Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau Töten ist ihm ein Vergnügen

Diese Aufnahme aus einem Propaganda-Video soll Abubakar Shekau zeigen, den Anführer der Terrorgruppe Boko Haram.

(Foto: dpa)

Abubakar Shekau hat 200 Schülerinnen entführt und versklavt. Er glaubt, er dürfe das. Der Anführer der Boko-Haram-Sekte in Nigeria ist selbst für den Geschmack von al-Qaida zu radikal.

Von Tobias Zick

Es sind bizarre Auftritte, die da auf den Videos zu sehen sind. Ein Mann schleudert Drohbotschaften an die Welt heraus, er redet von einem totalen, reinigenden Krieg, seine Stimme kippt hin und her, der ganze Körper zuckt und windet sich. Kein Zweifel: Abubakar Shekau, Anführer der nigerianischen Islamistensekte Boko Haram, glaubt, er sei für eine sehr wichtige Mission auserwählt; und die Feinde, die es auszulöschen gilt, sind in seinem Fall vor allem die Christen dieser Welt sowie all jene, die mit ihnen sympathisieren.

Die Mittel, deren Shekau sich bedient, sind so grausam und archaisch, wie seine politischen Vorstellungen wirr sind. Im April ließ er seine Kämpfer eine Schule überfallen und mehr als 200 Mädchen entführen. In seiner Videobotschaft frohlockte er nun, er werde diese Mädchen als Sklavinnen auf dem Markt verkaufen oder zwangsverheiraten. Außerdem sei jeder, der nicht mit ihm und den "echten Muslimen" sei, gegen ihn und damit auf der Seite von "Obama, François Hollande, George Bush, Clinton" sowie, "nicht zu vergessen, Abraham Lincoln und Ban Ki Moon und seinen Leuten". Während die halbe Welt twitternd um die Freilassung der Mädchen bittet, haben die USA eine Spezialeinheit nach Nigeria geschickt, die nach den Entführten suchen soll.

Internationale Teams suchen nach entführten Mädchen

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Die Verschleppung der Mädchen ist nur die spektakulärste Aktion von Boko Haram in jüngster Zeit. Shekaus Mördertruppe hat in den vergangenen fünf Jahren bei Anschlägen und Angriffen Tausende Menschen in Dörfern, Kirchen, Schulen und Polizeistationen massakriert. Der Name Boko Haram bedeutet so viel wie "westliche Bildung ist verboten" - Schulen sind daher ein beliebtes Ziel der Islamisten. Nigerias Militär treibt Shekau durch brutale Vergeltungsattacken, die auch Zivilisten treffen, freilich immer neue Anhänger zu. Ein Ende der Kämpfe ist nicht abzusehen.

Über Shekaus Biografie ist nur wenig bekannt. Geboren wurde er wohl vor etwa 45 Jahren irgendwo im armen, vernachlässigten Nordosten von Nigeria, es heißt, er lebe bescheiden und achte geradezu besessen auf seine Körperhygiene. Über seine persönlichen Interessen hat er einmal in einer Videobotschaft gesagt, er finde "Vergnügen daran, jeden zu töten, den Gott mir zu töten befiehlt - so wie ich Vergnügen daran finde, Hühner und Schafböcke zu töten." Selbst in hohen Al-Qaida-Kreisen soll es einige geben, die ihn in seiner Radikalität für eine Spur zu bekloppt halten.

Die nigerianische Regierung hat Shekau schon mehrere Male für verhaftet oder tot erklärt, und jedes Mal haben sich die Meldungen als falsch erwiesen. Jetzt soll die US-Spezialtruppe das erledigen, wozu das ansonsten nicht zimperliche nigerianische Militär außerstande ist - die entführten Mädchen befreien. Sollte den Amerikanern bei dieser Gelegenheit auch der Boko-Haram-Chef in die Finger geraten, wäre das zwar ein spektakulärer Achtungserfolg, aber längst nicht die Lösung aller Probleme im Norden Nigerias.

#BringBackOurGirls

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