Von Eine Blogschau von Johannes Kuhn

Überragende Ergebnisse bei Frauen und in der spanischsprechenden Gemeinde sichern Hillary Clinton die Siege in Kalifornien und New York, analysieren die US-Kommentatoren. Mitt Romney hingegen steht vor dem Aus.

Die ersten Analysen nach dem Super Tuesday lassen drei altbekannte Gruppen in den Vordergrund treten, die Hillary Clinton ihren Sieg in den zwei wichtigsten Staaten sicherten. David Paul Kuhn analysiert auf der Online-Nachrichtenseite The Politico erste Wähler-Umfragen aus Kalifornien. Sein Fazit: Hillary Clintons Sieg an der Westküste hat sie ausgezeichneten Ergebnissen bei Frauen, Bürgern ohne Universitätsabschluss und den Hispanics zu verdanken.

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Eine ähnliche Einschätzung teilt Chris Smith vom New York Magazine, der auf die Ergebnisse im Bundesstaat New York blickt: Auch hier konnte Clinton Frauen (62 Prozent) und Latinos (74 Prozent) an sich binden, ähnliches gilt für den Nachbarstaat New Jersey, in dem sich Barack Obama Chancen ausgerechnet hatte. Allerdings verlor Clinton im Nachstrom der bitteren Kampagne in South Carolina heftig bei den afroamerikanischen Wählern, bei denen ihr Kontrahent 62 Prozent erreichte.

Bereits zuvor hatte die bloggende Journalistin Michelle Garcia die Vermutung geäußert, dass die Gräben zwischen den Hispanic- und den afroamerikanischen Gemeinden Obama wichtige Stimmen im Wahlkampf kosten könnten - eine Einschätzung, die sich nach den Ergebnissen von Kalifornien als wahr erwiesen haben dürfte.

Einen wichtigen psychologischen Effekt für die Clinton-Kampagne sehen einige Beobachter in dem Ergebnis von Massachusetts: Obwohl sich die Senatoren Ted Kennedy und John Kerry für Obama ausgesprochen hatten, holte sich die New Yorker Senatorin den Sieg.

Chadwick Matlin von Slate schreibt: "Die Bürger von Massachusetts warfen einen zweiten Blick auf Obama und ihnen gefiel immer noch nicht, was sie sahen. Außerdem kann niemand behaupten, dass Rassenzugehörigkeit oder Alter ein Faktor ist - der Gouverneur des Staates ist ein beliebter junger schwarzer Mann." (der Demokrat Deval Patrick, der ebenfalls Obama unterstützte, Anm. d. Red.)

Das Blog der Los Angeles Times weist allerdings darauf hin, dass Clinton in fast allen Umfragen vor der Wahl geführt hatte und auch die wichtige Unterstützung des Bostoner Bürgermeisters Tom Menino genoss. Dies zeigt ein Problem in der Außenwahrnehmung der New Yorker Senatorin, das Andrew Romano in seinem Newsweek-Blog im Laufe des Abends beschrieb: "Wenn sie siegt, behandeln die Medien ihre Ergebnisse als 'den Erwartungen entsprechend', Obamas Siege hingegen als diese 'übertreffend'."

Er räumt jedoch ein, dass Obamas Siege in Georgia und Alabama Umfragen zufolge zeigen, dass er auch die Stimmen von Frauen und weißen Männern gewinnen kann - auch wenn Romano davon nur wenig "Schwung für den 6. Februar und darüber hinaus" erwartet.

Rennen noch lange nicht entschieden

Dennoch ist das Rennen noch lange nicht entschieden - so werden viele liberale Blogger nicht müde zu betonen, dass bei den Delegiertenstimmen des Super Tuesday praktisch Gleichstand herrscht. Der 4. März, an dem die Vorwahlen in den delegiertenreichen Staaten Texas und Ohio anstehen, dürfte zum entscheidenden Showdown bei den Demokraten werden.

In den Bewertungen der republikanischen Wahlen werden bereits erste Abgesänge auf Mitt Romney angestimmt. "Sein politisches Leben liegt in den letzten Zügen. Er sollte es beenden", lautet das Kommentar auf dem Trailhead-Blog von Slate. Auf dem Wahlblog der Washington Post wird bereits vermerkt, dass Romney für jeden erreichten Delegierten bislang die stolze Summe von 1,16 Millionen Dollar ausgegeben hat.

Bei den Republikanern gilt John McCains Nominierung inzwischen so gut wie sicher. "Schwer vorstellbar, dass der nächste Präsidentschaftskandidat jemand anderes als John McCain sein wird", vermerkt der konservative National Review und verweist darauf, dass im größten ausstehenden Staat Texas auch Unabhängige wählen können - die bevorzugten bislang stets McCain.

Neben dem Senator aus Arizona steht auch Mike Huckabee im Rampenlicht. Mit seinen Siegen in den Südstaaten könnte er sich für die Rolle eines möglichen Vizepräsidentschafts-Kandidaten unter John McCain empfohlen haben. "McCain würde schwerlich einen Kandidaten finden, der in den Südstaaten besser ankommt", ist auf dem Trailhead-Blog von Slate zu lesen, "und nach heute Abend schuldet ihm McCain etwas". Dies ist eine Anspielung darauf, dass Huckabees Siege Mitt Romney an den Rand der Aufgabe gedrängt haben.

Romney hatte beispielsweise bei der Delegierten-Versammlung, die in West Virginia über die Kandidaten bestimmt, mit einem Sieg gerechnet und dort im ersten Wahlgang auch geführt. Da jedoch die Delegierten McCains - noch wird diskutiert, ob abgesprochen oder nicht - geschlossen auf ins knapp zurückliegende Huckabee-Lager wechselten, konnte der Ex-Gouverneur von Arkansas letztlich mit 51 Prozent der Delegierten den Staat gewinnen.

Abseits aller Ergebnisse zeigt sich die Wahlkampf-Euphorie in den USA auch jenseits der Blogs. So nutzten zahlreiche US-Bürger, aber auch Menschen aus aller Welt, einen neuen Google-Service, auf dem sie in Zusammenarbeit mit dem Mikroblogging-Dienst Twitter kurze Kommentare zum Wahlgeschehen abgeben konnten, die dann in Sekundenschnelle auf einer Weltkarte erschienen. Auf dem Blog der Los Angeles Times berichtet Andrew Malcolm, dass in Staaten wie Virginia und Texas Hunderte Wähler vor den Wahllokalen anstanden - und weggeschickt wurden: Die dortigen Vorwahlen finden erst demnächst statt.

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(sueddeutsche.de/ihe)