Überraschende Wende: Nach jahrelangem Streit stoppt Verteidigungsminister Jung den Ausbau der Kyritz-Ruppiner Heide zum größten Luft-Boden-Schießplatz in Deutschland.

Das Bundesverteidigungsministerium verzichtet auf die Nutzung des Truppenübungsplatzes "Bombodrom" in Brandenburg als Luft-Boden-Schießplatz. Minister Franz-Josef Jung erklärte, die Bundesregierung werde keine Revision gegen das letzte Urteil des Oberverwaltungsgerichtes einlegen.

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Seit 17 Jahren protestieren Bewohner gegen die militärische Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide. (© Foto: ddp)

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Die Luftwaffe wollte auf dem 142 Quadratkilometer großen Areal in Nordbrandenburg den größten deutschen Luft-Boden-Schießplatz für Tiefflug- und Bombenabwurfübungen einrichten. Ende März hatte das Oberverwaltungsgericht die Berufung zurückgewiesen, mit der das Verteidigungsministerium den Weiterbetrieb des Übungsplatzes erreichen wollte. Dagegen hätte Jung bis zum 13. Juli Revision einlegen können.

Die Bundeswehr hat in dem Streit inzwischen 27 Niederlagen vor Gericht kassiert, aber dennoch weiter an den Plänen festgehalten. Zwei wesentlich kleinere Übungsgelände in Nordhorn (Niedersachsen) und Siegenburg (Bayern) sollten durch das "Bombodrom" entlastet werden. Bei Wittstock sollte nach den ursprünglichen Plänen eine rund 800 Mann starke Garnison entstehen.

Die Bewohner protestieren seit 17 Jahren gegen die militärische Nutzung des Gebietes in Brandenburg. Die Tourismusbranche befürchtete Einbußen. Ebenso wie die Regierungen und Landtage beider Länder erwartete sie erhebliche Beeinträchtigungen des Tourismus, der eine bedeutende Einnahmequelle der strukturschwachen Region ist. Auch der Bundestag hatte sich am 2. Juli dagegen ausgesprochen. Die Abgeordneten folgten damit einem Antrag des Petitionsausschusses.

Das Wald- und Heidegebiet hatte bereits die Sowjetarmee nach 1946 militärisch genutzt. Bis zu 25.000 Mal im Jahr übte sie dort Bombenabwürfe. Dabei kam es immer wieder zu Unfällen: Flugzeuge verloren schon mal zu früh ihre Last oder stürzten ab, so dass Häuser beschädigt wurden.

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(dpa/AP/af/ihe)