Boko Haram Nigerias Armee stoppt Angriff auf Millionenstadt

Straßenpatrouille in Maiduguri: Die Millionenstadt fühlte sich von Boko Haram umzingelt, jetzt schritt die Armee ein.

(Foto: AP)

Nigerias Armee ist nahe der Stadt Maiduguri ein schwerer Schlag gegen die radikalislamische Boko Haram gelungen. 80 Kämpfer starben, darunter ein wichtiger Anführer. Die Extremisten verfügen zunehmend über schweres Kriegsgerät, Menschenrechtler warnen vor einer ähnlichen Entwicklung wie im Irak.

  • Die nigerianische Armee meldet Erfolge im Kampf gegen die radikalislamische Gruppe Boko Haram. Mindestens 80 Kämpfer seien getötet worden, darunter ein Anführer.
  • Die Armee kämpft in der Nähe der strategisch bedeutsamen Millionenstadt Maiduguri. Dort haben Hunderttausende Flüchtlinge Zuflucht gesucht.
  • Menschenrechtler warnen vor einem Flächenbrand in der Region und einer stetigen Aufrüstung Boko Harams.

Bei schweren Kämpfen zwischen dem Militär und Kämpfern der radikalislamischen Terrorgruppe Boko Haram sind im Norden Nigerias mindestens 80 Extremisten ums Leben gekommen. Die Gruppe habe am Freitagmorgen den Ort Konduga angegriffen, der etwa 35 Kilometer von der strategisch wichtigen Stadt Maiduguri entfernt liegt, zitierte die Zeitung Vanguard Armeesprecher Timothy Antigha.

Mehr als drei Stunden hätten die Gefechte gedauert. Die Soldaten hätten die Islamisten schließlich zurückgedrängt und dabei zahlreiche schwere Waffen erbeutet. Unter den getöteten Kämpfern soll nach Informationen der britischen Zeitung The Guardian auch ein hochrangiger Kommandeur der Islamisten sein, der nur unter dem Namen Amir bekannt sei. Nigerianische Truppen durchkämmten das ganze Gebiet, um nach geflohenen Boko-Haram-Mitgliedern zu suchen. Auf Seiten des Militärs habe es vier Verletzte gegeben, erklärte Antigha.

"Nord-Nigeria droht ein Flächenbrand wie im Norden des Irak"

Vor wenigen Tagen hatten Augenzeugen berichtet, dass die Miliz kurz davor sei, Maiduguri einzunehmen. Die Kämpfer hatten demnach die Hauptstadt des Bundesstaats Borno komplett umstellt, um sie anzugreifen. Daraufhin hatte der Ältestenrat der Region die nigerianische Regierung dazu aufgerufen, einzuschreiten und die Islamisten zurückzudrängen. In der Millionenstadt haben Hunderttausende Flüchtlinge aus Nord-Nigeria Zuflucht gesucht.

Die Boko Haram verübt seit 2009 immer wieder Anschläge. Die Vereinigung will im Norden Nigerias einen Gottesstaat errichten, Tausende Menschen kamen in dem Konflikt bereits ums Leben. Die Region droht zunehmend ins Chaos zu driften. Auch zahlreiche Frauen und Mädchen sind in der Hand der Extremisten. "Von 219 verschleppten Schülerinnen aus Chibok fehlt bis heute jedes Lebenszeichen", sagte der Afrikareferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) Ulrich Delius. Nigerias Polizei, Armee und Regierung hätten immer wieder ihre baldige Befreiung angekündigt, doch nichts sei passiert. Das Schicksal der Mädchen sei typisch für die Lage der Zivilbevölkerung: "Nord-Nigeria droht ein Flächenbrand wie im Norden des Irak", sagte Delius.

Die Islamisten verfügen über schweres Kriegsgerät

Auch die militärische Ausrüstung Boko Harams verbessere sich zunehmend. Die Kämpfer der Sekte seien nicht mehr nur mit Geländewagen unterwegs, sondern setzten Schützen- und Kampfpanzer sowie schwere Waffen ein. Auch der nigerianischen Armee werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen, wie etwa standrechtliche Hinrichtungen von mutmaßlichen Unterstützern Boko Harams. Seit Beginn dieses Jahres sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen mindestens 650 000 Menschen vor dem Boko-Haram-Terror geflohen.