Brigitte Böhnhardt im NSU-Prozess "Wir mochten seine Freunde"

Uwe Böhnhardt kam zwei Mal ins Gefängnis, das seien schlimme Zeiten gewesen. Dennoch hätten die Eltern zu ihm gehalten: "Wir haben ihm gesagt: Du bist unser Kind, wir lieben dich." Er habe zeitweise auf dem Bau gearbeitet, sei dann aber arbeitslos geworden. Er habe vermehrt seine Freunde getroffen. Brigitte Böhnhardt nennt Uwe Mundlos, Ralf Wohlleben und auch Beate Zschäpe. "Wir mochten seine Freunde. Es waren nette, junge, höfliche Leute." Sie alle seien arbeitslos gewesen und hätten viel Zeit gehabt.

"So, das war Uwes Entwicklung", sagt Brigitte Böhnhardt.

Beate Zschäpe wirkt innerlich bewegt, beißt sich zwischendurch ein bisschen auf die Lippe, zieht die Ärmel ihres Pullovers über die Hände und schaut trübe.

Dann beginnt Brigitte Böhnhardt mit ihrer Kritik an Polizei und Verfassungsschutz. Sie habe nicht gewusst, an welchen Demonstrationen ihr Sohn teilgenommen hatte. "Ich frag' mich immer, wer das bezahlt hat." Sie ist überzeugt davon, der Verfassungsschutz habe dahintergesteckt. Die Mutter zweifelt auch die offizielle Darstellung zur Razzia an, bei der die Polizei 1998 in einer von Zschäpe angemieteten Garage Sprengstoff und Neonazi-Propaganda fand. Am Tag der Razzia tauchte das Trio Böhnhardt, Zschäpe, Mundlos unter.

Heimlich Kontakt zu den Eltern

Nach der Flucht nahm Uwe Böhnhardt ein paar Mal heimlich Kontakt zu den Eltern auf, die damals der Polizei nichts darüber sagten. Als Uwe anrief, hätten sie "Rotz und Wasser geheult", sagt Brigitte Böhnhardt. Später gab es sogar Treffen mit dem Trio. Wo es untergetaucht war, habe die Mutter aber nicht gewusst. Im Nachhinein sei es für sie "der Super-Gau" gewesen, dass das Trio nur anderthalb Autostunden von Jena entfernt lebte. Sie habe sie "sonstwo" vermutet, sagte Brigitte Böhnhardt.

Stets habe sie dazu gedrängt, sich bei der Polizei zu melden: "Wir haben gesagt: Wir kriegen das hin. Stellt euch, stellt euch, stellt euch!" Ihr Sohn und Beate Zschäpe hätten das auch gewollt, aber Uwe Mundlos sei dagegen gewesen, sagt Brigitte Böhnhardt. Auch Versuche, über einen Rechtsanwalt das Trio zur Aufgabe zu bewegen, sind gescheitert.

Dann heizt die Mutter erneut den Verdacht gegen die Behörden an: "Im Nachhinein ist es meine Meinung, dass verschiedene Kreise oder Behörden nicht wollten, dass sie sich stellen. Ich frage mich immer wieder. Warum nicht? Warum sollten sie sich nicht stellen? Wer wollte nicht, dass sie sich stellen?"

Dass die Untergetauchten sich selbst dazu entschlossen haben könnten, aus dem Untergrund heraus ihren rechten Terror auszuüben, kann oder mag sich die Mutter offenbar nicht vorstellen.