Brandsätze auf Bahnstrecken Anschlag auf Berliner Hauptbahnhof vereitelt

In Berlin ist am Mittag ein Brandanschlag im Hauptbahnhof gerade noch verhindert worden. In einem Tunnel wurden mehrere verdächtige Gegenstände entdeckt. Auch auf die Strecke zwischen Berlin und Hamburg ist ein Anschlag verübt worden. Eine antimilitaristische Gruppe behauptet im Internet, damit gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan protestieren zu wollen.

Der Berliner Hauptbahnhof ist offenbar knapp einem Anschlag entgangen: Am Mittag wurde ein Tunnel gesperrt, nachdem ein Bahn-Mitarbeiter verdächtige Gegenstände gefunden hatte, die ein Feuer hätten auslösen können. Die sieben Brandsätze waren an der Einfahrt zu einem Tunnel versteckt und enthielten anderem flüssigen Brandbeschleuniger. Sie wurden inzwischen unschädlich gemacht.

Für etwa eineinhalb Stunden mussten Fern- und Regionalzüge umgeleitet werden, betroffen war der Zugverkehr auf der Nord-Süd-Tangente. Gegen 13:20 Uhr konnte der Hauptbahnhof wieder freigegeben werden.

Zuvor hatte es am frühen Morgen bereits einen ersten Anschlag auf eine Bahnstrecke nahe Berlin gegeben, dadurch wurden Signalleitungen zerstört. Der Regional- und Fernbahnverkehr in Berlin und Brandenburg wurde dadurch erheblich beeinträchtigt. Betroffen war nach Angaben der Bahn der Abschnitt zwischen Berlin-Spandau und Nauen, nordwestlich der Hauptstadt.

Indizien deuten auf einen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen hin. Nach ersten Erkenntnissen seien die jeweils verwendeten Brandsätze baugleich, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei.

Eine antimilitaristische Gruppe bekannte sich nach Informationen der Bild-Zeitung zu dem Anschlag außerhalb Berlins. Demnach wollte die Gruppe damit auch gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan protestieren, berichtet das Blatt unter Berufung auf ein ihr vorliegendes Bekennerschreiben. Das Landeskriminalamt (LKA) Brandenburg hält das Schreiben nach einer vorläufigen Bewertung für authentisch.

Züge zwischen Berlin und Hamburg wurden über Stendal und Wittenberge umgeleitet, die Fahrzeiten verlängerten sich entsprechend. Vier Regionalbahn-Linien waren unterbrochen, der betroffene Streckenabschnitt zwischen Berlin-Spandau und Nauen wurde mit Bussen überbrückt. Wann die Störungen behoben sein werden, war zunächst unklar.

Unbekannte hatten am Morgen Kabel an der Trasse in Brand gesetzt. Nach Angaben eines Sprechers der Bundespolizei waren zwischen den Bahnhöfen Brieselang und Finkenkrug die Abdeckplatten eines Kabelschachtes abgehoben worden. Anschließend setzten die Täter mit Brandbeschleunigern die Kabel in Brand und machten sie dadurch unbrauchbar.

Ein ähnlicher Anschlag hatte am 23. Mai in der Nähe des Berliner Bahnhofs Ostkreuz den S-, Regional- und Fernbahnverkehr lahmgelegt. Ob es einen Zusammenhang mit dem aktuellen Anschlag gibt, kann laut Bundespolizei noch nicht gesagt werden. Nach Informationen des Tagesspiegels gibt es allerdings eine Parallele. Damals wie heute lehnten die mutmaßlichen Tätergruppen ihre Namen in Bekennerschreiben an isländische Vulkane an.

Die Bahn hat die Attacken auf ihre Anlagen scharf verurteilt. Der Leiter der Konzernsicherheit des Unternehmens, Gerd Neubeck, nannte die Taten "absolut verantwortungslos". Bei einem Streckennetz von 34.000 Kilometern Länge sei eine flächendeckende Überwachung aber schlicht unmöglich. Die Bahn sei bei der Bekämpfung extremistischer Gewalt zwingend auf die staatlichen Ermittlungsbehörden angewiesen.