Die libyschen Demonstranten sind Opfer eines systematischen Angriffs - Gaddafi selbst hat seine Anhänger dazu aufgerufen. Dafür muss der libysche Machthaber bestraft werden.
Kai Ambos ist Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, internationales Strafrecht und Rechtsvergleichung an der Universität Göttingen sowie Richter am Landgericht Göttingen.
Massive Sanktionen gegen Gaddafi
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Nach allem, was wir wissen, verfolgen die Gaddafi-treuen Sicherheitskräfte, unterstützt von bezahlten Kriminellen und ausländischen Söldnern, systematisch die Oppositionsbewegung. Die genaue Zahl der Toten ist nicht bekannt: Die Vereinten Nationen befürchten, dass bei den Kämpfen möglicherweise mehrere tausend Menschen ums Leben gekommen oder verletzt worden sind. Die Protestierenden sind Opfer von gezieltem Beschuss durch Scharfschützen, wahllosem Maschinengewehrfeuer, von Angriffen mit Messern und anderen Waffen; sie werden mit Panzern überfahren oder von Kampfflugzeugen attackiert.
Gaddafi selbst hat in seinen bizarren öffentlichen Auftritten seine Anhänger zur Verfolgung der Protestierenden aufgerufen: "Verlasst eure Häuser und greift sie in ihren Höhlen an (...) geht raus und bekämpft sie, (...) säubert Libyen von Haus zu Haus." Sein Sohn Said al-Islam, der als gemäßigt gilt, drohte, dass das Regime "bis zur letzten Kugel gegen die aufrührerischen Elemente" kämpfen werde. Sein militanterer Sohn Khamis hat Säuberungsaktionen in der östlichen Stadt Bengasi durchgeführt.
Die vom UN-Sicherheitsrat am vergangenen Samstagabend verabschiedete Resolution 1970 spricht von "groben und systematischen Menschenrechtsverletzungen". Nach all dem scheinen in Libyen zahlreiche Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen worden zu sein. Darunter fallen die genannten Taten, weil sie als Teil eines ausgedehnten und systematischen Angriffs gegen die zivile Protestbewegung begangen wurden.
Sollten sich die Taten auch gegen eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe richten, um diese ganz oder teilweise zu zerstören, kann man sogar von einem Völkermord ausgehen. Ist schließlich die gegenwärtige Situation in Libyen als ein nicht-internationaler Konflikt im Sinne des humanitären Völkerrechts zu qualifizieren, so kommen auch "Kriegsverbrechen" in Betracht.
All diese Taten sind nach dem Statut des Internationalen Strafgerichtshof (Art. 6-8) und in zahlreichen nationalen Rechtsordnungen strafbar, etwa nach §§6-12 des deutschen Völkerstrafgesetzbuchs. Muammar Gaddafi wäre für diese Verbrechen auch strafrechtlich verantwortlich. Nach Ansicht der US-amerikanischen Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch gibt es keine Autorität in Libyen, die solche Taten unabhängig von Gaddafi anordnen könnte. Gaddafi alleine hat die ultimative Befehlsgewalt über die in die Taten verwickelten Sicherheitskräfte und er hat die begangenen Taten auch tatsächlich angeordnet. Dafür sprechen schon die oben zitierten Äußerungen. Sicherheitsratsresolution 1970 spricht von der "Aufstachelung zur Gewalt von der höchsten Ebene der libyschen Regierung".
Fraglich ist vor diesem Hintergrund allenfalls, ob man ihm alle Taten wird zurechnen können oder ob in einigen Fällen seine Schergen in Eigeninitiative gehandelt haben. Das Völkerstrafrecht stellt für diese Art von indirekter Verantwortlichkeit eines Staatsführers zahlreiche Zurechnungsfiguren zur Verfügung, unter anderem auch die in den deutschen Verfahren gegen die Staatsführung der ehemaligen DDR angewendete Figur der Haftung kraft eines organisatorischen Machtapparats.
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... sind immer diejenigen, die sich der westlichen Freiheits- und Demokraturpolitik widersetzen, siehe Sudan, Serbien, Libyen.
der Autor ist kein Journalist, sondern Dozent und Richter. Bitte die Kritik am Journalismus weitergeben...
Danke, Herr Journalist, dass Sie diese Einschränkung an den Anfang gestellt haben. Aber wie kann man aus diesen dünnen Informationen, die wohl größtenteils von Aktivisten der "Opposition" stammen, derartig weitreichende Schlüsse ziehen? Und man kann auch eine bewaffnete Revolte, einen Umsturz sehen. Und da hat jeder Staat erstmal das Recht auf Gegenwehr.
Ich hasse diesen Facebook- und Twitter-Journalismus. Klar, alle haben noch Rechnungen mit Gaddafi offen und seine Frisur und die Narben sind gräßlich, aber was ist z.B. mit den Attacken der Amis auf Palast und Kriegsschiffe, das Attentat durch den MI6 ? Berichterstattung müßte eigentlich auch fundierter und ausgewogener gehen,
Ich gaube auch, dass der Westen ein grosses Interesse daran hat, über horrende Gräueltaten zu berichten, um einen Vorwand für die militärische Eroberung des libyschen Erdöls zu schaffen. Diese Masche hat ja bei den kuweitischen Brutkasten-Babies bereits bestens funktioniert.
Mit Sicherheit geht Gaddafi wenig zimperlich und mit echter Ggewalt gegen die Demonstranten vor, aber ob wirklich Kampfflugzeuge Bomben auf die Menschen abwarfen, ich weiss es nicht....
Letztes Jahr hat Obama mit Drohnen fast 2.000 Menschen, die Mehrzahl Zivilisten, in Pakistan töten lassen; wie glaubwürdig ist es da, dass er sich um getötete Libyer sorgt???? Genau! Gar nicht!
In "Deutschland ein Wintermärchen" heißt es: "Sie tranken heimlich den Wein und predigen öffentlich Wasser". Jahrelang haben die europäischen Politiker und die der USA mit den so brutalen Machthabern der Nordafrikanischen Staaten Geschäfte mit Rüstungsmaterial und anderen Gütern gemacht, ihnen auf die Schulter geklopft, Entwicklungshilfe zugeschanzt, die sie zur Stärkung ihres Machtapparates nutzten. Und nun, da die Hungerrevolten die lieben Geschäftspartnern davon jagen, versuchen sie den westlichen Einfluß zu retten. In Ägypten gelingt dies mit dem taktisch richtigen Verhalten des Militärs, in Tunesien über die Opposition und in Lybien fehlen die neuen Ansprechpartner für westliche Kapitalinteressen. Das lybische Regime ist im Grunde immer antiwestlich geblieben. Was tun? Gerade das Land, was die meisten Bodenschätze, vorallem Erdöl und Erdgas hat, und über die beste Infrastruktur verfügt, muß in den westlichen Einfluß kommen. Die Methode dazu ist in Jugoslavien, dem Kosovo und im Irak erprobt. Ich erinnere nur an den vom Scharping erfundenen Stufenplan zur Ausrottung der Kosovaren oder die vom amerikanischen Außenminister erfundenen atomaren und chemischen Giftstofffabriken. Die Welt und die UNO wurden bewußt manipuliert und bis heute ist dafür noch niemand vor einem Tribunal gelandet. Was folgte war der militärische Überfall und die Sicherung der Rohstoffmärkte für den Westen.
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