Bürgerkrieg im Kongo Sie wollen keine Soldaten sein

Viele sind allein unterwegs: Tausende Minderjährige fliehen aus dem Osten Kongos, wo sich Truppen von Regierung und Rebellen heftige Kämpfe liefern. Würden sie bleiben, müssten sie womöglich selbst zur Waffe greifen.

Von Tobias Zick

Der Konflikt wird immer mehr zu einem Krieg gegen die Kinder. Im Osten Kongos, wo sich Regierungstruppen und die Rebellenarmee M23 bekämpfen, flüchten Tausende Minderjährige, viele davon allein, vor Kämpfen und drohender Zwangsrekrutierung als Soldaten. Immer mehr von ihnen kommen inzwischen in Flüchtlingslagern in den Nachbarländern Uganda und Ruanda an, andere verstecken sich in den Wäldern der kongolesischen Provinz Nordkivu.

Der Konflikt im Osten Kongos wird immer mehr zu einem Krieg gegen die Kinder. Tausende flüchten nach Uganda und Ruanda. 

(Foto: REUTERS)

"Wir wissen, dass vor kurzem fast 200 Kinder von bewaffneten Gruppen entführt und gezwungen wurden, sich den Kämpfen anzuschließen" berichtet ein Sprecher des Kinderhilfsorganisation World Vision. Insgesamt haben seit Ausbruch des Konflikts im Mai mehr als 220 000 Menschen ihre Heimat verlassen.

Berichten zufolge beschießen Hubschrauber der UN-Mission in Kongo, Monusco, seit Mittwoch erneut Stellungen der Rebellenarmee M23, die zuletzt nah an die Großstadt Goma herangerückt war. In den vergangenen zwei Wochen hatte Monusco einen Großteil ihrer Truppen nach Goma verlegt, um gemeinsam mit der kongolesischen Armee die Stadt zu verteidigen. Laut dem britischen Fernsehsender BBC fliehen neben Tausenden Zivilisten auch Soldaten der Regierungstruppen vor den Kämpfen.

In der Region leben viele Angehörige der Hutu-Volksgruppe aus Ruanda, die am Völkermord gegen die Tutsi 1994 beteiligt waren und anschließend vor Tutsi-Kämpfern um den heutigen ruandischen Präsidenten Paul Kagame in das Nachbarland flohen. In der Folge sind immer wieder Kämpfe im rohstoffreichen Ostkongo ausgebrochen. Die Kommandeure der heutigen Rebellenarmee M23 sind mehrheitlich ethnische Tutsi.

Auch Nationalparks sind nicht verschont

Von den Kämpfen betroffen ist auch der Virunga-Nationalpark, weltweit bekannt als Heimat seltener Berggorillas. Nach tagelangen Verhandlungen haben Armee und Rebellen nun eingewilligt, dass Ranger des Parks eine Suchaktion nach sechs vermissten Gorilla-Familien starten können, ohne dabei ins Kreuzfeuer zu geraten.

Nachdem ein UN-Bericht schwere Vorwürfe gegen die ruandische Regierung erhoben hatte, diese unterstütze die Rebellenarmee M23, hat die US-Regierung am Samstag einen Etat von 200 000 Millionen Dollar an Militärhilfe für Ruanda gestrichen. Die ruandische Außenministerin weist die Vorwürfe als "unredlich" zurück.

Am Mittwoch haben die USA in der Angelegenheit ihren Ton weiter verschärft: Stephen Rapp, US-Sonderbotschafter für Kriegsverbrechen, drohte Ruandas Präsident Paul Kagame mit einem Prozess vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Das UN-Gericht hat erst vor zwei Wochen den Milizenführer Thomas Lubanga zu 14 Jahren Haft verurteilt, auch der mutmaßliche Anführer von M23, Bosco Ntaganda, wird wegen der Rekrutierung von Kindersoldaten gesucht.

Eine Anklage gegen den amtierenden ruandischen Präsidenten wäre ein ungewohnt drastischer Schritt gegen die Regierung eines Landes, das die USA bislang als engen Verbündeten in der Region behandelt haben.