Auch die neue Bundesregierung folgt dem Irrglauben, mit Wachstum, funktionierenden Märkten und technologischem Fortschritt jedes Problem lösen zu können. Wenn die Bürger nur genug konsumieren, wird ihnen weisgemacht, werden sie mit auffrischender Konjunktur in eine rosige Zukunft schweben - ganz so, als sei die Welt des Konsums ein Ort der Glückseligkeit.
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Und wer sich Konsum nicht leisten kann, muss sich nicht grämen. Banken werden ihn bald wieder mit Krediten versorgen, damit das geplante Eigenheim gebaut, das abgewrackte Auto ersetzt werden kann. Diese Art, die Wirtschaft anzukurbeln, führt zum stets gleichen Ergebnis: Es wird konsumiert, koste es, was es wolle, sei es eine Bank oder am Ende den ganzen Planeten.
Kleine Länder, die einen anderen Weg gehen und in Kopenhagen klagend am Konferenztisch saßen, werden belächelt. Das winzige Königreich Bhutan etwa, am Fuße des Himalaya zwischen Indien und Tibet gelegen, misst das Wohlergehen des Landes nicht mehr am Bruttosozialprodukt, sondern am Glück seiner Bürger.
Das mag wie ein Märchen klingen, ist es aber nicht. Die Menschen in dieser parlamentarischen Monarchie sind arm, aber alles, was der Staat für sie auf den Weg bringt, orientiert sich an ihren Bedürfnissen. Sie zerstören die Landschaft nicht, sie bewahren sie. Es wird nicht abgeholzt, sondern aufgeforstet. Zwei Drittel der Staatsfläche müssen bewaldet sein. Das ist Verfassungsgebot.
Die großen Industriestaaten und die Schwellenländer hingegen gehen dumm mit ihrer Zukunft um. Es wird viel verhandelt, aber nicht gehandelt. 70 Prozent der Deutschen, hat eine Umfrage ergeben, haben das Vertrauen in Politik und Wirtschaft verloren. Machtgier der Politiker, leere Versprechen und das Festhalten am Althergebrachten haben dazu geführt, dass die Bundesbürger skeptisch auf 2010 blicken.
Dieser Pessimismus findet seine Entsprechung in der ganzen Welt. Wenn es im nächsten Jahrzehnt nicht gelingt, den Anstieg der Treibhausgas-Emissionen massiv zu senken, droht nach Prognosen des UN-Klimarates Mitte des Jahrhunderts ein nicht mehr umkehrbarer Zerfall des globalen Wirtschaftssystems und das Ende der Zivilisation, die uns derzeit noch behaglich vorkommt.
Allein das Abschmelzen der Gletscher im Himalaya würde die Wasserversorgung von mehr als einer Milliarde Menschen bedrohen und gewaltige Flüchtlingsströme in Gang setzen. Die Folgen der ökologischen Globalisierung werden dann nicht mehr zu steuern sein.
Eine bankrotte Bank lässt sich retten, Schulden können umverteilt und der Gesellschaft aufgebürdet werden. Ein Umweltbankrott aber wird Generationen die Lebensgrundlage entziehen, wird Demokratie und Marktwirtschaft hinwegfegen. Auch die robusteste Wirtschaft wird gegen die Natur verlieren. Kopenhagen hat bestätigt: Der Klimawandel ist das größte Marktversagen der Geschichte.
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(SZ vom 31.12.2009/01.01.2010/liv/mel)
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