Biokraftstoffe Hoffen auf die zweite Generation

Umweltminister Gabriel zieht seine Pläne zurück. Künftig setzt er voll auf die nächste Generation von Biotreibstoffen, die aus Holz und Stroh gewonnen werden sollen - doch sie ist erst in etwa zehn Jahren marktreif.

Von Martin Kotynek

Sigmar Gabriel (SPD) hat am Freitag mit voller Kraft auf die Bremse getreten. Der Bundesumweltminister nahm seine Pläne, Benzin künftig mehr Biokraftstoff beizumengen, zurück und attackierte zugleich die Union. Bis zu 3,5 Millionen Fahrzeuge wären mit dem Benzin mit dem höheren Bio-Anteil nicht zurechtgekommen - ihre Besitzer hätten das teurere Super-plus-Benzin kaufen müssen.

Gabriel, AP

Steht in der Kritik und setzt auf die nächste Generation der Biokraftstoffe: Umweltminister Sigmar Gabriel.

(Foto: Foto: AP)

Gabriel will in Zukunft bei Benzin "voll auf die zweite Generation" der Biokraftstoffe setzen. Biotreibstoffe der sogenannten ersten Generation, die derzeit eingesetzt werden, sind in die Kritik geraten, da sie aus Nahrungsmitteln wie Getreide, Mais und Zuckerrohr hergestellt werden. Der hohe Bedarf an Bio-Benzin würde das weltweite Angebot an diesen Rohstoffen verknappen und so die Preise für Grundnahrungsmittel erhöhen.

Holz und Stroh anstatt Getreide und Zuckerrohr

Künftig sollen daher Holz und Stroh die Basis für Bio-Benzin sein. Damit stünden Biokraftstofe nicht mehr in Konkurrenz zur Produktion von Lebensmitteln. Doch diese zweite Generation an Kraftstoffen werde erst in zehn Jahren marktreif sein, prognostizieren die Hersteller.

Derzeit forschen die Hersteller noch an dem neuen Bio-Benzin. In etwa acht bis zwölf Monaten soll südlich von Berlin eine erste Produktionsanlage in Betrieb gehen. Die Hersteller haben mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen: Bio-Benzin besteht aus Ethanol, einem Alkohol, das aus Zucker gewonnen wird.

Am einfachsten lässt sich der Zucker aus Zuckerrüben gewinnen und dann mit Hefen und Bakterien vergären - so entsteht Bio-Ethanol der ersten Generation. Weil Zuckerrüben teuer sind, setzen Anbieter in Deutschland vielfach auf Getreide, etwa Roggen. Dieses Ausgangsmaterial erhöht jedoch den Aufwand bei der Herstellung, da aus den Samenkörnern erst die Stärke gewonnen und diese wiederum in ihre Zucker-Bestandteile gespalten werden muss.

Bei der zweiten Generation ist die Ethanolherstellung noch komplizierter, weil ein zusätzlicher Schritt nötig ist. Das Ausgangsmaterial ist dort Zellulose, die zunächst aus der Pflanze getrennt, dann in Stärke gespalten und schließlich wieder in seine Zucker-Bestandteile aufgelöst werden muss. Erst dann kann es zu Alkohol vergoren werden. Einer Studie der Deutschen Energie-Agentur zufolge kostet dieses Verfahren in der Herstellung etwa einen Euro pro Liter, das sind etwa 40 Cent mehr als bei fossilen Quellen.

Weil sich die Marktreife des neuen Bio-Ethanols für Ottomotoren daher weiter hinzieht, will der Bundesumweltminister in der Zwischenzeit auf strengere Nachhaltigkeitsbestimmungen für Biokraftstoffe der ersten Generation setzen. Gabriel will die staatliche Förderung von Bio-Benzin künftig von den Anbaustandorten abhängig machen. Nur, wenn durch den Anbau der Rohstoffe nachweislich nicht Regenwälder und Moore zerstört wurden, sollen Hersteller in Zukunft die staatliche Förderung in Anspruch nehmen dürfen.

Solche Nachhaltigkeitsbestimmungen sollen schnell zur Anwendung kommen, kündigte Gabriel am Freitag an. Da internationale Zertifizierungen jedoch viel Zeit in Anspruch nehmen, will der Umweltminister mit den Anbauländern strategische Partnerschaften schließen.

Gleichzeitig kündigte Gabriel an, den bereits für das Jahr 2009 beschlossenen Gesamtgehalt von Biosprit in den herkömmlichen Treibstoffen vorsorglich von 6,25 Prozent auf fünf Prozent zu reduzieren. Bei Diesel bleibt alles beim Alten, dort kann der Bio-Anteil auf sieben Prozent erhöht werden, da Dieselmotoren mit dem Biokraftstoff leichter zurechtkommen.