Böhlen Sachsen bringt Asylbewerber in Hotel von Rechtsextremem unter

  • In Böhlen bei Leipzig werden seit Ende Januar Asylbewerber untergebracht, weil die Erstaufnahmeeinrichtung in Chemitz völlig überlastet ist.
  • Das Hotel gehört dem Rechtsextremen Wolfgang Seifert.
  • Der sächsische Städte- und Gemeindetag wirft dem Innenministerium in einem Brief vor, kein Einverständnis zu der Unterbringung in Böhlen eingeholt zu haben.
Von Deniz Aykanat

Die Republikaner vertreten eine äußerst restriktive Ansicht zur Flüchtlingspolitik. Jetzt hat ausgerechnet ein einst sehr aktives Mitglied der rechtsextremen Partei Asylbewerber aufgenommen. Wolfgang Seifert vermietet die Zimmer seines Hotels in Böhlen im Landkreis Leipzig an Flüchtlinge. Das Innenministerium von Sachsen war an den in Berlin wohnenden Unternehmer herangetreten, da die Erstaufnahme für Asylsuchende in Chemnitz massiv überlastet ist. "Die haben sich Mitte Januar gemeldet, nach einer Nacht Bedenkzeit habe ich ja gesagt", sagt er im Gespräch mit Süddeutsche.de.

Wieviele Asylbewerber derzeit in dem Hotel untergebracht sind, will Seifert nicht sagen. Zunächst hatten die Dresdner Neuesten Nachrichten darüber berichtet und von derzeit 105 Flüchtlingen gesprochen. Auch wieviel Geld deren Unterbringung einbringt, möchte Seifert für sich behalten. Die Flüchtlinge seien aber mehr oder weniger wie normale Hotelgäste untergebracht.

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Für deren Situation hat der 74-jährige Seifert wenig Verständnis: "Die haben alle Handys und telefonieren ständig mit der Heimat. Die berichten bestimmt, dass sie in einem Hotel wohnen, volle Verpflegung, Catering jeden Tag. Sogar Ansprechpartner rund um die Uhr im Hotel." Da müssten sich die Angehörigen doch denken, es sei gar nicht so schlecht zu flüchten.

Seiferts Immobilien sorgten schon einmal für Wirbel. In Berlin Pankow erwarb er in den neunziger Jahren die Villa Garbáty, renovierte sie und vermietete sie an die Republikaner. Seine Frau und er besetzten lange Zeit Posten in der Partei.

Deutsch-National und für streng begrenzte Zuwanderung

Die Republikaner wurden 1983 von ehemaligen CSU-Mitgliedern in München gegründet. Die Partei fordert eine strikte Begrenzung der Zuwanderung, einen Austritt aus der EU und die Wahrung einer deutsch-nationalen Identität. Nach Wahlerfolgen in den achtziger Jahren verloren die Republikaner immer mehr an Bedeutung. Gerade bei jüngeren Neonazis ist die NPD beliebter, viele Republikaner sind zu der Konkurrenz übergelaufen, wie etwa 2005 der komplette Hamburger Landesvorstand.

Mit ihren Wahlplakaten fallen sie aber nach wie vor auf. "Wir lassen die Kirche im Dorf und die Moschee in Istanbul" oder "Das Boot ist voll, die Kassen sind leer", auf dem ein vollbesetzes Flüchtlingsboot mit der Aufschrift "Arche Deutschland" zu sehen ist, hängt während der Wahlkämpfe an Ampeln und Zäunen. Wolfgang Seifert soll 2002 für die Republikaner bei der Bundestagswahl kandidiert haben.

In Böhlen und auch in anderen Landkreisen weckte aber zunächst nicht der politische Hintergrund des Hotelbesitzers Unmut, sondern die Vorgehensweise in Sachsen. Der sächsische Städte- und Gemeinderat beschwerte sich in einem Brief an das Innenministerium des Bundeslandes über den Alleingang der Behörde. Man sei zwar über die Absicht, in dem Hotel in Böhlen Asylbewerber einzuquartieren, in Kenntnis gesetzt worden. Allerdings sei dann für eine tatsächliche Unterbringung weder das Einverständnis von Böhlens Bürgermeisterin Maria Gangloff noch von Landrat Gerhard Gey eingeholt worden.

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Die Flüchtlinge sollen nach Auskunft von Hotelbetreiber Seifert zunächst bis Ende April bleiben - mit Option auf Verlängerung. Zunächst wollte die Landesdirektion Sachsen das Hotel nur für wenige Tage nutzen. "Es bestand ja die Aussicht, dass der Flüchtlingsstrom im Winter nachlässt. Aber diese Hoffnung hat sich nicht bewahrheitet", sagt Seifert. Die Geschäfte mit den neuen Gästen laufen so gut, dass er weitere Zimmermädchen einstellen musste.