Von Gunnar Herrmann

Deutschland und Dänemark einigen sich auf den Bau der Fehmarn-Brücke. Ab 2018 sollen Autos und Züge über die 20 Kilometer lange Brücke fahren.

Egal ob es zum schwedischen Sommerhaus, auf eine dänische Ostseeinsel oder zum Rockfestival nach Roskilde geht - für Skandinavien-Urlauber beginnen die Ferien meist mit einer Bootsfahrt. Die Fähre vom deutschen Puttgarden ins dänische Rödby ist eine der wichtigsten Verbindungen vom europäischen Festland nach Nordeuropa.

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Eine Computergraphik zeigt die geplante Brücke, die in zehn Jahren fertig sein soll. (© Foto: ddp)

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Wenn es nach den Politikern geht, dann soll sie in etwa zehn Jahren ausgedient haben. Denn in der kommenden Woche wollen die Regierungen Deutschlands und Dänemarks den Bau einer Brücke zwischen ihren Ländern vereinbaren.

Damit endet ein jahrelanger Streit um die Fehmarnbelt-Querung. Wirtschaftsvertreter erhoffen sich von dem Bauwerk neuen Schwung für den Handel zwischen Nord und Süd.

Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee und seine dänische Kollegin Carina Christensen werden am kommenden Mittwoch in Kopenhagen ihre Unterschriften unter den Vertrag setzen, der sie zum Bau der Brücke verpflichtet. Den Regierungen zufolge sollen Züge und Autos frühestens im Jahr 2018 über den Belt rollen. Vorausgegangen waren 15 Jahre Diskussion, bei der es vor allem um die Finanzierung ging.

Dänemark übernimmt die Kosten

Die Bundesregierung erwies sich als ein harter Verhandlungspartner: Dänemark, das Experten zufolge stärker von dem Projekt profitiert, übernimmt nun die gesamten Kosten für die 20 Kilometer lange Brücke. Nach derzeitigem Stand der Planungen muss das Land damit etwa 4,8 Milliarden Euro für das Projekt aufbringen. Wahrscheinlich wird Kopenhagen einen Teil der Summe in Form einer Bürgschaft zur Verfügung stellen.

Die Brücke würde dann von privaten Investoren gebaut und über eine Maut finanziert. Der Bund und das Land Schleswig-Holstein werden für den Bau von Straßen und Schienen auf deutscher Seite etwa 800 Millionen Euro bereitstellen müssen. Geplant sind eine vierspurige Autobahn und zwei Schienenstränge. Die EU hat bereits Fördergeld für die Beltquerung versprochen.

Verkürzung der Fahrtzeit

Die Fahrzeit zwischen Hamburg und Kopenhagen soll durch das Bauwerk um eine Stunde auf etwa 3,5 Stunden verkürzt werden. Auch in Stockholm werden die Pläne mit großem Interesse verfolgt. Denn die Brücke schließt die letzte Lücke in einer der Hautverkehrsadern, die Schweden mit großen Exportmarkt Deutschland verbindet.

Wirtschaftsvertreter in Norddeutschland erhoffen sich ebenfalls Vorteile und hatten intensiv bei Bund und Ländern um Unterstützung für das Projekt geworben.

In der Bundesregierung war die Beltquerung umstritten. Kanzlerin Angela Merkel gilt als Befürworterin, Umweltminister Sigmar Gabriel bezeichnete die Brücke dagegen einmal als "bekloppte Idee". Kritik an den Plänen kam auch aus einigen Küstengemeinden. In Puttgarden erwartet man den Verlust von Arbeitsplätzen, wenn die Fähren ihren Betrieb einstellen.

Ähnliche Ängste gibt es in Rostock, wo mehrere Fährverbindungen nach Skandinavien beginnen. Der härteste Widerstand kommt von Naturschutzverbänden. Sie fürchten unter anderem, die Brückenpfeiler könnten die Strömung im Belt stören und die Meeresökologie beeinträchtigen. Nach der Vertragsunterzeichnung am Mittwoch müssen noch der Bundestag und das dänische Parlament dem Bau zustimmen.

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(SZ vom 27.08.2008/jtr)