Wahl in Hamburg: Grüne "Hätte ein bissle mehr sein können"
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Nach Schwarz-Grün hätten die Grünen in Hamburg gern mit der SPD regiert, doch die braucht sie nicht. Grünen-Chef Cem Özdemir über offene Türen, den Nachteil absoluter Mehrheiten und den Zusammenhang zwischen Astra Pils und Westerwelle.
sueddeutsche.de: Die Hamburger Grünen haben die Koalition verlassen, nun bleiben sie in der Opposition. Ist der gestrige Wahltag eine gefühlte Niederlage für Ihre Partei?
"Es hätte ein bissle mehr sein können." Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen, findet das Wahlergebnis in Hamburg trotzdem insgesamt "ordentlich".
(Foto: dapd)Cem Özdemir: Wir hatten zwei Ziele: Zulegen und mit der SPD regieren. Das eine Ziel haben wir knapp erreicht, das andere nicht. Insofern ist es insgesamt ordentlich. Unser Auftrag lautet jetzt Opposition. Wir werden dafür sorgen, dass die Themen Ökologie, Familienpolitik und Bürgerrechte nicht hinten runterfallen. Ich bin mir nicht so sicher, dass die SPD über die Alleinregierung nur froh ist.
sueddeutsche.de: Erwartet haben die Grünen aber doch etwas anderes: mindestens ein sattes Ergebnis, statt 1,6 Prozentpunkte plus.
Özdemir: Sicher, es hätte ein bissle mehr sein können. Aber die Hamburger wollten den möglichst klaren Wechsel und haben zwischen Grünen einerseits und CDU andererseits unterschieden.
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Über die Union ist ein Sturm hereingebrochen. Sie hat unter Ahlhaus den modernen Kurs von Ole von Beust verlassen. Jetzt haben Grüne und SPD zusammen 60 Prozent der Wählerstimmen erhalten, wie in fast jeder anderen deutschen Großstadt auch.
sueddeutsche.de: War es im Nachhinein falsch, Schwarz-Grün in Hamburg zu wagen?
Özdemir: Schwarz-Grün war kein Fehler. Die Alternative war damals die große Koalition. Es war einerseits wichtig, der SPD zu zeigen, dass wir nicht an sie gekettet sind, sondern als eigenständige Partei vor Ort auch mit einem anderen Partner grüne Inhalte umsetzen können und drittens die Union an ihrer Modernisierungsbereitschaft zu testen.
sueddeutsche.de: War es richtig, die Koalition im Herbst zu verlassen?
Özdemir: Eindeutig ja. Nach dem Abgang von Ole von Beust war klar, dass die Grundlage für diese Koalition nicht mehr vorhanden war, die da lautete: An der Spitze steht eine Person, die für eine liberale Politik in der CDU eintritt. Ahlhaus verkörperte die alte, rückwärtsgewandte Union. Die CDU unter Christoph Ahlhaus war zu Recht extrem unpopulär.
sueddeutsche.de: Neben der SPD feierten gestern die Liberalen: Die FDP zieht wieder in die Bürgerschaft ein. Ist Guido Westerwelle gerettet?
Özdemir: Die CDU hat 22 Prozentpunkte verloren. Angesichts dieses massiven Einbruchs ist es erstaunlich, dass die FDP so wenig zugelegt hat. 1,8 Prozentpunkte sind da eben nur ein kleines Rinnsal. Wer Westerwelle gestärkt sieht, muss schon sehr viel Hamburger Astra Pils getrunken haben. Für die FDP ist diese Wahl alles andere als eine Entwarnung. Und die CDU hat jetzt ein Problem.
sueddeutsche.de: Wird es in absehbarer Zeit Schwarz-Grün wieder geben - was sagt Ihr Bauchgefühl?
Özdemir: Das wage ich nicht zu beurteilen. Es hängt einerseits von den Inhalten ab, aber eben auch von den Personen. Bei Beust hat es gestimmt, bei Ahlhaus nicht. Eines ist klar: Mit einer CDU, die die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängert und sich im Gesundheitsbereich von Lobbyisten helfen lässt, können wir nicht zusammenkommen.