Bombenfund in Bonn Bundesanwaltschaft vermutet terroristischen Hintergrund

Nur knapp einer Katastrophe entgangen: Der am Bonner Hauptbahnhof gefundene Sprengsatz ist offenbar gezündet worden. Die Fahnder vermuten einen Anschlagsversuch von Terroristen "radikal-islamistischer Prägung".

Von Bernd Dörries und Hans Leyendecker, Bonn

Die Bonner Bombenleger haben vermutlich einen Terror-Hintergrund. Deshalb hat die Bundesanwaltschaft am Freitag die Ermittlungen wegen des Sprengstofffundes am Bonner Hauptbahnhof übernommen. Die Ermittler vermuten, dass an der Tat mehrere Personen beteiligt waren. Die potenziellen Attentäter werden in radikal-islamistischen Kreisen vermutet. Die Karlsruher Behörde beauftragte das Bundeskriminalamt mit den Ermittlungen.

Es gebe "Anhaltspunkte", dass es sich um einen "versuchten Sprengstoffanschlag einer terroristischen Vereinigung radikal-islamistischer Prägung" handele, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Auch gebe es "belastbare Hinweise" auf eine "verdächtige Person" aus diesem Milieu. Ob der Verdächtige, dessen Identität feststeht, wirklich am Bahnhof war, ist noch unklar. Diese Person soll in der rheinischen Salafisten-Szene bekannt sein und sie soll Helfershelfer gehabt haben.

Fahndungsplakat der Polizei mit einem Tatverdächtigen: Inzwischen ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen dem Bonner  Sprengstofffund.

(Foto: dapd)

Mittlerweile scheint auch festzustehen, dass die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn am Montag nur knapp einer Katastrophe entgangen ist. Der am Montag im Hauptbahnhof auf dem Bahnsteig eins in einer Sporttasche deponierte Sprengkörper ist vermutlich gezündet worden, aber dann glücklicherweise nicht explodiert. Ob es sich um einen Konstruktionsfehler handelte oder der mutmaßliche Attentäter bei der versuchten Zündung Fehler machte, steht noch nicht fest.

Kriminaltechnische Untersuchungen des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes (LKA) haben ergeben, dass die Sprengvorrichtung aus einem etwa vierzig Zentimeter langen Metallrohr bestand, das zündfähiges Ammoniumnitrat enthielt und mit vier Druckgaspatronen umwickelt war. Außerdem waren in der Tasche ein Wecker, Nägel und mehrere Batterien, die offenbar als Zündvorrichtung dienen sollten.

Die Spezialisten des LKA fanden heraus, dass die Batterien einen sehr niedrigen Ladestand hatten und entdeckten in der Tasche auch Schmauchspuren. Beide Umstände deuten auf einen Versuch hin, die Bombe zu zünden. Möglicherweise war der Sprengsatz falsch konstruiert. In Bauanleitungen im Internet, die, so eine Vermutung der Ermittler, den Bombenbauern vorgelegen haben könnten, wird ein sogenannter Booster verbaut. Die Attentäter hatten aber stattdessen eine Glühbirne eingebaut, die von den Ermittlern auf dem Gleisbett des Hauptbahnhofs entdeckt wurde. Sie war offenbar durch den Beschuss mit einem Wassergewehr aus der Tasche geschleudert worden.

Die Ermittler schließen aber auch die Theorie nicht aus, dass der Attentäter in der Aufregung einen Fehler machte, als er die Tasche mit der Sprengvorrichtung abstellte und dann zu zünden versuchte. Die These, die Bombe sollte ferngezündet werden, wird von Ermittlern dementiert. Der Düsseldorfer Innenminister Ralf Jäger erklärte am Freitag, der Fall zeige, wie "wichtig" es sei, dass die Behörden "seit Jahren sorgfältig Erkenntnisse über salafistische Gruppierungen" sammelten.