Bob Dylan, Frankreich und die Légion d'honneur Zu pazifistisch für die Ehrenlegion

Goethe, Putin und Michael Schumacher haben sie schon, Bob Dylan ist die französische Auszeichnung Légion d'honneur aber bislang verwehrt geblieben. Jetzt wurde auch Dylan für die Ehrenlegion vorgeschlagen. Doch die Verantwortlichen wehren sich - angeblich weil der Musiker mal mit Pazifismus und Marihuana sympathisierte.

Von Stefan Ulrich, Paris

Unzählige Male ist er schon gewürdigt worden, mit Doktortiteln, Grammys, Oscar, Golden Globe Award oder Pulitzer-Preis. Eine ganz besondere Ehrung aber fehlt noch in Bob Dylans Sammlung: die Légion d'honneur. Dieser höchste französische Verdienstorden wurde 1802 von Napoleon nach altrömischem Vorbild geschaffen, um außerordentliche Leistungen, Talente und Tugenden zu preisen. Auch Ausländer wurden ausgezeichnet. Dazu zählen Johann Wolfgang von Goethe, Claudia Cardinale, Clint Eastwood, Joseph Ratzinger, Paul McCartney, Wladimir Putin und Michael Schumacher.

Nur Bob Dylan, den viele zu den bedeutendsten lebenden Musikern rechnen, blieb außen vor. Das sollte sich ändern: Die französische Kulturministerin Aurélie Filippetti setzte den Amerikaner auf die Kandidatenliste für die nächste Ehrenlegion-Verleihung. "Bob Dylan zu würdigen, wäre ein gutes Zeichen für Frankreich und für jeden, der den Rock'n'Roll und die Musik im Allgemeinen liebt", sagte Madame Filippetti. Viele Franzosen dürften ähnlich denken.

So wanderte die Vorschlagsliste in die Kanzlei der Ehrenlegion, die im Palais de Salm am linken Pariser Seine-Ufer residiert. Dort beugte sich der Großkanzler, General Jean-Louis Georgelin, über die Liste. Die Prüfung ist geheim. Die Enthüllungszeitung Canard Enchaîné verrät jedoch, der General sei nicht erfreut gewesen, als er Dylans Namen las. "Indigne" - unwürdig - habe er ihn befunden. Der Grund: Dylan habe Cannabis geraucht und zu Vietnam-Kriegszeiten pazifistische Positionen bezogen.

Pazifistische Umtriebe werden zum Problem

Im Internet löste dies einige Aufregung unter den Dylan-Fans aus. Sie erinnerten daran, ihr Idol habe doch gerade erst von US-Präsident Barack Obama die Medal of Freedom erhalten, ein amerikanisches Pendant zur Ehrenlegion. Da sollten sich die Franzosen nicht so zieren. Die Großkanzlei sah sich jetzt zu einer Stellungnahme genötigt. Sie dementierte den Bericht nicht, betonte aber, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Die Auswahl werde nicht vom Großkanzler allein, sondern vom Rat der Ehrenlegion vorgenommen. Das letzte Wort kommt dann dem Präsidenten der Republik zu, François Hollande, der kraft Amtes Großmeister der Ehrenlegion ist.

Es bleibt also spannend. Fällt Dylan wegen pazifistischer Umtriebe durch? Gegen seine Auszeichnung könnte sprechen, dass weder Großkanzler Georgelin (Generalstabs-Chef a. D.) noch Großmeister Hollande (Mali-Einsatz) als Pazifisten gelten. Andererseits wurde einmal eine Brieftaube mit der Ehrenlegion ausgezeichnet, die im Ersten Weltkrieg ums Leben kam. Tauben wiederum gelten eigentlich als Vögel des Friedens.

Sollte Bob Dylan am Ende doch noch für würdig befunden werden, könnte er sich rächen und die Verleihung im Élysée boykottieren. In der Vergangenheit haben das schon einige berühmte Leute getan, Brigitte Bardot beispielsweise, die ein Herz für Tauben und andere Tiere hat. Ohnehin könnte die Ehrenlegion Dylans Verdienste weder mehren noch schmälern. In einem seiner Songs heißt es: "Du wirst niemals größer als du selbst sein."