Bildung Unesco: Hunderte Millionen Kinder gehen nicht zur Schule

Lesen und schreiben lernen - das sollen eigentlich alle Kinder weltweit.

(Foto: imago/photothek)
  • 264 Millionen Kinder und Jugendliche sind einem Bericht der Unesco zufolge weltweit im Jahr 2015 nicht zur Schule gegangen.
  • Mehr als 60 Millionen Kinder besuchen nicht einmal eine Grundschule.
  • Die Hilfsorganisation Oxfam kritisiert: "Kinder aus armen Familien haben ein achtfach höheres Risiko, nicht eingeschult zu werden, als Kinder reicher Familien."

Die Welt ist laut einem Unesco-Bericht noch sehr weit vom Ziel einer Schulbildung für alle entfernt. Im Jahr 2015 seien 264 Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule gegangen, heißt es im jährlichen Weltbildungsbericht der UN-Organisation, der an diesem Dienstag erscheint. Darunter seien 61 Millionen Kinder im Grundschulalter gewesen.

Der Anteil derjenigen, die nicht zur Schule gehen, habe nach einem Rückgang um die Jahrtausendwende zuletzt stagniert, schreiben die Autoren. Die Hilfsorganisation Oxfam spricht von einem "Skandal". "Chancengerechtigkeit bleibt für arme und marginalisierte Gruppen eine hohle Phrase", sagte die Oxfam-Bildungsexpertin Sandra Dworack in Berlin.

"Kinder aus armen Familien haben ein achtfach höheres Risiko, nicht eingeschult zu werden, als Kinder reicher Familien." Diese Ungleichheit treibe einen "Teufelskreis aus Armut, schlechter Bildung, schlechten Chancen auf gute bezahlte Arbeit und sozialer Ungleichheit voran".

Die Weltgemeinschaft drohe krachend an der Umsetzung des UN-Ziels "Bildung für alle" (...) zu scheitern, kritisierte Dworack. Die im Jahr 2015 beschlossenen UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung sehen unter anderem vor, dass 2030 alle Kinder eine kostenlose Grund- und Sekundarschule abschließen.

In dem Unesco-Bericht heißt es auch, dass die Schul-Abschlussraten weiterhin niedrig seien. Laut Schätzungen auf Basis von Haushaltsbefragungen schlossen zwischen 2010 und 2015 nur 83 Prozent der Kinder die Grundschule ab. Im unteren Sekundarschulbereich (12-14 Jahre) liege der Anteil bei 69 Prozent, in der oberen Sekundarschulbildung (15-17 Jahre) bei nur 45 Prozent.

Dem Bericht zufolge wurde zudem nur in 66 Prozent der Länder Geschlechtergerechtigkeit in der Grundschulbildung erreicht.

Der Bericht ruft Regierungen unter anderem dazu auf, das Recht auf Bildung einklagbar zu machen - dies sei in 45 Prozent der Länder weltweit derzeit nicht der Fall. Zudem fehlten jährlich 39 Milliarden US-Dollar (33 Milliarden Euro) für eine hochwertige und chancengerechte Bildung weltweit.