In Dannenberg werden die Atommüllbehälter derzeit auf Speziallastwagen verladen. Den Weg nach Gorleben muss die Polizei allerdings erst räumen - denn Hunderte Demonstranten sperren die Zufahrt zum Zwischenlager.

Auf dem Verladebahnhof in Dannenberg hat am Montagmorgen das Umladen der elf Castor-Spezialbehälter von der Bahn auf Speziallastwagen begonnen. Ein Polizeisprecher sagte, gegen Mittag sollten alle Atommüllbehälter umgeladen sein.

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Unter Polizeischutz: Trotz Protesten rollt der Atommülltransport am frühen Morgen im Verladebahnhof in Dannenberg ein. (© Foto: dpa)

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Dann gehe der Transport auf die letzten 20 Kilometer zum Zwischenlager nach Gorleben. Noch seien allerdings nicht alle Zufahrtswege frei. Auf der Nordroute stünden noch einige ineinander verkeilte Traktoren und Demonstranten.

Auch auf der Südroute gebe es noch einige Demonstrantengruppen, und an der Zufahrt zum Zwischenlager dauere die Blockade an. Vor der Zufahrt demonstrierten am Morgen Hunderte Menschen mit einer Sitzblockade gegen den Transport. Während die Organisatoren von 1000 Teilnehmern sprachen, zählte die Polizei 700 Demonstranten.

"Wir werden die Blockade so früh lösen, dass wir ungehindert einfahren können", sagte der Polizeisprecher. Wann die Polizei mit der Räumung der Strecke beginnen werde, wollte er nicht sagen. "Wir müssen da durch", sagte er lediglich. Derzeit sei die Lage ruhig. Welche Route der Transport nimmt, bleibt bis zuletzt geheim.

Grüne und SPD für neue Diskussion

Zuvor war der Zug mit dem Atommüll aus Frankreich abgeschottet von Tausenden Polizisten nach knapp 56-stündiger Fahrt gegen 1:15 Uhr im niedersächsischen Dannenberg eingelaufen. Laut Polizei hatte der Zug nach mehreren Blockadeaktionen mehr als 14 Stunden Verspätung.

Vertreter der Grünen forderten angesichts der Anti-Atom-Proteste, die Suche nach einem Atommüllendlager neu zu beginnen. "Ich glaube, dass man die Suche neu aufmachen muss, damals ist ja politisch entschieden worden für Gorleben", sagte die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, im Bayerischen Rundfunk.

Gorleben habe viele Schwächen. Man müsse ähnlich wie in Frankreich und in der Schweiz eine offene Suche machen, auch mit Alternativstandorten, um dann zu sehen, "wo ist der bestmögliche Standort". Bei Gorleben sei es nicht sicher, dass es der beste Standort sei. "Da muss man auch andere untersuchen."

Auch Umweltstaatssekretär Michael Müller (SPD) äußerte Zweifel am Standort Gorleben. Im ARD-"Morgenmagazin" erklärte der Politiker: "Wir wollen ein offenes Verfahren. Es gibt ja beispielsweise auch durch das Verfahren in der Schweiz Kriterien, wie man es anders machen könnte als in Deutschland."

Bei der Räumung von Gleisblockaden war es am Sonntag beim Atommülltransport teils zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Nach Angaben der Polizei besetzten mehrere hundert Demonstranten an verschiedenen Orten die Gleise in unübersichtlichen Waldgebieten. Einige unterhöhlten das Gleisbett auf einer Länge von 20 Metern.

Gleisbett unterhöhlt, Zug erklommen

Die Proteste konzentrierten sich auf einen dichtbewaldeten Schienenabschnitt im Großraum Göhrde zwischen Lüneburg und Dannenberg. Kleine Gruppen von Demonstranten besetzten immer wieder zeitweise die Gleise. Eine der zwei möglichen Castor-Routen zwischen Dannenberg und Gorleben wurde am Abend von 40 Landwirten mit Traktoren versperrt. Vor dem Zwischenlager harrten mehrere hundert Aktivisten in einer Sitzblockade auf der Straße aus.

Die Polizei setzte Schlagstöcke und Wasserwerfer ein, um Atomkraftgegner abzudrängen. Am Sonntagabend kamen zudem etwa 200 Demonstranten in Gewahrsam, wie ein Polizeisprecher sagte.

Drei Demonstranten gelang es, den Zug zu erklimmen. Sie wurden nach Angaben der Castor-Gegner von der Polizei festgenommen. Die Transportstrecke war von einem Großaufgebot der Polizei gesichert, Polizeihubschrauber kreisten über den Wäldern.

Der Zug mit nicht wiederverwertbaren Resten alter Brennelemente war am Freitagabend aus Frankreich gestartet und muss insgesamt etwa 1000 Kilometer bis ins Zwischenlager Gorleben zurücklegen. Vor der Halle harrten mehrere hundert Menschen über Nacht auf der Straße aus, um die Zufahrt zum Zwischenlager zu blockieren.

Der Sprecher der Anti-Atom-Initiative "X-tausendmal quer", Jochen Stay, zeigte sich erfreut über die große Zahl der Demonstranten: "Die Kette der Atommüllskandale und das Gerede von Laufzeitverlängerungen für die Atomkraftwerke hat viele Menschen wachgerüttelt. Statt des Comebacks der Atomenergie erleben wir in diesen Tagen die Renaissance der Anti-Atom-Bewegung".

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(AP/dpa/Reuters/gal/plin)