Bei den Kommunalwahlen in Frankreich hat das Regierungslager von Präsident Sarkozy am Sonntag eine Schlappe erlitten und zahlreiche Städte an die Sozialisten verloren.

Im ersten Stimmungstest zehn Monate nach der Präsidentschaftwahl haben der französische Staatschef Nicolas Sarkozy und seine Regierung einen herben Denkzettel kassiert. Bei der Kommunalwahl am Sonntag konnten die oppositionellen Sozialisten (PS) zahlreiche Bürgermeisterposten in Großstädten übernehmen. So eroberten sozialistische Kandidaten etwa die Rathäuser von Reims, Straßburg, Caen, Bois und Amiens.

Nicolas Sarkozy

Nicolas Sarkozy in der Wahlkabine - seine Gattin stimmte nicht mit ab. (© Foto: Reuters)

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Besondere Signalwirkung hatte der Sieg der Sozialisten in Toulouse, das bislang als konservative Bastion galt. In Périgueux verfehlte Bildungsminister Xavier Darcos sein Ziel, als Bürgermeister wiedergewählt zu werden, nach Angaben des Innenministeriums um 113 Stimmen.

In Paris wurde der sozialistische Bürgermeister Bertrand Delanoë mit 57,7 Prozent der Stimmen wiedergewählt, wie er in der Nacht unter dem Jubel seiner Anhänger bekannt gab. Auch in Lyon konnte die Linke das Bürgermeisteramt verteidigen. Nur Marseille blieb konservativ - hier wurde der UMP-Bürgermeister Jean Claude Gaudin wiedergewählt.

Nach Auszählung fast aller Stimmen entfielen 47,6 Prozent auf die UMP und andere konservative Parteien. Die Sozialisten und die ihr nahe stehenden kleineren Parteien kamen auf 48,7 Prozent. Am Sonntag waren im zweiten Wahlgang diejenigen Mandate zu bestimmen, bei denen eine Woche zuvor kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichen konnte.

Die im Mai vergangenen Jahres gescheiterte sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal sprach von einer "Wahl der Hoffnung". Jetzt müsse Sarkozy seine Politik und sein Verhalten ändern.

Dieser Forderung erteilte Premierminister François Fillon eine Absage: "Wir werden die bei der Präsidentschaftswahl bestätigte Politik fortführen. Man kann ein großes Land wie das unsere nicht in ein paar Monaten verändern", sagte Fillon. "Für die Reform ist Hartnäckigkeit erforderlich." Das Votum der Kommunalwahl dürfe nicht überinterpretiert werden, da es um kommunale Belange gegangen sei. Sarkozy äußerte sich am Wahlabend nicht in der Öffentlichkeit.

Franzosen stehen hinter Reformen

20 Prozent der Wähler nutzten der CSA-Umfrage zufolge ihre Stimme für eine Sanktion Sarkozys. Nach einer Erhebung von Ipsos-Dell stehen aber 70 Prozent hinter seinen Reformen, jeder vierte Franzose wünscht demnach sogar eine Beschleunigung ihrer Umsetzung.

Beobachter werteten das Wahlergebnis als "Gelbe Karte" für Sarkozy, der wegen der Zurschaustellung seiner Beziehung mit Carla Bruni und dem Ausbleiben greifbarer Reformerfolge massiv an Zustimmung verloren hatte.

Sarkozys neue Gattin war übrigens nicht zur Wahl erschienen: Die Italienerin hatte es versäumt, sich in das Wählerregister für EU-Bürger eintragen zu lassen.

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(AP/dpa/beu/maru)