sueddeutsche.de/sonn)
Über eine Figur, wie Herrn Rüttgers, könnte ich nicht einmal lachen, wenn Michael Mittermayer und Loriot gemeinsam eine Rede für ihn geschrieben hätten...
...aber die organsierte Fröhlichkeit der rheinischen Spießervereine, die sich einmal im Jahr ihren Politikern anbiedern, war noch nie meine Sache.
Immer wieder verkauft man alten Wein in neuen Schläuchen.
Der Inhalt ist doch sowieso nichts, die Formulierung ist alles.
Und wenn man nichts Neues hat, muss das Alte genügen.
Einmal mehr unerstreicht Rüttgers, was Henry Kissinger einst sagte:" Es liegt an neunzig Prozent der Politiker, dass die anderen zehn Prozent einen schlechten Ruf haben.
Der Wahlkampf hat begonnen. Die Narren bejubeln NRW Politik.
Was für ein Aufreger. Ob man jetzt noch ruhig schlafen kann?
PS: Was macht dieser Artikel unter "Politik"???