Bürgschaft für Patrouillenboote Schwarz-Rot rüstet Saudi-Arabien auf

Symbolbild eines deutschen Patrouillenbootes

Wahlversprechen ade? Die SPD segnet offenbar einen umstrittenen Rüstungsdeal mit Saudi-Arabien ab und will das Geschäft mit Steuergeld absichern. Zu Oppositionszeiten hat die SPD den Deal noch scharf kritisiert. Das verärgert jetzt Linke und Grüne.

Von Thorsten Denkler, Berlin

Die Bundesregierung will ein Rüstungsgeschäft mit Saudi-Arabien über Bürgschaften absichern. Das geht aus einem als vertraulich und "nur für den Dienstgebrauch" eingestuften Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesfinanzministerium, Steffen Kampeter (CDU), hervor. Der Spiegel berichtet in seiner aktuellen Ausgabe darüber. Das Schreiben liegt SZ.de vor.

Es geht um die Lieferung von Booten zur saudischen Grenzsicherung im Wert von 1,4 Milliarden Euro. Der Vertrag würde "Konstruktion, Bau, Erprobung und Lieferung" von zwei Führungsbooten, 33 Patrouillenbooten, 79 schnellen Einsatzbooten und 32 Arbeitsbooten umfassen.

Das Geschäft hatte bereits vor einem Jahr Wellen geschlagen. Damals kam heraus, dass der Bundessicherheitsrat der Bundesregierung, der Waffenexporten zustimmen muss, eine Voranfrage der Bremer Lürssen-Werft positiv beschieden hatte.

Was die SPD damals sagte

Der damalige Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann, warf der Koalition aus Union und FDP im Februar 2013 vor, sie wolle Saudi-Arabien offenbar "total hochrüsten und hat aus den öffentlichen Protesten gegen Waffenlieferungen in diesem Land nichts gelernt." Jetzt trägt die SPD, inzwischen Regierungspartei, den Deal jedoch mit. Die Opposition spricht deshalb von einem "Skandal" und einer "Enttäuschung". Oppermann, inzwischen Fraktionschef der SPD im Bundestag, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Saudi-Arabien ist nach dem jüngsten Rüstungsexportbericht der Bundesregierung inzwischen das wichtigste Empfängerland deutscher Rüstungsgüter - noch vor den USA und Algerien. Im Jahr 2012 wurden Ausfuhren im Wert von 1,24 Milliarden Euro nach Saudi-Arabien von der Bundesregierung genehmigt. Nicht jede Genehmigung führt allerdings zu einem konkreten Geschäft.

Die Ausfuhren sind wegen der Menschenrechtslage in Saudi-Arabien umstritten. Amnesty International wirft den Land unter anderem Folter, Diskriminierung von Frauen, Ausbeutung von Gastarbeitern und die Einschränkung der Meinungsfreiheit vor.

Richtlinien sind eigentlich eindeutig

Darf Deutschland in ein solches Land Waffen liefern? Die deutschen Export-Richtlinien für Rüstungsgüter sind da im Grunde eindeutig: Besteht ein "hinreichender Verdacht", dass Rüstungsgüter "zur internen Repression" oder "zu sonstigen fortdauernden und systematischen Menschenrechtsverletzungen missbraucht werden", dann werde eine Exportgenehmigung "grundsätzlich nicht erteilt". Die Lage der Menschenrechte im Empfängerland spiele dabei "eine wichtige Rolle".

Das hat jedoch die schwarz-gelbe Bundesregierung nicht daran gehindert, 2011 etwa den Export von Leopard-2-Kampfpanzern aus deutscher Produktion nach Saudi-Arabien zu genehmigen. Diese Panzer können mit Räumgerät ausgestattet werden, so dass sie sich auch gegen Demonstranten im Inland einsetzen lassen.

Was den neuerlichen Deal betrifft, der dem vertraulichen Schreiben zufolge noch nicht abgeschlossen ist, argumentiert die Regierung: Die Boote sollten für den saudischen Küstenschutz im Roten Meer und im Persischen Golf eingesetzt werden. Dazu gehörten "Überwachung der Küstenlinien, Kontrolle und Schutz der Hoheitsgewässer und internationalen Seewege, der Schutz der Hafenanlagen und Unterbindung von Piraterie, Sabotage und Terrorismus", schreibt Staatssekretär Kampeter. Inwieweit die Boote bewaffnet sind, geht aus dem Scheiben nicht hervor.