Bilderberg-Konferenz Achtung, geheim

Das Taschenbergpalais in Dresden ist wegen der Bilderberg-Konferenz zur Sperrzone geworden.

(Foto: Matthias Rietschel/Getty)

Ranghohe Politiker und Wirtschaftsbosse setzen sich in Dresden zusammen. Manche Menschen vermuten hinter diesem Treffen eine Verschwörung.

Von Deniz Aykanat

Unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen und äußerst diskret läuft bis Sonntag in Dresden das sogenannte Bilderberg-Treffen ab. Ranghohe Politiker und Unternehmenschefs sind bei dem internationalen Gipfel mit von der Partie, öffentliche Erklärungen aber wird es nicht geben.

Wie entstand die Bilderberg-Konferenz?

Das erste informelle Treffen einflussreicher Menschen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien fand 1954 im Hotel de Bilderberg in Oosterbeek in den Niederlanden statt. Der Tagungsort gab der Konferenz ihren späteren Namen. Initiiert hatte das Treffen der polnische Exil-Politiker Józef Retinger, der einen aufkeimenden Antiamerikanismus in Westeuropa sah und diesem durch die Förderung der transatlantischen Beziehungen entgegenwirken wollte. Unterstützer fand er in Prinz Bernhard der Niederlande und dem früheren belgischen Premier Paul Van Zeeland. Aus dem Treffen entstand eine jährlich an wechselnden Orten stattfindende Konferenz - unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Wie ist die Konferenz strukturiert?

Das Treffen dauert in der Regel drei Tage. Nach außen dringt nur die Liste der Teilnehmer und eine Agenda mit den Tagesordnungspunkten. Transatlantische Beziehungen spielen immer noch eine Rolle - die meisten Teilnehmer stammen aus Nato-Staaten. Diskutiert wird heute aber vor allem ganz allgemein über aktuelle politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen. Es gibt weder Resolutionen noch eine Abschlusserklärung.

Wer wird eingeladen?

Die Gästelisten der Bilderberg-Konferenzen lesen sich zum einen wie das Who's who der Weltwirtschaft. Auch deutsche Politiker und Medienmacher nahmen regelmäßig teil, wie etwa der vor Kurzem verstorbene Altkanzler Helmut Schmidt. Einladungen haben in diesem Jahr unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel und mehrere Mitglieder des Bundeskabinetts erhalten. Mit Ursula von der Leyen, Wolfgang Schäuble und Thomas de Maizière sind drei Bundesminister dabei.

Was passiert in Dresden?

Die letztjährige Konferenz fand im österreichischen Telfs statt. Dieses Jahr treffen sich die Experten und Entscheider nicht ganz so abgeschieden wie sonst üblich, nämlich im Hotel Taschenbergpalais in der Dresdner Altstadt. Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor. Die Stadt hat ein Versammlungsverbot rund um den Tagungsort verhängt. Für Drohnen und andere Flugobjekte wurde eine Sperrzone eingerichtet. Die Mischung der Demonstranten steht der illustren Gästeliste in nichts nach: Die "Rote Fahne/Antifaschistische Aktion", die rechtsextreme NPD, die AfD, Pegida und zahlreiche Gruppen haben knapp zwei Dutzend Protestkundgebungen gegen die Konferenz angekündigt.

Warum umwittern so viele Gerüchte das Treffen?

Es gibt jede Menge Gerüchte um die Bilderberg-Konferenz. "Je weniger über bestimmte Ereignisse kommuniziert wird oder Informationen darüber vorliegen, desto mehr neigen die Menschen dazu, anzunehmen, dass es da um irgendetwas Geheimes geht, was sie nicht wissen sollen", sagt Eva Kimminich der dpa. Die Professorin lehrt Kulturwissenschaften an der Universität Potsdam und beschäftigt sich mit dem Entstehen von Verschwörungstheorien, die derzeit Konjunktur haben. "Den Bilderbergern wird unterstellt, dass sie die Weltherrschaft antreten wollen. Und das geht natürlich gegen ein völkisch-nationales Bild, das gerade die rechten Gruppierungen vertreten, die ja auch der US-Regierung vorwerfen, die Weltregierung übernehmen zu wollen", sagt Kimminich.

Was sagen Teilnehmer der Konferenz zu den Verschwörungstheorien?

"Es ist eine informelle Gruppe, die über verschiedene Themen spricht und die Diskussion hinter verschlossenen Türen führt, um die Gespräche zu erleichtern", sagt Henri de Castries, Chef des Axa-Versicherungskonzerns und Vorsitzender des Lenkungsausschusses der Bilderberg-Konferenz. Es würden auch keine Entscheidungen getroffen. Einer, der schon mal dabei war und aus seiner Partei dafür Schelte bezog, ist Jürgen Trittin. 2012 war er Fraktionschef der Grünen im Bundestag. "Von der Diskussionskultur ist das eigentlich mit jeder Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung oder der Konrad-Adenauer-Stiftung oder der Münchner Sicherheitskonferenz zu vergleichen", sagt er. In der Verschwiegenheitsklausel kann der Grünen-Politiker durchaus auch Positives erkennen: "Es macht Sinn, gelegentlich mal in einem solchen Rahmen zu reden."