Wie geht es nach dem Tod von Bin Laden mit dem Einsatz in Afghanistan weiter? Experten empfehlen Washington einen Strategiewechsel - und "eine große diplomatische Öffnung hin zu den Taliban".
Nach dem Tod von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden zeichnet sich eine neue Dynamik für den Einsatz ausländischer Truppen in Afghanistan ab. Zum einen entwickelt sich eine Debatte über einen möglichen beschleunigten Abzug aus dem Land. Vor allem aber sehen Sicherheits-Experten neuen Spielraum für eine Abkehr der afghanischen Taliban von den arabischen Al-Qaida-Kämpfern und somit für Verhandlungen über eine politische Nachkriegslösung.
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In Washington traf die Todesnachricht von Bin Laden zu einem brisanten Zeitpunkt ein, da die US-Regierung derzeit darüber debattiert, wie viele Soldaten aus welchen Provinzen in diesem Jahr abgezogen werden sollen. Um diesen Prozess zu beeinflussen, sagte etwa der republikanische Abgeordnete Barney Frank: "Wir sind dorthin gegangen, um Osama bin Laden zu schnappen. Nun haben wir ihn." Somit sei dies ein Argument für einen schnelleren Abzug.
Zwar traten westliche Vertreter aus Militär und Regierungen dem umgehend entgegen. So bekräftigte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen: "Die Nato-Verbündeten und ihre Partner werden ihren Einsatz fortsetzen, um sicherzustellen, dass Afghanistan nie wieder ein sicherer Zufluchtsort für Extremismus wird." Auch der britische Premier David Cameron räumte ein, die Tötung Bin Ladens sei "eindeutig eine hilfreiche Entwicklung", aber er "denke nicht, dass sie zwingend irgendwelche Zeitpläne ändern wird".
Doch nach Einschätzung mancher Beobachter könnte genau dies eintreten. So sagt die Mitbegründerin des Kabuler Forschungsinstituts Afghanistan Analysts Networks, Martine van Bijlert: "Ich glaube nicht, dass die US-Regierung den Tod von Bin Laden nutzen möchte, um einen schnellen Abzug einzuleiten, aber sie wird vielleicht nicht kontrollieren können, wohin sie von der öffentlichen Meinung getragen wird."
Davor warnt auch der frühere afghanische Botschafter in London, Ahmed Wali Massoud, dessen Bruder lange als mächtigster militärischer Widersacher der Taliban gekämpft hatte, bis er zwei Tage vor den Anschlägen des 11. September 2001 umgebracht wurde. "Die USA erwägen bereits, ihre Strategie im Krieg gegen den Terrorismus zu verändern", sagt Massoud, "und es gibt ein Risiko, dass die amerikanische Öffentlichkeit weiter fragen wird, wieso ihre Truppen noch immer in Afghanistan kämpfen."
Öffnung zu den Taliban
Ebenso stark wie in den westlichen Hauptstädten könnte sich die Lage nach dem Tod von Bin Laden in Afghanistan ändern. Felix Kühn, der in der Taliban-Hochburg Kandahar lebt und dort über die Islamisten forscht, sagt zwar: "Vor allem die Kommandeure der Taliban im Feld kommentieren den Tod als belanglos für ihren Kampf." Doch gibt er zu bedenken: "Die Taliban und al-Qaida sind zwei verschiedene Gruppen, deren Verbindungen nicht strukturiert sind, sondern maßgeblich auf persönlichen Kontakten basieren. Da kann ein Wechsel in der Führungsriege von al-Qaida eine bedeutende Entwicklung sein." Der Afghanistan-Kenner Thomas Ruttig empfiehlt daher: "Das ist eine Chance für Washington, seine Strategie zu ändern und das Vernünftige zu machen: eine große diplomatische Öffnung hin zu den Taliban."
Diese Gelegenheit haben offenbar auch westliche Regierungen erkannt, denn US-Außenministerin Hillary Clinton wandte sich bereits am Montag an die Taliban. Ihre Botschaft an die Aufständischen habe sich zwar nicht verändert, sagte sie, "aber heute hat sie vielleicht einen größeren Widerhall". Die Taliban hätten nun die Möglichkeit, "al-Qaida zurückzulassen und sich an einem friedlichen politischen Prozess zu beteiligen". Kurze Zeit später äußerte sich auch der britische Premier David Cameron: "Jetzt ist der Zeitpunkt, sich von al-Qaida zu lösen, die Waffen abzulegen und die Grundzüge der afghanischen Verfassung anzuerkennen."
Die afghanischen Taliban nehmen sich jedoch auffallend viel Zeit, um auf diese Entwicklung zu reagieren. Bislang gibt es nur Gerüchte, dass sie an einem Nachruf auf Bin Laden arbeiten. Der Islamisten-Experte Kühn sagt: "Der Tod von Bin Laden kann möglicherweise mehr Raum für die Taliban schaffen, sich über die Beziehung zu al-Qaida zu äußern, aber bis heute haben sie noch immer keine offizielle Stellungnahme zu dem Todesfall veröffentlicht."
Die Kabuler Politik-Analystin Bijlert vermutet, dass die Taliban derzeit noch überlegen, wie sie sich positionieren sollen. Dennoch erwartet sie eine Stellungnahme: "Sie werden sich bemühen, das Potential zur Mobilisierung von Bin Ladens Tod zu nutzen, aber sie werden zugleich versuchen, ihre Position zu al-Qaida ausreichend verschwommen zu belassen, um sich alle Optionen offen zu halten."
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(SZ vom 04.05.2011/olkl)
Youtube-Hit aus USA
... warum d.(mehrfach betrachtet) teueren BW-Truppen nach Afganisthan entsendet wurden:
- Die "Sicherheit Deutschland am Hindukusch verteidigen". - Aber klar doch. Schwammiger ging's nimmer.
- "Aufbauhilfe fuer ein neues Afganisthan". - Aber siiischer dat.
- "Kampf gegen den Terror". - In -ungepruefter- Uebernahme der US-Slogans.
- "Niederschlagung der Herrschaft der grausamen Taliban". - Ein frommer Wunsch, bei den vielen, nachgerade unbegrenzten "Nachbarschaftshilfen" der talibierenden Nachbarlaender.
- "Den Menschen eine demokratische/ wuerdige/ freie Zukunft zurueckgeben". - Frage, warum dort, und nicht ueberall anderswo auch, und wo es anderenorts hapert mit den Menschenrechten.
- "Die Terrorhochburg einreissen". - Wie man an der -wenngleich finalen- Ergreifung eines, oder evtl. des Planers d. Terrors sieht, ist der bereits lange im "Anti-Terror-Buendnisland" Pakistan zu Hause, oder nun suedlich u. sued-oestl. des Mittelmeers, s.o.-asiat. neu-beheimatet. Der Kampf wurde/wird -gem. dieser "Logik" und demnach am voellig falschen Ort ausgetragen?
Ich muss ehrlich gestehen, ich habe bisher und bis jetzt nicht verstanden, was die Bundeswehr, mit ihrem Grundauftrag, dort soll. Nur, mein Unverstaendnis dazu wird immer umfangreicher und komplexer.
Ich habe dutzende Gruende dafuer, dass die BW dort nichts verloren hatte noch hat, noch das sie irgendetwas dort f.d. Sicherheitsbelange d.Bundesrepublik, ja sogar Europa u.seiner "Verbuendeten", verbessern koennte. Wohl aber bzgl. Verboesschlimmern oder bzgl. 'falscher Ort', 'falscher Auftrag'.
Was anscheinend von fast keinem Politiker bisher kappiert wurde ist, dass Al-Qaida und die 'Taliban' fast nichts miteinander zu tun haben.
Sie sind eher Konkurrenzunternehmen, die um Anhänger buhlen.
Außerdem gibt es 'DIE TALIBAN' überhaupt nicht. Es sind heterogene Stammeshaufen, die sich in mehr oder weniger friedliche Gruppen aufschlüsseln lassen und dem 'jungen Nachwuchs' aus Pakistan sehr skeptisch gegenüberstehen.
Schon allein aus der Unerkenntnis der Politiker für Einzelheiten heraus ist es vergebene 'Liebesmüh' etwas im 'Westen' gewachsenes irgendwo dort aufpropfen zu wollen.
Ach Gottchen ja, die Polizeiausbildung - daran denkt der deutsche Politiker zuerst - hihihi !
Strategisch Denkenden wird nicht entgangen sein, dass pure Gewalt und bewaffnete Überlegenheit jederzeit ihr Gegengewicht finden und so kann man sich in einer nur verheerenden Auseinandersetzung vom Sieg zur Niederlage "schaukeln". Dabei wird übersehen, dass hier stets die Menschen verlieren, die mit ihrem Leben und unwürdigen Lebensbedingungen bezahlen und schließlich die Ressorcen auch betuchter Gesellschaften, die das verpulverte Geld nicht einfach ersetzen können.
Afghanistan ist eine große Herausforderung für weitsichtige Strategen, die offenbar jetzt Gehör dafür finden, was sie schon länger versuchen, den Verantwortlichen zu vermitteln.
Afghanistan bleibt vor allem eine Aufgabe für die Einheimischen, die zu einem gemeinsamen Weg finden müssen, wo sie ihre große Potentiale vereinen können, statt beispielsweise in kurzsichtigen Rauschgiftgeschäften oder für die engstirnige Machtinteressen von Stammesführern zu opfern. Hier ist durch den Einsatz von zivilen Helfern und eben auch durch deutsche Soldaten, die sich für Einheimische eingesetzt haben, schon mancher Samen gelegt worden.
Ob dieser gedeiht, bleibt in der Hand der Afghanen, die für eine Rolle als Manöveriermasse von Machtinteressen zu schade sind, wie andere auch.
Taliban ist sicher nicht gleich Taliban. Das lässt sich allerdings nur mit diplomatischen Mitteln herausfinden.
"Die Nato-Verbündeten und ihre Partner werden ihren Einsatz fortsetzen, um sicherzustellen, dass Afghanistan nie wieder ein sicherer Zufluchtsort für Extremismus wird." Was man so alles aus Dänemark hört an rechten Sprüchen, so möchte man das gerne auf Dänemark anwenden.
So gross die Begeisterung auch in den USA über den Tod bin Ladens ist, so verhalten ist man in Europa und über die arabische Welt hört man doch eigentlich gar nichts. Warum? Ist der Effekt nicht so wie gewünscht? Die Stellung bin Ladens ist ja dort vergleichbar mit der Stellung der Anführer der Bauernkriege und des Bürgertums in Europa. Somit hat man einen Märtyrer geschaffen. Hätte man ihn wie Sadam vor Gericht gestellt, so hätte man ihn wenigstens entzaubert. Nun weiss die Welt, dass der CIA genarrt wurde oder gar nicht willens war Osama zu ergreifen, da er luxoriös im Villenviertel lebte.
Spannend, die verschiedenen Position und ganz schwierig, die Emotionen, die rechtliche und die strategische Seite auseinanderzuhalten.
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