Er startet gleich mit Knalleffekt ins Amt: Der neue, konservative Londoner Bürgermeister Johnson verbietet vom 1. Juni an Alkohol in Bahn und Bus - und erntet prompt Kritik.

Boris Johnson hat sein erstes großes Thema gefunden. Gerade erst ist er als neuer Bürgermeister von der britischen Hauptstadt London im Amt, schon gibt er den Hardliner, der durchgreift: Johnson hat ein ein Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr angekündigt.

Schild der Londoner "Tube" vor dem berühmten Uhrenturm der Westminster- Palastes, dem Sitz der Parlaments-Kammern

Schild der Londoner "Tube" vor dem berühmten Uhrenturm der Westminster- Palastes, dem Sitz der Parlaments-Kammern (© Foto: Reuters)

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Null Promille in Bus und Bahn: Dadurch solle "asoziales Verhalten" unterbunden werden, sagte der Politiker der konservativen Tories, der am vergangenen Donnerstag die Wahlen gegen den Labour-Mann Ken Livingstone gewonnen hatte. Das Alkoholverbot gilt vom 1. Juni an in allen Londoner Bussen, Straßenbahnen sowie in der Untergrundbahn, der "Tube".

Vom nächsten Monat an kann nun jeder, der in den öffentlichen Verkehrsmitteln trinkend oder mit offenen alkoholischen Getränken angetroffen wird, herausgeworfen werden. Gegebenenfalls kann die British Transport Police (BTP) eingeschaltet werden.

Vor allem am Wochenende bevölkern trinkende und auch grölende Nachtschwärmer die U-Bahnen in London. Der Kampf gegen das sogenannte "binge drinking" (Kampftrinken) steht derzeit bei den meisten britischen Politikern ganz oben auf der Agenda.

"Wut von betrunkenen Menschen"

Der Vorstoß Johnsons jedoch rief unmittelbar Kritik hervor. Die Maßnahme könnte das Transportpersonal gefährden, beschwerten sich die Transportgewerkschaften, so die Zeitung The Guardian. Die Gewerkschaften zeigten sich dem Blatt zufolge vor allem darüber empört, dass sie nicht in der Angelegenheit befragt worden waren - obwohl es doch ihre Mitglieder seien, die in der Schusslinie ständen.

Das Personal werde sich "mit der Wut von Menschen auseinandersetzen müssen, die wahrscheinlich betrunken sind" und die zudem ärgerlich darüber seien, "dass sie aus dem Zug oder Bus herauskomplimentiert werden", stellte ein Sprecher der Transport- und Verkehrsgewerkschaft RMT im Guardian fest. Das dürfe nicht sein. "Zugführer, Bahnsteigbedienstete und Busfahrer sind nicht die Polizei", fügte er hinzu. Die Maßnahme des Politikers scheine nicht sehr überlegt zu sein.

Keith Norman von der Zugführergewerkschaft Aslef bemängelte, dass es nicht sehr sinnvoll sei, wenn der Bürgermeister Änderungen "aus dem Hut ziehe", ohne zuvor mit den Menschen zu sprechen, die sie durchsetzen müssten.

Auch Val Shawcross, verkehrspolitische Sprecherin in London, beanstandete, dass der Bürgermeister nicht mit den Menschen gesprochen hätte, die das Alkoholverbot umsetzen müssten.

Shawcross sieht zudem Probleme bei der konkreten Durchführung. Es gebe einen breiten Konsens für ein Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr, aber das Verbot werde extrem schwierig umzusetzen sein, konstatierte sie laut Guardian. "Wenn der Bürgermeister vom U-Bahn- und Buspersonal erwartet, dass sie die alkoholischen Getränke der Fahrgäste konfiszieren, werden sie in die Rolle von Polizisten gezwungen, wofür sie nicht ausgebildet sind."

"Kleinere Verbrechen ausschließen"

Das Alkoholverbot soll durch eine Änderung der Transportbedingungen in Kraft gesetzt werden. Bis diese Änderung tatsächlich in das Statut eingefügt werde, was nach Mitarbeitern des Bürgermeisters in etwa einem Jahr geschehen solle, gebe es keine Möglichkeit, Verstöße gegen das Alkoholverbot zu bestrafen - außer den Rausschmiss aus dem Zug. Sobald das Alkoholverbot in das Statut eingefügt werde, könne es eine ganze Reihe von Sanktionen geben, wie zum Beispiel sofortige Geldbußen.

Begrüßt wurde der Vorstoß Johnsons hingegen von der British Transport Police (BTP): "Meistens reicht es bereits, die Menschen wissen zu lassen, dass ihr Verhalten nicht länger erlaubt ist, um sie davon abzuhalten. Aber wenn sie asozial oder aggressiv werden, werden sie es mit der momentanen Gesetzgebung und den Statuten zu tun bekommen", sagte ein Sprecher.

Auch der neu gewählte Bürgermeister zeigte sich trotz Kritik von der Maßnahme überzeugt: "Ich glaube fest daran, dass wir auch ernsthaftere Verbrechen in den Griff bekommen, wenn wir kleinere ausschließen", sagte Johnson. Poster sollen die Reisenden auf das neue Verbot hinweisen.

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(sueddeutsche.de/dpa/gal/odg/jja)