Ein Kommentar von Heribert Prantl

Bayern leuchtet nicht am Ende der Ära Stoiber, aber ein wenig glänzen tut es durchaus. Und der Mann, der in einer für viele unerträglichen Langsamkeit von seinen Ämtern Abschied nahm, hat daran wesentlichen Anteil.

Die Wittelsbacher haben das Land Bayern achthundert Jahre lang regiert. Die CSU regiert es seit fünfzig Jahren; und man muss, auch wenn es an dieser Partei wirklich viel auszusetzen gibt, dem CSU-Politiker Peter Gauweiler darin recht geben, dass sie "ein so erfolgreiches und wirkungsmächtiges Bewegungszentrum für Bayern war wie die Wittelsbacher in ihren besten Jahren".

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Er war nicht genial, aber bienenfleißig: Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber verabschiedet sich nach 14 Regierungsjahren. (© Foto: Reuters)

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Fünfzig Jahre CSU-Regierung waren und sind gewiss keine notwendige Voraussetzung für eine Entwicklung, die außerhalb Bayerns Neid erregt. Die schwarze Monochromie hat das Land geprägt, im Guten wie im Schlechten - und das Gute ist so wenig nicht.

Bayern steht im deutschen Ländervergleich hervorragend da; und der Mann, der in einer für viele unerträglichen Langsamkeit von seinen Ämtern Abschied nahm, hat daran wesentlichen Anteil: Ministerpräsident Edmund Stoiber hat sich in seinen 14 Regierungsjahren um Bayern verdient gemacht.

Exekutiv, nicht kreativ

Die Stoiber-Ära war die Zeit der größten Erfolge der CSU. Stoiber hat in vielen Wahlen seinen Mentor Franz Josef Strauß überflügelt, er hat die Partei noch stärker auf sich ausgerichtet als dieser (was er am Schluss büßen musste), er hat die CSU nach Strauß und Streibl auf wunderbare Weise erneuert und in den siebten Himmel gehoben.

Die Zweidrittelmehrheit, mit der die CSU im Landtag sitzt, und die Stoiber als erster (und wohl letzter) Politiker in der Bundesrepublik geschafft hat, ist das große Finale der großen Zeit der CSU. Diese Erfolge für die CSU mag die CSU loben.

Aber diese Erfolge sind ja nicht nur Frucht der raffinierten weiß-blauen Strategie dieser Partei, sondern auch von reellen Leistungen. Die bayerischen Wirtschaftsdaten sind ordentlich, die Arbeitslosenquote ist im Deutschland-Vergleich erträglich, in der Pisa-Studie liegt Bayern vorn. Das wäre nicht so, wenn die Stoiber-Jahre schlechte Jahre gewesen wären. Also verdient Stoiber Respekt. Er war kein großer Gestalter, aber er war ein großer Verwalter.

Er war nicht kreativ, er war exekutiv. Er war nicht genial, aber bienenfleißig. In der Kunst der rasenden Akribie wird ihn so schnell keiner überbieten. Er war kein Mann der Phantasie, aber er hat dafür gesorgt, dass am Starnberger See ein "Museum der Phantasie" entstand.

Er hat die Umwandlung eines Agrarlandes in einen High-Tech-Staat gefestigt, für die einst Strauß die Grundlagen gelegt hat. Stoiber hat viel reformiert, aber er war kein neuer Montgelas; vielen seiner Reformen fehlt die Güte und die Nachhaltigkeit.

Sie fehlt deswegen, weil Stoiber oft ein Spontan-Reformator war, einer, der Reformen nicht aus guter Einsicht und nach gründlicher Vorbereitung durchsetzte, sondern weil er anderen etwas beweisen wollte; zuletzt wollte er beweisen, dass er der bessere Kanzler gewesen wäre. Das hätte gut möglich sein können. Aber das Schicksal hat es im Jahr 2002 gewollt, dass ihm am Ende ein paar tausend Stimmen fehlten.

Die Stoibersche "Denen zeig ich es jetzt"-Politik, die darauf folgte, hat sein politisches Ende eingeläutet. Ein bezeichnend trauriges Exempel für diese Politik war und ist die Abschaffung des ruhmreichen Bayerischen Obersten Landesgerichts - gegründet von Kurfürst Maximilian I., geschlossen von Edmund Stoiber. Es war für ihn nicht ein Sparobjekt, sondern ein Demonstrationsobjekt.

Er wollte zeigen, dass er sich in Sachen Reformpolitik von niemandem übertreffen lässt. Er hat zuletzt das Gespür selbst für seine treuesten Anhänger verloren.

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