Bitcoin-Alternativen Geld von gestern

Auf der Blockchain-Technologie basieren neben Bitcoin viele weitere Kryptowährungen. Einige davon sind schneller und sicherer.

Von Jan Willmroth

An den Finanzmärkten gibt es eine spezielle Form der Angst, die so ziemlich jeder Anleger schon einmal gespürt hat. Es ist die Furcht, zu spät dran zu sein, dabei zusehen zu müssen, wie andere das große Geld machen mit einem Trend, den man selbst verpasst hat. Momentan lässt sich das wieder eindrücklich beobachten: In der Hoffnung auf schnelle Rendite steigen weltweit Privatanleger ein; die atemberaubenden Wertzuwächse des Bitcoin haben etablierte Finanzkonzerne auf den Plan gerufen.

Vom kommenden Sonntag an wird der US-Börsenbetreiber Cboe Global Markets erstmals sogenannte Futures auf den Bitcoin-Kurs anbieten, Finanzprodukte also, mit denen Investoren auf den zukünftigen Kursverlauf des Bitcoin wetten können. In der Woche darauf folgt die weltweit größte Warenterminbörse CME aus Chicago mit einem ähnlichen Angebot. Diese beiden Ankündigungen haben den Wert des virtuellen Geldes in den vergangenen Tagen zusätzlich nach oben getrieben. Allen Warnungen vor einer Spekulationsblase zum Trotz kommt die Bitcoin-Euphorie nun in der obersten Liga der Finanzindustrie an.

Der praktische Nutzen der berühmtesten Digitalwährung hält sich dagegen in Grenzen, sowohl in ihrer Funktion als Zahlungsmittel als auch hinsichtlich der zugrunde liegenden Technologie. "Als Investitionsvehikel ist sie gut geeignet", sagt der Frankfurter Unternehmer Oliver Naegele, Geschäftsführer der Firma Blockchain Helix, "für andere Zwecke gibt es bessere Blockchain-Alternativen." Es hat zum Beispiel keinen Sinn mehr, mit Bitcoin einen Kaffee zu bezahlen, weil die Überweisung inzwischen teurer ist als der Kaffee.

Die neue Technologie kann hochsensible Daten fälschungssicher speichern

Mittlerweile gibt es mehr als 1300 Kryptowährungen. Und von denen kann eine ganze Reihe mehr, als nur Investitionen zu ermöglichen. Hinter den Kulissen beschäftigen sich etablierte Technikkonzerne, Banken und Börsenbetreiber längst selbst mit den Möglichkeiten der Blockchain-Technologie. Ein Beispiel unter vielen ist die Bitcoin-Alternative Ethereum. Die Technologie, die dafür genutzt wird, ist vielfältiger einsetzbar und schneller als die der Bitcoin. Vor wenigen Monaten haben sich 30 Firmen wie Microsoft und die Bank JP Morgan Chase zusammengeschlossen, um Ethereum für den Aufbau einer eigenen "Business-Blockchain" zu nutzen, über die sie Geschäfte abwickeln wollen. Marktforscher erwarten, dass Banken mit der Technologie Milliarden einsparen können: Zum Beispiel würden Angestellte, die bisher Kreditverträge prüfen, durch Computer ersetzt.

Die Einsatzmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. "Die Blockchain ist programmiertes Vertrauen", sagt Naegele. In Zukunft werde die Blockchain die Grundlage dessen darstellen, wie Werte im Internet abgebildet werden. Die Verheißung der Technologie liegt also nicht nur darin, neue Arten von Geld zu erzeugen. Sondern hochsensible Dinge fälschungssicher zu speichern, die ein hohes Maß an Vertrauen voraussetzen. Das können Währungssysteme sein, aber auch persönlichste Daten, es können Herkunftsnachweise von Produkten sein oder Grundbucheinträge und Gesundheitsdaten. So gesehen ist der Bitcoin-Boom nur ein Zeichen dafür, welche Revolution sich mit der Kombination aus Rechenleistung und Verschlüsselungstechnik gerade abspielt.