Syrien Assad-Offiziere sollen auf Giftgas-Einsatz gedrängt haben

Die Funksprüche wurden von einem deutschen Spionage-Boot abgehört: Einem Zeitungsbericht zufolge sollen syrische Kommandeure in den vergangenen Monaten immer wieder Giftgas-Angriffe bei Machthaber Assad gefordert haben. Die Machtverhältnisse unter den Rebellen haben sich offenbar dramatisch verschoben - hin zu al-Qaida.

Syrische Divisions- und Brigadekommandeure sollen seit etwa vier Monaten immer wieder den Einsatz von Chemiewaffen beim Präsidentenpalast in Damaskus gefordert haben. Das belegen nach Informationen der Bild am Sonntag Funkgespräche, die das Flottendienstboot "Oker" abgefangen habe. Das Spionageschiff der deutschen Marine kreuze vor der Küste Syriens. Das berichtet das Blatt unter Berufung auf Informationen aus deutschen Sicherheitskreisen.

Den Erkenntnissen der Abhörspezialisten zufolge seien die von den Kommandeuren verlangten Giftgas-Angriffe aber stets abgelehnt und der Einsatz vom 21. August wahrscheinlich nicht von Syriens Präsident Baschar al-Assad persönlich genehmigt worden. Bei dem mutmaßlichen Chemiewaffenangriff nahe Damaskus, den die US-Regierung dem syrischen Regime anlastet, starben nach US-Angaben mehr als 1400 Menschen.

Beobachter rechnen mit jahrelangem Krieg

Wie die Zeitung weiter berichtet, geht der Bundesnachrichtendienst (BND) davon aus, dass sich Syriens Staatschef Baschar al-Assad noch lange an der Macht halten kann - unabhängig von einem Militärschlag der USA gegen Syrien.

Demnach berichtete BND-Präsident Gerhard Schindler am vergangenen Montag dem Verteidigungsausschuss des Bundestages in geheimer Sitzung, der blutige Bürgerkrieg werde sich noch lange hinziehen. "Das kann noch Jahre dauern", habe Schindler gesagt. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, berichtete den Ausschuss-Mitgliedern der BamS zufolge von einer dramatischen Machtverschiebung innerhalb der Rebellen. Danach hat die vom Westen unterstützte Freie Syrische Armee (FSA) ihre einstige militärische Führungsrolle eingebüßt. Der Zusammenschluss von Deserteuren der Assad-Truppen sei de facto nicht mehr existent.

Stattdessen werde der Einfluss des Terrornetzwerks al-Qaida auf die Rebellen-Bewegung immer stärker. Das habe dramatische Folgen. Laut Wieker gibt es kaum noch Überläufer aus den Reihen der Assad-Truppen. Denn Deserteure würden von den Rebellen in der Regel sofort erschossen.

Vor Beratungen im US-Kongress über einen möglichen Militärschlag gegen Assad, sprach sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nachdrücklich für eine politische Lösung aus. "Es muss sichergestellt werden, dass sich ein Einsatz dieser schrecklichen Massenvernichtungswaffen nicht wiederholt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden", sagte sie dem Blatt.

Der Untersuchungsbericht der UN-Inspekteure solle so schnell wie möglich vorgelegt werden. "Der Sicherheitsrat könnte dann eine strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen für den Giftgasanschlag durch den Internationalen Strafgerichtshof in Gang bringen", sagte Merkel weiter.