Birmas am längsten inhaftierter politischer Gefangener ist frei. Nach 20 Jahren in Haft kündigt Journalist Win Tin an, er wolle sein Engagement fortsetzen.

Noch in der blauen Häftlingsuniform des berüchtigten Insein-Gefängnisses trat der 79-jährige U Win Tin am Dienstag nach seiner Freilassung vor die Presse: "Ich werde weiterhin Politik machen", kündigte er an. Er habe kein Dokument unterzeichnen müssen, das ihn dazu verpflichte, auf politische Aktivitäten zu verzichten. Das Militärregime müsse vernichtet werden, sagte er einer Gruppe wartender Reporter.

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"Ich werde weiterhin Politik machen" - noch in der blauen Häftlingsuniform trat der 79-jährige Win Tin vor die Presse. (© Foto: Reuters)

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Win Tin war Journalist und Mitglied der Oppositionspartei Nationalliga der Demokratie. Er war nach dem Studentenaufstand 1988 wegen Verbreitung von Propaganda zu 20 Jahren Haft verurteilt worden und ist damit Birmas am längsten inhaftierter politischer Gefangener.

Fast genau ein Jahr nach der Niederschlagung des Mönchsaufstands wurde er nun freigelassen. Win Tin ist einer der 9002 Gefangenen, denen die Militärjunta nach eigenen Angaben Amnestie gewährt hatte. Die Staatspresse nannte als Grund "gute Führung".

Von ähnlichen Amnestien in der Vergangenheit hätten keine politischen Gefangenen profitiert, sagte der Parteisprecher der oppositionellen Nationalen Liga für Demokratie (NLD), Nyan Win. Dieses Mal seien es vier gewesen.

Vor einem Jahr hatten Zehntausende Mönche in Birma Proteste gegen Preiserhöhungen und das repressive Regime angeführt. In den Straßen der Metropole Rangun demonstrierten zeitweise 100.000 Menschen. Das Militärregime schlug den Aufstand am 26. September nieder. 31 Menschen kamen nach offiziellen Angaben ums Leben, aber Dissidenten schätzen die Opferzahl wesentlich höher.

In Birma sitzen nach UN-Schätzungen etwa noch 2000 politische Gefangene in Haft. Etwa 700 von ihnen wurden im September vergangenen Jahres während der Massenproteste gegen die Militärjunta festgenommen.

Die Vereinten Nationen hatten Birma wiederholt aufgefordert, alle politischen Gefangenen des Landes freizulassen - allen voran Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, die seit 1990 fast ununterbrochen unter Hausarrest steht. Sie wollte nach Angaben westlicher Diplomaten am Dienstag offiziell Einspruch gegen ihren Arrest einlegen.

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(dpa/AFP/hai/gal)