Von Oliver Das Gupta

Scotland Yard ermittelt in Moskau - und kann die wichtigsten Zeugen nicht befragen. Inzwischen ist klar, wen die Briten hinter dem Mordkomplott sehen.

Jede mögliche Hilfe wolle Russland bei der Aufklärung des Falles Litwinenko leisten, versicherte Verteidigungsminister Sergej Iwanow noch vor wenigen Tagen.

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Inzwischen nahm eine Gruppe britischer Scotland Yard-Ermittler ihre Arbeit in Moskau auf - und stieß prompt an die Grenzen der russischen Amtshilfe.

Auf der Zeugen-Liste der Briten ist der Name Michail Trepaschkin verzeichnet. Wie Litwinenko hatte er früher beim russischen Geheimdienst FSB gedient und das spätere Opfer vor einem Mordanschlag gewarnt.

Die Anwältin des schwer kranken Ex-Agenten sagte, ihr Mandant sei bereit, den britischen Ermittlern Informationen über den Tod Litwinenkos zu liefern. Scotland Yard kann ihn trotzdem nicht befragen - weil er in einem Gefängnis im Ural sitzt.

Trepaschkin sei wegen der Preisgabe von Staatsgeheimnissen verurteilt und dürfe daher nicht mit Vertretern einer ausländischen Regierung zusammentreffen, erklärte ein Sprecher der Justizvollzugsbehörden.

Nach Medienberichten wollten die Ermittler aus London auch mit dem Unternehmer Andrej Lugowoj und seinen Geschäftspartnern Dmitri Kowtun und Wiatscheslaw Sokolenko sprechen. Die drei hatten Litwinenko am Tag seiner Vergiftung in einem Londoner Hotel getroffen.

Auch Lugowoj war früher beim FSB. In seinem Hotelzimmer und in den Maschinen von British Airways, mit denen Lugowoj von Moskau nach London geflogen war, hatte die britische Polizei Spuren von Polonium 210 gefunden.

Auch Lugowoj konnten die Briten nicht befragen: Er wurde zusammen mit seiner Familie überraschend ins Krankenhaus gebracht.

Die erschwerten Umstände bestätigen den bisherigen Eindruck der Ermittler:

Britische Ermittler verdächtigen FSB

Wie die Tageszeitung The Times berichtet, sind britische Sicherheitskreise davon "überzeugt", dass der Ex-Agent mit "Bevollmächtigung" des russischen Geheimdienstes FSB ermordet wurde.

Das Blatt zitiert namentlich nicht genannte Stimmen aus britischen Sicherheitskreisen, die von einem "höchst ausgeklügelten Anschlag" sprechen. Der FSB habe vermutlich einige seiner früheren Agenten mit der "Operation auf Londons Straßen" beauftragt.

"Wir wissen, wie der FSB vorgeht. Angesichts der Todesumstände Litwinenkos gilt der FSB als Hauptverdächtiger", sagte einer der Ermittler der Times.

Zudem hätten nur "Offizielle" wie FSB-Agenten die Menge an Polonium 210 beschaffen können, mit der Litwinenko vergiftet wurde. Allein die damit verbundene Organisation des Unternehmens habe nur von international operierenden Profis "gemanaged" werden können, sagte ein hochrangiger Polizist der Zeitung.

Ein mögliches Motiv der Tat leitet der anonym zitierte Beamte aus der Methode ab, mit der der Ex-Agent ermordet wurde: Als eine "Botschaft" an dessen Freunde und Verbündete. "Das ist so eine üble Art zu sterben. Ihnen (Anmerkung: den Mördern) muss das bekannt gewesen sein", sagte der Polizist.

In den Ermittlungen arbeiten die britischen Dienste MI5, MI6 und Scotland Yard eng zusammen.

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(sueddeutsche.de)