Von Oliver Das Gupta

Die ehemalige RAF-Führerin droht der Bild mit juristischen Mitteln, sollte die Zeitung sie weiterhin als "Mörderin" und "Terroristin" bezeichnen. Doch das Boulevard-Blatt denkt gar nicht daran, zurückzustecken.

Am ersten Montag in Freiheit seit 24 Jahren kann sich Brigitte Mohnhaupt an jedem Kiosk der Republik sehen: Die Bild-Zeitung titelt in fetten Lettern: "Schlimmste Terroristin frei". Daneben druckt sie ein altes Foto Mohnhaupts sowie den obligatorischen RAF-Stern samt Heckler & Koch MP5-Gewehr.

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Einen Tag später schrreibt Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner seine "Post" an die "Liebe Brigitte Mohnhaupt", nennt sie "Mörderin". Und malt sich aus, wie die Adressatin in der Sonne sitzt, sich Sushi ("köstlich, gab es zu Ihrer Zeit nicht") und Latte Macchiato einverleibt.

Das schmeckt Mohnhaupts-Anwalt Helmuth Jipp überhaupt nicht - er mahnt Bild via Axel Springer Verlag ab: Frau Mohnhaupt sollte nicht länger als "Terroristin" und "Mörderin" bezeichnet werden. Im historischen Kontext sei das "in Ordnung", sagt Jipp zu sueddeutsche.de. Doch ihm gehe es um den "aktuellen Kontext", jetzt, nach der Freilassung. Schließlich beginne nun Mohnhaupts Resozialisierung.

Bild lässt das ungerührt. Das Blatt kommt der Abmahnung nicht nach- und legt nach: Wagner schreibt noch einmal an Mohnhaupt ("Wie hätten Sie es denn gern, wie ich sie nennen soll: Mörderin a. D."), zwei Ex-Geiseln der Lufthansa-Maschine "Landshut" - eine davon arbeitet inzwischen für den Springer-Verlag - empören sich über Mohnhaupt und ihren Anwalt.

Das juristische Geplänkel geht weiter: Jipp erklärt, er erwäge als nächsten Schritt den Antrag einer Einstweiligen Verfügung gegen das Blatt.

Doch die Macher von Bild denken nicht daran, zurückzustecken: "Wir werden weiterhin über diesen Teil der deutschen Geschichte schreiben - und richten uns dabei nicht nach der Wortwahl, die Frau Mohnhaupt genehm ist", erklärte Sprecher Tobias Fröhlich im Gespräch mit sueddeutsche.de. Bild werde weiter über die Causa berichten.

Anwalt Jipp ist verwundert: Die ganze Aufregung in den Medien über Mohnhaupts Freiheit überrasche ihn, sagt er. Schließlich seien vielen andere ehemalige RAF-Terroristen geräuscharm aus dem Gefängnis entlassen worden.

Klein beigeben will auch er nicht: "Unabhängig davon, was die Bild-Zeitung macht, muss ich die Eilbedürftigkeit der Einstweiligen Verfügung erhalten und spätestens nächste Woche damit zu Gericht gehen."

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(sueddeutsche.de)