Der frühere Außenminister musste lange warten, dann war er im Untersuchungsausschuss dran. Fischer sagte, er habe sich mehrmals vergeblich in den USA für die Freilassung von Murat Kurnaz eingesetzt. Die Vorwürfe gegen Steinmeier bezeichnet der heutige Princeton-Professor als "infam".
Der ehemalige Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hat seinen Nachfolger Frank-Walter Steinmeier (SPD) im Fall des ehemaligen Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz entschieden verteidigt. Der Vorwurf, Steinmeier habe im Herbst 2002 als Chef des Kanzleramtes "hartherzig" entschieden, dass Kurnaz für den Fall seiner Freilassung nicht nach Deutschland zurückkehren dürfe, sei "in der Sache falsch und im politischen Tenor infam", sagte Fischer am späten Montagabend vor dem BND-Untersuchungsausschuss des Bundestags.
Zurück in Berlin: Joschka Fischer vor dem BND-Untersuchungsausschuss im Bundestag (© Foto: dpa)
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Die Entscheidung gegen Kurnaz müsse im Licht der damaligen Zeit mit den Ängsten vor Terroranschlägen nach dem 11.September 2001 gesehen werden, sagte Fischer. Wenn man jemandem wie Kurnaz, gegen den erhebliche Sicherheitsbedenken bestanden hätten, seinerzeit ein Einreisevisum erteilt hätte, dann wäre er dafür später im Visa-Untersuchungsaus- schuss von der damaligen CDU-Opposition "politisch aufgehängt" worden.
Fischer betonte, dass er wiederholt versucht habe, bei der amerikanischen Regierung die Freilassung von Kurnaz zu erreichen. Er sei damit bei seinem damaligen amerikanischen Kollegen Colin Powell jedoch nicht durchgedrungen. Die amerikanische Regierung habe immer "geblockt". Insofern hätten seine Bemühungen einen "Misserfolg" gezeitigt.
Keine formelle Abstimmung zwischen Ministerien
Er wandte sich jedoch gegen den Eindruck, im Auswärtigen Amt hätten "die Guten" gesessen, die sich um Kurnaz' Freilassung bemüht hätten, und im Innenministerium seien ,,die Bösen'' gewesen, die das verhindern wollten. Eine formelle Ressortabstimmung über die Behandlung des Falles Kurnaz habe es jedoch nicht gegeben, weil sich diese Frage wegen der "Null-Reaktion" der Amerikaner gar nicht gestellt habe.
Zuvor hatte der ehemalige Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Claus Henning Schapper, bestätigt, dass die Bundesregierung im Herbst 2002 entschlossen war, Kurnaz nicht wieder nach Deutschland einreisen zu lassen. Kurnaz habe wegen seiner mutmaßlichen Kontakte zu islamistischen Terroristen als Sicherheitsrisiko gegolten.
Er halte diese Position auch heute noch für richtig, sagte Schapper. Die Entscheidung fiel in der sogenannten Präsidentenrunde im Kanzleramt, die aus den Chefs der Sicherheitsbehörden und den Staatssekretären des Kanzleramtes - damals Steinmeier - sowie des Innenministeriums, des Auswärtigen Amtes und des Justizministeriums bestand, am 29. Oktober 2002.
Keine "seelenlosen Bürokraten"
Laut Schapper war in der Runde kein Thema, dass drei deutsche Nachrichtendienstler nach einer Befragung von Kurnaz in Guantanamo berichtet hatten, Kurnaz habe nicht in Afghanistan mit den Taliban gekämpft und keine Verbindungen zu Terrororganisationen gehabt. Wie detailliert die Sicherheitschefs begründet hätten, dass Kurnaz ein Sicherheitsrisiko gewesen sei, wisse er nicht mehr.
Schapper wehrte sich gegen den Eindruck, im Fall Kurnaz hätten "seelenlose Technokraten" entschieden. Kurnaz' Schicksal sei "in Bezug auf ihn selbst tragisch" und seine Behandlung durch die Amerikaner in Guantanamo "völlig inakzeptabel".
Wenn man Kurnaz aber in Kenntnis der gegen ihn vorliegenden Verdachtsmomente Ende 2002 wieder hätte einreisen lassen, so hätte dies den Sicherheitsbehörden den Vorwurf eingetragen, sie seien "sorglose Dilettanten". Der Fall Kurnaz lasse sich "zum Skandal nur hochreden", wenn man die damalige Lage nicht ehrlich würdigen wolle.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 27.2.2007)
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um Steinmeier zu beschädigen.
Die gleiche Partei, die sonst nicht viel für die Türken und sonstige
Ausländerrechte übrig hat, will plötzlich mit einem solchen Aufwand
akribisch das Schicksal des türkischen Staatsbürgers Kurnaz aufgeklärt wissen.
Die Union hätte ja nur darauf gewartet, dass
Rot Grün sich für eien Islamisten einsetzen würde.
Das Gezeter und die üblichen Verdächtigungen kann ich mir gut vorstellen.
Nun präsentieren sich sich als die obersten Verteidiger
der Menschenrechte.
Mit der Wiedereinreise verhält es sich - meines Wissen - so, Fragende:
Wenn ein Ausländer mit uneingeschränkter Aufenthaltsgenehmigung (man möge mich korrigieren) länger 6 Monate FREIWILLIG außerhalb Deutschlands bleibt, wird ihm die Einreise (erstmal) verweigert.
Da Herr Kurnaz nun tatsächlich länger als 6 Monate außerhalb Deutschlands (nämlich in Guantanamo) weilte, wollten die Behörden sich zunächst darauf berufen, da er aber nun ja NICHT FREIWILLLIG länger als 6 Monate außerhalb Deutschlands verweilte, hätte man ihn - in Kenntnis dieses Sachverhalts - wieder einreisen lassen müssen.
Sicher war sich auch Frau Merkel hierüber im Klaren.
Ich hoffe, Ihre Frage beantwortet zu haben, Fragende.
Und: Ja, ich denke auch, daß die CDU dieses Thema noch kräftig "ausschlachten" wird zu ihren Gunsten, aber das Szenario hab ich hier bereits vor einigen Wochen beschrieben. Ich kann mir die poliitschen Mechanismen sogar bis zu Neuwahlen vorstellen.
1. Steinmeier tritt zurück
2. CDU spielt sich als oberste moralische INstanz Deutschlands auf, weil Angie ja schließlich Herrn Kurnaz nach Hause geholt hat
3. "Mit der SPD können wir nicht mehr gemeinsam regieren, zu menschenverachtend ihr Gebaren
4. Das Volk hat die Nase voll und ist froh, wenn endlich EINER gewinnt und regieren kann
5. BIM BAM haben wir Neuwahlen, aus der die CDU/CSU (wahrscheinlich später mit der FDP) als Sieger hervorgeht.
6. Stoiber, der Wackelkandidat, endlich weg vom Fenster, jetzt mal warten, was in Bayern passiert, dann kann's losgehen.
Sie werden sehen!
Mit freundlichen Grüßen
J.P.W.
Hätte Herr Kurnaz nach Ausländerrecht überhaupt wieder nach Deutschland einreisen dürfen? Hat Frau Merkel das Ausländerrecht außer Kraft gesetzt? Warum ist der türkische Staatsbürger nicht zurück in die Türkei, wo auch seine Ehefrau lebt? Wer hat einen Vorteil außer Kurnaz und seiner Anwälte durch die Einreise nach Deutschland? Die Entscheidung, dass Herr Kurnaz nach Deutschland einreisen kann, hat Frau Merkel getroffen gegen geltendes Ausländerrecht. Warum? Frau Merkel kann sich als Menschenfreund darstellen und der bis dato beliebteste Poitiker Steinmeier verliert an Ansehen. Ist Innenminster Beckstein damit einverstanden, dass Herr Kurnaz nach Deutschland einreisen durfte?
Paging