Keine leichte Aufgabe: Der künftige SPD-Chef Franz Müntefering muss ein Buch über Politiker vorstellen und nutzt die Gelegenheit, um seinen seinen Machtanspruch zu rechtfertigen.
Franz Müntefering hat keine leichte Aufgabe am Montag im Haus der Deutschen Bank in Berlin. Er ist gekommen, um ein Buch vorzustellen, das der Journalist Nikolaus Blome geschrieben hat. Es trägt den Untertitel "Warum Politiker besser sind als ihr Ruf" - eine These ganz nach Münteferings Geschmack. Er will also über Verantwortung sprechen, über Fairness und den ehrlichen Wunsch, das Land zum Besseren zu verändern.
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Das wäre eine einfache Übung für den begabten Rhetoriker Müntefering, gäbe es nicht noch eine andere Neuerscheinung, die dieser Tage in die Buchläden kommt: Das Werk von Kurt Beck nämlich, in dem der geschasste SPD-Chef kein Hehl daraus macht, dass er sich von der Parteispitze um Müntefering verraten und verkauft fühlt.
Müntefering versucht also die Kluft zwischen dem eigenen moralischen Anspruch und der Wirklichkeit des Kurt Beck zu schließen, und was dabei herauskommt, klingt ein bisschen nach Rechtfertigung. Es sei eben Ausdruck verantwortungsvoller Politik, nach der Macht zu streben, sagt der designierte Parteivorsitzende. "Politik zu machen, heißt zu führen."
Dann wird er grundsätzlich und sagt, dass Politiker lernen müssten, besser zu kommunizieren, auch miteinander. "Sprache ist ein kompliziertes Vehikel", sagt Müntefering, manchmal hätten zwei Menschen nach einem Gespräch völlig unterschiedliche Eindrücke.
Was Kurt Beck womöglich alles falsch verstanden hat, bei der Absprache rund um die Bekanntgabe von Frank-Walter Steinmeiers Kanzlerkandidatur, sagt er nicht, aber dass die SPD nach "diesem ganzen Vorgang" jetzt eine gute Chance habe bei der Wahl 2009 und das Land sowieso. Dann, kaum hörbar, murmelt er: "Das hat natürlich auch eine menschliche Seite, die ich verdrängen will."
Die vorab veröffentlichten Auszüge aus Becks Buch habe er gelesen, bloß passten sie "so gar nicht" zu dem Eindruck, den er in seinem Gespräch mit Beck Ende vergangener Woche gewonnen habe. Trotzdem will er sie "mit voller Gelassenheit" zur Kenntnis nehmen. Ob er irgendwann mal seine Sicht der Dinge erklären wird, lässt er offen.
Zunächst werde er Becks Buch vollständig lesen, kündigt Müntefering an. Schließlich relativiere sich manchmal "das eine oder andere", wenn man dann "das Ganze" sehe. Beck zunächst nicht zu widersprechen, sei also "eine Frage der Fairness", sagt Müntefering und lächelt zufrieden. Jetzt ist sie wieder da: Müntefering, die moralische Instanz.
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(SZ vom 24.09.2008/hai)
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