Von Von Peter Fahrenholz

Der CSU-Chef bangt offenbar um den Wahlerfolg von Union und FDP im Jahr 2006. In einer internen Sitzung soll er denn auch demensprechend am Gewinner-Potenzial der Protestantin Merkel und des "Junggesellen" Westerwelle gezweifelt haben. Tenor: Beide könnten Schröder und Fischer nicht das Wasser reichen.

Das Dementi folgte wie üblich auf dem Fuße. Natürlich hat CSU-Chef Edmund Stoiber über Angela Merkel und Guido Westerwelle nicht gesagt: "Die können Schröder und Fischer nicht das Wasser reichen", wie es der Münchner Merkur berichtet hatte.

Da hatten sie noch gut lachen: Westerwelle, Merkel und Stoiber bei der offiziellen Kür ihres Kandidaten Köhler für die Bundespräsidentenwahl im März. (© Foto: AP)

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Und natürlich hat Stoiber auch keine Bedenken geäußert, ob man mit einer ostdeutschen Protestantin und einem Junggesellen aus Bonn (gemeint war selbstverständlich: mit einem schwulen FDP-Chef) das bürgerliche Lager voll ausschöpfen kann. Versichert jedenfalls Stoibers Generalsekretär Markus Söder pflichtschuldigst.

Was Stoiber in einer internen Sitzung tatsächlich gesagt hat, ist schwer zu ermitteln, denn erfahrungsgemäß werden Teilnehmer solcher Sitzungen bei heiklen Details gern von Erinnerungslücken geplagt. Es ist aber auch völlig egal.

Denn die kolportierten Zitate entsprechen ziemlich genau dem, was Stoiber denkt. Der CSU-Chef schätzt, das hat er in Interviews mehrmals gesagt, die anstehenden Reformen, die eine unionsgeführte Regierung nach einem Wahlsieg 2006 schultern müsste, für mindestens genauso schwierig ein wie den Neuaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg.

Und er wird von der Sorge umgetrieben, dass das vorhandene Personal in Union und FDP der Wucht der Probleme womöglich nicht gewachsen ist (mit Ausnahme von ihm selbst natürlich).

Das Geätze gegen Friedrich Merz

In Stoibers Augen sind Schröder und Fischer keine Leichtmatrosen, einige der eigenen Leute hingegen schon. Friedrich Merz beispielsweise, wird in München gerne geätzt, habe doch noch nie ein Ministerium geführt.

Befeuert wird Stoibers Sorge durch das gegenwärtige Chaos bei der Bestimmung des Kurses der Union. Was in der CDU in munterer Folge an unausgegorenen Vorschlägen auf den Markt kommt, löst bei der bayerischen Schwester helles Entsetzen aus.

Die Kopfpauschale lehnt Stoiber nicht deshalb ab, weil ihm sein eigener Gesundheitsexperte Horst Seehofer so lieb und teuer ist, sondern weil er fürchtet, dass mit dem sensiblen Gesundheitsthema eine Wahl nicht gewonnen, wohl aber verloren werden kann. Der Rohrkrepierer, den die CDU in der Debatte über den Kündigungschutz produziert hat, ist noch nicht verdaut, da sorgen vage Pläne für eine Pkw-Maut für neue Unruhe.

Die zweite Kandidatur lodert in Stoibers Hinterkopf

In Stoibers Augen ist das alles höchst unprofessionell. Sein Vize Seehofer bringt es auf die Formel: "Wir versemmeln jedes Thema." Seehofer hat daher Stoibers volle Unterstützung, wenn er die offenen Fragen eines umfassenden Reformkonzeptes geklärt haben will.

Natürlich haben Stoibers Mahnungen auch eine persönliche Komponente. Über eine zweite Kanzlerkandidatur spricht er zwar nicht, und die politische Konstellation spricht im Moment auch klar dagegen. Aber der Gedanke lodert dennoch in seinem Hinterkopf.

Je näher die Wahl rückt, so das Szenario in Stoibers Umfeld, desto stärker könnten im Wahlvolk die Zweifel an einem Duo Merkel/Westerwelle werden. Und die Frage könnte aufs Tapet kommen, ob man gegen Schröder und Fischer nicht Stoiber, den erfolgreichen Ministerpräsidenten, ins Rennen schicken müsse.

In Bayern peitscht Stoiber zurzeit gegen heftige Widerstände unpopuläre Reformen durch. Das Jahr 2006 hat er dabei fest im Blick. Seht her, so macht man das, lautet seine unterschwellige Botschaft.

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(SZ vom 05.08.2004)