Etwa 80 Mönche wurden in Birma freigelassen und berichteten von der Zeit in Haft. Tausende Menschen sollen aber nach wie vor verschwunden sein und eventuell in einem Stadion festgehalten werden. Diplomaten berichten von einem "Klima des Terrors".

Die leitende US-Diplomatin in Birma ist tief besorgt über die fortgesetzten Razzien und Verhaftungen in Rangun. "Das Militär ist jede Nacht unterwegs und nimmt immer mehr Leute fest", sagte Geschäftsträgerin Shari Villarosa am Mittwoch in einem Telefongespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Ich gehe davon aus, dass tausende Menschen festgenommen worden sind."

Mönche in Birma

Buddhistische Mönche in den Straßen von Rangun, Birma. (© Foto: dpa)

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Wie viele Menschen bei dem Militäreinsatz gegen friedliche Demonstranten vergangene Woche ums Leben kamen, sei nach wie vor schwer zu sagen. "Wir gehen davon aus, dass es wesentlich mehr waren als die zehn, die das Regime eingeräumt hat", sagte sie. Villarosa leitet die diplomatische Mission der USA in Birma. Aus Protest gegen das Militärregime haben die USA seit mehr als 20 Jahren keinen Botschafter mehr entsandt.

Die Festgenommenen werden nach Informationen von Villarosa in einem Stadion, einer Schule oder auf dem Gelände einer ehemaligen Rennbahn festgehalten. Es sei aber nach wie vor äußerst schwierig, solche Angaben zu überprüfen. Nach Angaben von Villarosa werden sämtliche Telefone abgehört. Das sei aber auch schon vor den jüngsten Demonstrationen routinemäßig der Fall gewesen.

Befremden über Verhalten des UN-Gesandten

Villarosa zeigte sich befremdet, dass der UN-Gesandte Ibrahim Gambari die Diplomaten in Rangun nicht über seine Gespräche mit der Militärjunta informiert hat. Das sei bei früheren Besuchen immer der Fall gewesen. "Es besteht natürlich größtes Interesse, und dass er uns nicht unterrichtet hat, ist beunruhigend." Gambari hatte Birma am Dienstag nach Gesprächen mit der Junta und Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi verlassen.

Mittlerweile hat das birmanische Militär-Regime 80 in den Vortagen festgenommene Mönche freigelassen. Einer der Mönche sagte, sie seien kurz nach Mitternacht in ihr Kloster in Rangun zurückgebracht worden. Die restlichen Festgenommenen aus dem Kloster sollten in Kürze freikommen.

Die Mönche seien in einem früheren Regierungsgebäude festgehalten worden, berichtete der Betroffene weiter. Sie seien nicht körperlich gefoltert, aber während der Verhöre wüst beschimpft worden: "Wir wurden Tag und Nacht befragt, zwei Mal täglich bekamen wir zu essen."

Einer der freigekommenen Mönchen erzählte, seine Brüder und er seien gezwungen worden, ihre Gewänder gegen zivile Kleidung zu tauschen. Auch knapp 150 Nonnen sollen freigelassen worden sein.

Das Regime nahm zugleich in der Nacht zu Mittwoch erneut zahlreiche Menschen fest und transportierte sie auf mindestens acht Lastwagen aus Rangun hinaus, berichteten Augenzeugen. Soldaten durchsuchten weiter Häuser nach Mönchen, die sich versteckt halten könnten.

Besonders rigide gingen die Soldaten nahe der Shwedagon-Pagode vor, dem Ausgangspunkt der Massenproteste. Nach einer Razzia blieb von einer Familie einzig ein 13 Jahre altes Mädchen zurück. Ihre Eltern seien mitgenommen worden, erzählte sie. "Sie haben uns gewarnt, nicht wegzulaufen, denn sie könnten zurückkommen." Die Soldaten hatten die Menschen in der Nacht aus ganzen Häuserzeilen auf die Straße getrieben. Westliche Diplomaten sprachen von einem "Klima des Terrors".

Auch am Tag patrouillierten weiter schwer bewaffnete Soldaten durch die Straßen von Rangun, wo die Proteste ihren Anfang genommen hatten. Zugleich schienen sich die Machthaber aber offenbar sicher, die Rebellion eingedämmt zu haben: Barrikaden wurden abgebaut und eine nächtliche Ausgangssperre verkürzt.

Appell an China

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat an die chinesische Regierung appelliert, zur Entschärfung der Krise in Birma beizutragen. "Ich hoffe, dass China seinen Einfluss in Birma nutzt, damit die notwendigen Bedingungen für ein gewaltfreies Demonstrieren und eine demokratische Entwicklung entstehen können", sagte Merkel der Wochenzeitung Die Zeit. China werde "ein zunehmend wichtiger Partner, wenn es darum geht, Beiträge zu Konfliktlösungen zu leisten". Anderthalb Wochen nach ihrem von China heftig kritisierten Treffen mit dem Dalai Lama schickte Merkel damit auch Signale der Entspannung an Peking.

Sie sei sicher, dass China in diese Verantwortung hineinwachsen werde, sagte die Kanzlerin. Das Land habe "beträchtliche Verantwortung übernommen bei der Lösung des Nordkoreakonflikts und eine, wie ich finde, positive Rolle gespielt".

Die Demonstrationen in Birma hatten sich an gestiegenen Benzinpreisen entzündet und hatten sich zu einer Rebellion gegen das gesamte Regime gesteigert. Angeführt wurden sie von Mönchen, die in dem buddhistischen Land enormes Ansehen genießen. Das Vorgehen der Junta hatte international Entsetzen hervorgerufen. Der UN-Menschenrechtsrat verurteilte die gewaltsame Unterdrückung, im Sicherheitsrat verhinderte China eine Verurteilung der birmanischen Führung.

UN-Gesandter Gambari sollte im Auftrag des UN-Sicherheitsrats die Führung in Birma zu einem Dialog mit der Demokratiebewegung auffordern. Er war am Dienstag nach einem viertägigen Besuch aus Birma abgereist, nachdem er Gespräche mit der Militärjunta und der Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi geführt hatte. Es galt als unwahrscheinlich, dass er sich vor einem Gespräch mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon öffentlich äußert. Gambari wurde am Freitag zurück in New York erwartet.

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(sueddeutsche.de/Reuters/dpa/dpa-Gespräch: Christiane Oelrich)