Bombentest in Nordkorea Atombombe? H-Bombe? Was hat Nordkorea gezündet?

  • Nordkorea behauptet, eine Wasserstoffbombe getestet zu haben.
  • Eine H-Bombe ist mächtiger als die Atombombe von Hiroshima.
  • Nach Messungen bezweifeln Experten aber, dass die nordkoreanischen Angaben stimmen.

Eine 1000-fach höhere Sprengkraft, davon sprechen Experten, wenn sie eine Wasserstoffbombe mit einer Atombombe vergleichen. Mit Atombomben, wie sie in den letzten Kriegstagen 1945 beispielsweise über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden.

Nach dem von Nordkorea verkündeten Test einer Wasserstoffbombe wird jetzt wieder über diese zerstörerische Waffe diskutiert. Doch noch ist völlig unklar, ob tatsächlich eine H-Bombe getestet wurde. Zwar bestätigten Atomexperten in Südkorea und anderswo nach Erdbebenmessungen einen Atombombentest in dem international isolierten Land. Sie bezweifelten aber angesichts der geringen Sprengkraft, dass tatsächlich eine Wasserstoffbombe detonierte.

Wie eine H-Bombe funktioniert

Atombomben auf der Kernspaltung, ebenso wie Atomkraftwerke. Die Wasserstoffbombe - auch thermonukleare Bombe genannt - basiert indes auf der Kernfusion, dem entgegengesetzten Konzept. Die Technologie der Wasserstoffbombe ist komplizierter als die einer Atombombe. Einmal erreicht, stellt sie eine größere Bedrohung dar. Sie kann zudem so klein gebaut werden, dass sie auf den Kopf einer Interkontinentalrakete passt.

"Dass die Bombe so kompakt werden kann, ist ihre Charakteristik - und das bedeutet, dass Nordkorea mit dem verkündeten H-Bombentest die USA im Visier hat", sagt Tatsujiro Suzuki, Professor des Forschungszentrums zur Abschaffung von Atomwaffen an der Universität von Nagasaki. Der Bau der H-Bombe erfordere allerdings mehr Technologie bei der Kontrolle sowie größere Genauigkeit, weil ein viel größeres Maß an Energie involviert sei, erklärt Suzuki.

Sowohl die A-Bombe als auch die H-Bombe sind mit radioaktivem Material wie Uranium und Plutonium versehen. Bei der Wasserstoffbombe liefern sie durch eine Kernspaltung die nötige Energie für die Kernfusion von Wasserstoffisotopen.

Die Wasserstoffbombe gehört bereits zum Standard der fünf Nationen mit den größten atomaren Kapazitäten: USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und China. Jetzt jubeln die staatlich kontrollierten Medien in Nordkorea, mit der erfolgreichen Erprobung einer Wasserstoffbombe (H-Bombe): "In der perfektesten Weise" habe sich die Volksrepublik in diese Reihe der Atommächte gestellt.

Zweifel an nordkoreanischen Angaben

Südkoreanische Militärexperten halten es allerdings für unwahrscheinlich, dass Nordkorea eine voll entwickelte H-Bombe gezündet hat, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul sagte. Die Stärke der Explosion sei dafür zu schwach gewesen. Nach Angaben der Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBT) in Wien war die aktuelle Detonation ähnlich stark wie die 2013. In Nordkorea gab es zwischen 2006 und 2013 auf dem Testgelände in Punggye Ri im Kreis Kilju bereits drei Atomtests.

Eine Erdbebenkarte, veröffentlicht vom United States Geological Survey, zeigt die Erschütterung in Nordkorea.

(Foto: dpa)

Stationen hätten eine Erschütterung der Stärke 4,9 gemessen, sagte der Chef-Datenanalyst der Organisation, Randy Bell. "Nach dem bisherigen Stand der Auswertung sprechen starke Indizien für eine Nuklearexplosion", teilte auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit, die von einer Stärke von 5,1 sprach. Das entspreche einer Sprengkraft von 14 Kilotonnen und somit in etwa der Stärke des Tests von 2013.

Auch US-Experten zweifeln Insidern zufolge daran, dass es sich wirklich um eine Wasserstoffbombe gehandelt hat. Voraussichtlich werde es mehrere Tage dauern, um feststellen zu können, welche Art Sprengsatz zum Einsatz gekommen sei, verlautete am Mittwoch aus amerikanischen Regierungskreisen. Dafür kämen eine Vielzahl von Sensoren auch in Flugzeugen zum Einsatz.

H-Bombe noch nie auf bestimmte Ziele abgeworfen

Nordkoreas Diktatur Kim Jong UN hatte im vergangenen Monat angedeutet, sein Land besitze eine Wasserstoffbombe. Das Verteidigungsministerium in Seoul vermutete dagegen, dass Nordkorea eine sogenannte geboostete Spaltbombe entwickelt haben könnte, eine Zwischenstufe auf dem Weg zur Entwicklung einer H-Bombe.

Die H-Bombe wurde bisher niemals auf irgendwelche Ziele abgeworfen. Erfolgreich testeten sie die USA in den 1950er Jahren am Bikini-Atoll im Pazifik. Die damalige Sowjetunion folgte bald mit ähnlichen Tests. Seit den 1960er Jahren fanden die Tests unterirdisch statt, um den radioaktiven Niederschlag - den sogenannten Fallout - zu begrenzen.