Seit zwei Jahren versucht BND-Chef Uhrlau, seinen Laden in den Griff zu bekommen. Doch die Geheimdienstler sehen ihn ihm einen Fremden - und scheren sich wenig um seine Worte.
Es gibt sehr schöne Sätze von Ernst Uhrlau. Sätze, die man rahmen und in der Ehrenhalle des Bundesnachrichtendienstes ausstellen könnte. "Die Fehler der Vergangenheit" hätten im Dienst keine Chance mehr, ist einer dieser Sätze. Er selbst stehe dafür, dass so etwas nicht wieder vorkomme, ist ein zweiter. Und der schönste Satz: "Der BND ist kein Sauladen."
Bild vergrößern
"Der BND ist kein Sauladen": BND-Chef Ernst Uhrlau (© Foto: dpa)
Anzeige
Es ist gerade zwei Jahre her, dass Ernst Uhrlau, der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, diese Sätze gesagt hat - zornbebend, damals, als ein offizieller Bericht bestätigte, dass der BND über Jahre hinweg Journalisten bespitzelt hat. Nie, nie wieder sollte so etwas vorkommen.
Es ist wieder vorgekommen. Und das keine zwei Wochen, nachdem Uhrlau die Sauberkeit des eigenen Ladens ausgerufen hatte. Obwohl zu diesem Zeitpunkt auch dem letzten Techniker klar sein musste, dass es nicht die Aufgabe des Dienstes ist, deutsche Journalisten auszuforschen.
Kaum waren die Worte des Chefs verklungen, begann der BND, die E-Mail-Korrespondenz der Spiegel-Reporterin Susanne Koelbl mitzulesen. Und die Geheimdienstler taten das nicht, weil sie nicht verstanden, wen sie da abhörten. Sie wussten es, doch ganz offensichtlich scherten sie die Worte ihres obersten Chefs nicht. In der Arbeit, in der Selbstgewissheit, das Richtige zu tun, lässt man sich ungern zügeln. "Die da oben" sind im Dienst sehr weit weg.
Auch Uhrlau ist weit weg vom Dienst. Obwohl er eigentlich der Inbegriff des Geheimen ist. Ein Mann, der auf Fragen minutenlang schweigen kann. Und wenn er dann doch spricht, dann so, als würde er bei jedem Wort überlegen, ob er damit nun Staatsgeheimnisse preisgibt. Dabei gibt Uhrlau nur sehr selten etwas preis, sogar die Wahrheit verbreitet er höchstens in homöopathischen Dosen.
Ein Mann, wie geschaffen für einen Nachrichtendienst. Kühl, zurückhaltend, ein Hanseat, dem Distanz zum Wesensmerkmal geworden ist. Die vorsichtige Öffnung des BND unter seinen Vorgängern ist nicht nach dem Geschmack Uhrlaus. Wo früher einzelne Experten auch mal eigenständig sprechen durften, ist nun von oben eisiges Schweigen verordnet. Uhrlau versucht, seinen Laden in den Griff zu bekommen. Doch der Laden sieht in ihm auch nach zwei Jahren noch einen Fremden. Ihm fehlt der Stallgeruch.
Ernst Uhrlau ist 61 Jahre alt, er kommt aus der inneren Sicherheit, vom Verfassungsschutz - er war erst jahrelang Verfassungsschützer in Hamburg, dann Polizeipräsident. Auf die Geheimen aus den Bundesländern schauen die weltläufigen Herren vom BND gerne herab. Sie mokieren sich schon mal darüber, dass die Inlands-Kollegen viel stärker an der Leine der Kontrolleure liegen als die mehr als 6000 BND-Leute, die durch die Welt schwärmen dürfen.
Aufmerksam vermerken sie beim BND, dass ihr Chef sie nicht vehement verteidigt hat, als es Kritik an zwei BND-Beamten gab, die den Bremer Murat Kurnaz im US-Gefangenenlager Guantanamo befragt hatten. Eifersüchtig beobachten sie auch, dass Uhrlau führende Leute von außen holt: einen Verfassungsschützer aus Brandenburg, einen Verfassungsschützer aus Köln.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- BND-Bespitzelungsaffäre Sie wussten, was sie taten 24.04.2008
- BND-Bespitzelungsaffäre Falsche Fährten, echter Rechtsbruch 24.04.2008
- BND-Bespitzelungsaffäre "Ich finde das erschütternd" 24.04.2008
- Erklärung im Original "Das Kontrollgremium missbilligt ..." 24.04.2008
- Bespitzelung durch den BND "Spiegel" prüft rechtliche Schritte 24.04.2008
Bilder des Tages
Für jeden Auslandsnachrichtendienst der Welt ist es der Super-GAU, wenn ihm jemand aus der Konkurrenz, dem Inlandsnachrichtendienst, als Chef vor die Nase gesetzt wird. Dies ist eine Demütigung, und diejenigen, die das machen, müssten wissen, was sie tun. Probleme sind da vorprogrammiert. Und die hat der BND auch so schon genug. Man darf davon ausgehen, dass jede Panne wie die verschwundenen Baupläne von vielen im BND mit klammheimlicher Freude registriert werden.
Die Amerikaner haben von Zeit zu Zeit ihre Nachrichtendienste durch parlamentarische Kommissionen untersucht und damit versucht, den gröbsten Wildwuchs an Fehlentwicklungen einzudämmen. Durchaus nicht ohne wenigstens zeitweise damit Erfolge zu erzielen. Dies wäre auch in Berlin überlegenswert.
muss abgeschafft werden, da reichen keine Rücktritte mehr!
Welche Worte denn? Wie sieht das aus?
"Bitte liebe Kollegen und Kolleginnen, bleibt sauber und macht nicht zuviel Unsinn" ?