Von Von S. Braun

Wirtschaftsminister Michael Glos enttäuscht in der Finanzkrise. Nun machen sich in der Unionsfraktion Unmut und teilweise sogar Hohn über Glos breit.

Michael Glos will entschlossen auftreten. Er hat die jüngste Wirtschaftsprognose im Gepäck. Er wird gleich ein "Belastungsmoratorium für Unternehmungen" fordern. Außerdem hat er sich vorgenommen, trotz der Finanzkrise vor "Horrorszenarien" zu warnen, zugleich aber "nichts zu beschönigen oder zu vertuschen". Ja, der Bundeswirtschaftsminister möchte an diesem Donnerstag auf der Pressekonferenz Klartext reden. Und was passiert? Er muss genau in der Sekunde, in der er loslegen will, gegen einen Frosch im Hals kämpfen und einen Schluck Wasser trinken.

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Wirtschaftsminister Glos steht schon lange in der Kritik - nun mehren sich auch in der Union die Stimmen, die sich über den blassen CSU-Mann beklagen. (© Foto: dpa)

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Das wär natürlich nicht schlimm, wenn es nicht so symptomatisch wäre für seine derzeitige Lage. Glos steht in der Kritik, weil er keine Stimme ist in der Krise - und dann versagt sie ihm auch noch. Während die Bundeskanzlerin und der Bundesfinanzminister sich mit Müh und Not gegen das Finanzdebakel stemmen, wirkt er, so er überhaupt da ist, wie deplatziert auf der Bühne.

Der Meister der wilden Vergleiche ist kein Mann für ernste Worte. Eine Kostprobe gibt er selber. Sein Argument gegen Schwarzmalerei: "Wenn der Himmel runterfällt, sind alle Spatzen tot." Was will er damit sagen? Wer es wörtlich nimmt, kann nur erschrecken. Dass der Himmel nicht doch runterfällt, kann zurzeit nämlich niemand versprechen.

Vielleicht erzählt dieses Missverhältnis bei Glos am besten, was mit ihm los ist. Er kam ungern in dieses Amt, als Edmund Stoiber entschied, doch nicht Minister zu werden. Er hatte seine beste Zeit als CSU-Landesgruppenchef, als er im Hintergrund wirken konnte. Jetzt steckt er in einem Anzug, dem er kaum gerecht wird. So jedenfalls sehen das mittlerweile selbst die eigenen Leute.

"In der Mutter aller Wirtschaftskrisen gibt er keine Linie vor"

Kaum jemand in der Unionsfraktion hat noch den Eindruck, dass Glos, der gelernte Müllermeister, der Krise dieser Wochen gewachsen ist. Dass er den Ton findet, den man sich in derlei Zeiten wünscht. Dass er die Lage gut erklärt und Perspektiven liefert. Statt dessen liefert er Bilder, die sich alle merken. Am Mittwoch kam er zu spät zur Regierungserklärung der Kanzlerin. Im Normalfall wär das ein Schmunzeln wert, in dieser gar nicht normalen Woche schütteln sie darüber die Köpfe.

Dass Glos beim Unternehmertag der Fraktion vor wenigen Wochen in der Debatte zur Erbschaftsteuer en passant anfügte, er kenne die Details auch nicht, entsetzte die meisten. Deshalb haben ihn viele als Stütze der Union inzwischen aufgegeben.

"In der Mutter aller Wirtschaftskrisen gibt er keine Linie vor", schimpft ein Christdemokrat, der schon lange in der Fraktion sitzt. "Er liefert keine neuen Gedanken, geschweige denn besetzt er das Thema mit einem Gesicht, das Vertrauen ausstrahlt." Einer aus der Fraktionsspitze kommentiert seine Rolle zynisch: Glos habe es vor der Krise geschafft, dass alle akzeptierten, ohne Wirtschaftsminister zu leben. Dass er nun aber im Bündnis mit seinem loyalen Freund Peter Ramsauer behaupte, er sei beim schwierigen Krisenmanagement dabei gewesen, schlage "dem Fass den Boden aus". "Wenn man sich nicht ärgern müsste, würde man Mitleid haben."

Mitleid freilich hat niemand, auch weil Glos nicht gefährdet ist in seinem Amt. Ausgerechnet jetzt, in dieser Phase großer Schwäche wird die CSU sich das Wirtschaftsministerium kaum wegnehmen lassen. Was für Glos fast schon zur Jobgarantie führt, weil sich nach dem Debakel in Bayern aus München auch niemand anderes in der Partei aufdrängt.

Umso stärker aber lenkt die Schwäche von Glos ausgerechnet in der Ausnahmesituation dieser Woche auf die Tatsache, dass sich neben der Kanzlerin kein wirtschaftspolitisches Gesicht etabliert hat. Genauer: nicht etablieren durfte.

Lange Zeit mochte die Kanzlerin das. Sie wollte auch auf internes Drängen, sie möge jemanden fördern und als Stimme neben sich zulassen, nicht reagieren. Inzwischen aber, noch dazu in einer Woche, in der die Mannschaft rund um Merkel ihre Belastungsgrenze erlebt, wissen bis ins Kanzleramt hinein alle, wie wichtig ein eloquenter, Autorität ausstrahlender Wirtschaftspolitiker wäre. "Er wäre wichtig als Gegengewicht zu Finanzminister Peer Steinbrück und als Botschaft an unsere eigenen Leute", sagt einer aus dem CDU-Vorstand. Gemeint sind jene, die sich in der CDU mehr schlecht als recht vertreten fühlen: die Mittelständler, Handwerker, Familienunternehmer, die zuletzt FDP wählten oder daheim blieben. Als CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla vor kurzem bei den Bundesverbänden der Wirtschaft zu Gast war, kündigte er an, man werde zum geeigneten Zeitpunkt jemanden präsentieren.

Lesen Sie auf Seite 2, wer als neues Wirtschafts-Aushängeschild der Union in Frage kommt.

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