Bürgerkrieg EU-Beauftragte macht Assad für Giftgasangriff verantwortlich

  • Bei einem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien sind nach Angaben von Aktivisten Dutzende Menschen ums Leben gekommen.
  • Es sei unklar, ob der Angriff von syrischen oder russischen Kampfjets geflogen wurde.
  • Das Krankenhaus, in dem die Opfer behandelt wurden, ist der Nachrichtenagentur AFP zufolge anschließend unter Beschuss genommen worden.

Bei einem Luftangriff mit Giftgas sollen im Nordwesten Syriens Aktivisten zufolge mindestens 58 Menschen getötet worden sein, darunter elf Kinder. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete aus dem Ort Chan Scheichun zudem Dutzende Verletzte. Zahlreiche Menschen seien in Ohnmacht gefallen, hätten sich erbrochen und Schaum vor dem Mund gehabt. Der Zustand vieler Verletzter sei ernst.

Flugzeuge hätten am Morgen mehrere Angriffe geflogen, berichteten Aktivisten. Es sei unklar, ob der Angriff von syrischen oder russischen Kampfjets geflogen wurde. Die Menschenrechtsbeobachter sitzen in Großbritannien, stützen sich bei ihren Angaben aber auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien. Ihre Angaben haben sich als zuverlässig erwiesen. Die Stelle äußerte sich nicht dazu, welches Gift bei dem Angriff eingesetzt wurde.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sieht "die vorrangige Verantwortung" bei der Regierung von Machthaber Baschar al-Assad. Die syrische Armee wies das zurück: Ein syrischer General, der ungenannt bleiben wollte, erklärte, man habe kein Giftgas eingesetzt. Auch die russischen Streitkräfte haben jegliche Verantwortung zurückgewiesen.

In Videos und auf Bildern aus der Stadt waren zahlreiche Leichen zu sehen. Aufnahmen zeigten, wie Verletzte mit Sauerstoffmasken behandelt wurden. Chan Scheichun liegt im Süden der Provinz Idlib, die von unterschiedlichen Rebellengruppen kontrolliert wird. Das Krankenhaus, in dem die Opfer behandelt wurden, ist offenbar anschließend unter Beschuss genommen worden. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, schlug eine Rakete am Eingang der Klinik ein und zerstörte Teile des Gebäudes. Im Inneren der Klinik kämpften Ärzte zu diesem Zeitpunkt um das Überleben zahlreicher Opfer des zuvor erfolgten Luftangriffs.

Waffenruhe ist brüchig

Eigentlich gilt in dem Bürgerkriegsland seit Ende des vergangenen Jahres eine von Russland und der Türkei ausgehandelte Waffenruhe. Diese ist jedoch brüchig. Ausgenommen von der Waffenruhe sind die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und die al-Qaida-nahe Organisation Tahrir al-Scham. Diese ist besonders in der Provinz Idlib stark.

Syriens Opposition rief den UN-Sicherheitsrat zu einer sofortigen Sitzung und Ermittlungen auf. Die in Istanbul ansässige Syrische Nationale Koalition forderte Maßnahmen, damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden.

UN-Ermittler hatten Syriens Regierung bereits im März vorgeworfen, in den vergangenen Monaten im Kampf um die Stadt Aleppo und andernorts Chlorgas eingesetzt zu haben. Ein Bericht der Untersuchungskommission des Menschenrechtsrates sprach von mindestens fünf Chlorgas-Angriffen regierungstreuer Kräfte seit Anfang dieses Jahres.

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Bereits 2013 waren östlich der Hauptstadt Damaskus bei Angriffen mit Giftgas rund 1400 Menschen getötet worden. Die Opposition und der Westen machten dafür Syriens Regierung verantwortlich. Diese stimmte danach zu, alle Giftgasvorräte zu vernichten. Chlor fiel jedoch nicht unter das Verbot, weil es auch für zivile Zwecke benötigt wird.