Von Ch. Wernicke

Kürt der künftige US-Präsident Obama seine Ex-Rivalin zur Außenministerin? Clinton scheint gute Chancen auf das Amt zu haben, ist aber nicht die einzige Anwärterin.

Der Schmöker über die Ära des Abraham Lincoln ist drei Jahre alt, und 900 Seiten sind nicht eben leichte Kost. Doch "Team of Rivals", das Opus der Historikerin Doris Kearns Goodwin über Amerikas wahrscheinlich größten Präsidenten und dessen illustres Kabinett, hat sich am Sonntag nun schon auf Platz zwölf der Bestseller-Liste beim Internethändler Amazon vorgekämpft.

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Hillary Clinton im Team des künftigen US-Präsidenten Obama? US-Medien berichten, sie habe beste Chancen auf das Amt der Außenministerin. (© Foto: AP)

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Zwei Gründe treiben das Buch nach oben. Zum einen haben Barack Obama wie Hillary Clinton öffentlich erklärt, wie beeindruckt sie waren von dieser Lektüre und von "Abe" Lincoln, der einst seine ärgsten Rivalen als Minister um sich scharte, auf dass "die größten Geister dem Lande dienen mögen". Wichtiger noch ist jedoch der zweite Grund: Obama wie Clinton scheinen nun bereit zu sein, die Geschichte zu wiederholen.

Vertraute bestätigten US-Medien am Wochenende, dass Obama "sehr ernsthaft" erwäge, seine Ex-Rivalin Hillary zur Außenministerin zu küren. "Wenn sie den Job will, dann hat sie ihn," flüsterte ein Konfident dem Fernsehsender CNN zu. Und enge Clinton-Berater gaben so anonym wie öffentlich zu erkennen, dass Clinton dazu neige, aus dem Kongress an Obamas Kabinettstisch zu wechseln.

Tastende Versuche der Senatorin, ihren Machtradius im Senat zu erweitern und den Vorsitz eines mächtigen Ausschusses zur Gesundheitsreform zu ergattern, scheinen am Widerstand ihrer dortigen Kollegen zu scheitern.

Enge Vertraute als Berater

Und ihr anderer Karrierepfad - eine Kandidatur für das Amt des Gouverneurs von New York - ist verbaut: Sie würde einen Aufstand ihrer Partei provozieren, würde sie gegen den schwarzen (und obendrein halbblinden) Amtsinhaber David Paterson antreten.

Also Hillary fürs Äußere? Clinton ist nicht die einzige Anwärterin. Auch Bill Richardson, Gouverneur von New Mexiko und einst UN-Botschafter, hatte am Freitag in Chicago eine Audienz beim designierten Präsidenten, um seine Ambitionen auf das Außenamt zu untermauern. Doch Clinton gilt als erste Wahl, weil Obama auf diese Weise seine schärfste Konkurrentin einbinden könnte.

Clinton wiederum betrachtet die fällige Kabinettsdisziplin offenbar nicht als Hindernis für eigene Ansprüche. Falls Obama sich als schwacher Oberbefehlshaber entpuppt, wabern in Washington die Spekulationen, könne sie 2011 zurücktreten und erneut für die Präsidentschaft kandidieren. Falls Obama reüssiert, gibt sie ihre Träume eben auf - und versucht, als Ministerin ihr eigenes Kapitel US-Geschichte zu schreiben.

Obama selbst hat am Sonntag sein Amt als Senator von Illinois niedergelegt. Aus seinem Übergangsteam hieß es, er wolle wichtigste Kabinettsentscheidungen noch im November treffen.

Am Wochenende zeichnete sich klarer ab, mit welchen persönlichen Beratern der 47-jährige Demokrat ins Weiße Haus einziehen will. Den Titel "Senior Adviser" erhält nun Valerie Jarrett, langjährige Vertraute und Freundin der Obamas. Die schwarze Juristin, die lange in Chicagos Stadtverwaltung und an der Spitze eines Wohnungsbauunternehmens arbeitete, gilt als geschickte Managerin und ausgebuffte Strippenzieherin.

Als Vizechefin von Obamas Übergangsmannschaft hat sie enormen Einfluss auf fast alle Personalentscheidungen. Gleichrangig und gleich im Nebenzimmer wird Pete Rouse sitzen, der Obama als Leiter seines Büros im Senat diente. Rouse wird nachgesagt, er habe seit dessen Wahl 2004 erheblich zu Obamas Einschulung in Washingtons politische Klasse beigetragen.

Treffen mit McCain

Wichtigster juristischer Berater Obamas im Weißen Haus dürfte Gregory Craig werden. Craig, einst Anwalt von Bill Clinton bei der juristischen Aufarbeitung des präsidentiellen Sexskandals, war auch als Kandidat für den Posten des Sicherheitsberaters oder gar des Außenministers gehandelt worden. Pikant an der Personalie ist, dass Craig im Frühjahr Hillary Clinton Mangel an außenpolitischer Erfahrung bescheinigte.

Am Montag wird sich Obama in Chicago mit John McCain, seinem republikanischen Gegner, treffen. Beide wollten "Möglichkeiten einer überparteilichen Zusammenarbeit" sondieren, hieß es.

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(SZ vom 17.11.2008/dmo)