In zwei Wochen wird sein Nachfolger gewählt, doch zuvor zieht Russlands Präsident Putin Bilanz. Scharfe Worte wählt er in der Kosovo-Frage und im Streit um den geplanten Raketenschild der USA. Mit sich selbst ist der 55-Jährige zufrieden - und erklärt, er wolle nicht lebenslang an der Macht kleben.

Es war einer seiner letzten großen Auftritte, bevor am 2. März sein Nachfolger inthronisiert wird: Vor 1300 Journalisten aus dem In- und Ausland hat Russlands Präsident Putin in Moskau eine positive Bilanz seiner acht Amtsjahre im Kreml gezogen. "Alle gesetzten Ziele sind erreicht worden", sagte er. "Die ganzen acht Jahre habe ich wie ein Sklave von morgens bis abends geschuftet." Putins Amtszeit endet am 7. Mai.

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Bis zum 7. Mai ist er noch russischer Präsident: Wladimir Putin in seinem Büro (© Foto: AFP)

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Der 55-jährige Putin erklärte zudem, er wolle nicht sein Leben lang an der Macht festhalten. Er halte eine solche Einstellung für inakzeptabel. Im Dezember hatte er mitgeteilt, er könne sich unter Medwedjew die Rolle des Ministerpräsidenten vorstellen. Dies hatte Spekulationen ausgelöst, er wolle sich mit Medwedjew als Präsident abwechseln und damit seinen Einfluss auf Jahrzehnte hinaus sichern. "Natürlich werde ich weiterarbeiten. Aber ich war nie süchtig nach Macht", wies Putin die Sepkulationen zurück. "Mir noch mehr Orden umzuhängen oder einen irgendwie erhabenden Thron zu besteigen, das ist inakzeptabel."

Putin räumte, dass die Erfolge bei der Armutsbekämpfung besser hätten ausfallen können. In den nächsten Monaten und Jahren müsse vor allem die hohe Inflation in Russland bekämpft werden.

"Positiver Dialog mit Washington"

Zudem äußerte sich der scheidende Präsident zuversichtlich über die Zusammenarbeit seines Landes mit den USA. Unabhängig vom Ausgang der US-Präsidentenwahl würden sich die Beziehungen zwischen Moskau und Washington "im positiven oder mindestens partnerschaftlichen Dialog" entwickeln, sagte Putin auf seiner letzten Jahrespressekonferenz in Moskau.

Die USA und Russland bräuchten einander, um gemeinsam effektiv gegen den internationalen Terrorismus und die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen vorzugehen. Das Verhältnis zwischen den USA und Russland gilt auch wegen der US-Raketenabwehrpläne für Mitteleuropa als angespannt. Russland stuft das Vorhaben als Bedrohung ein.

Sollten die USA ihre Militäranlagen in Polen und Tschechien aufbauen, sehe sich Russland gezwungen, einen Teil seiner Raketen auf die neuen Ziele auszurichten, sagte Putin. Russland wolle diese Entwicklung nicht. Sollte die prowestliche Regierung der Ukraine eine Raketenabwehreinrichtung aufbauen, dann werde Russland seine Raketen auch auf dieses Land richten. Diese Warnung hatte er auch schon im Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko bei einem Treffen zu Beginn der Woche ausgesprochen.

Kritik an der OSZE

Putin kritisierte in seiner Erklärung auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die sich weigert, Beobachter zur Präsidentenwahl in Russland am 2. März zu schicken. Russland lasse sich nicht sagen, wie man sich verhalten solle.

Mit scharfen Worten kritisierte das russische Staatsoberhaupt die angekündigte Unabhängigkeit des Kosovos. Diese einseitige Unterstützung sei "unmoralisch und unrecht". Putin fuhr fort: "Es ist eine Schande, diese Probleme mit zweierlei Maß anzugehen."

Erwartet wird, dass sich das Kosovo am Sonntag für unabhängig erklären wird. Die USA und eine überwiegende Mehrheit der EU-Staaten unterstützen dies. Serbien und Russland lehnen den Schritt dagegen vehement ab.

Zwei Wochen vor der Präsidentenwahl bekräftigte Putin seine Unterstützung für seinen Wunschnachfolger, Vizeregierungschef Dimitrij Medwedjew. "Er wäre ein würdiger Präsident und ein effektiver Chef. Ich vertraue ihm einfach", erklärte Putin im Kreml. "Ich verspreche Ihnen, dass es keine Probleme zwischen uns geben wird."

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(Reuters/dpa/AP/mako/aho)