Bibi Aisha aus Afghanistan Ein neues Leben

Bibi Aisha wurde auf dem Titel des Time Magazins berühmt: Ihr Ehemann schnitt der jungen Afghanin die Nase ab, das Blatt zeigte ihr entstelltes Gesicht. Nun haben Ärzte sich der 19-Jährigen angenommen.

Das Leid, das Bibi Aisha erlebt hat, sollte das Leid eines ganzen Landes verdeutlichen. "Was passiert, wenn wir Afghanistan verlassen", hatte das Time magazine im August auf den Titel gedruckt, daneben das Foto der verstümmelten 19-Jährigen, deren richtiger Name bis heute nicht bekannt ist.

Die junge Frau war im Alter von 16 Jahren mit einem Taliban-Kämpfer verheiratet worden. Dessen Familie hatte das Mädchen misshandelt und gequält, bis sie schließlich flüchtete. Ihr Ehemann fand sie wieder - und ein Talibangericht urteilte, dass er ihr zur Strafe die Nase und die Ohren abschneiden dürfe. Blutend ließ er seine Frau zum Sterben zurück. Wie Aisha überlebte, weiß sie selbst nicht mehr.

Nun haben Ärzte in den USA Bibi Aisha ein temporäres Nasen-Implantat eingesetzt. Die Grossmann Burn Foundation, die sich um Frauen kümmert, die Opfer von Gewalttaten geworden sind und kostenlose plastische Operationen vornimmt, übernahm die Behandlung der jungen Frau. Bei einer Wohltätigkeits-Gala zeigte Bibi Aisha nun erstmals ihr neues Gesicht. Die vollständige Widerherstellung von Nase und Ohren wird aber wohl noch lange dauern.

Das Foto der Afghanin auf dem Titelblatt des Time Magazine hatte in den USA eine breite Diskussion ausgelöst: Über das Bild, über Frauen und über den Krieg.

Befürworter sagten, dass das Foto ein mächtiges Argument für nachhaltiges Engagement in Afghanistan ist und gegen den für 2011 geplanten Beginn des Abzugs der US-Armee. Gegner warfen dem Magazin "Kriegspornographie" vor, die linke Website Bagnews sprach von "emotionaler Erpressung".

Tom Scocca, Redakteur des Politmagazins Slate, kritisierte vor allem die Überschrift neben dem emotionalen Bild. Kein Fragezeichen, keine Relativierung, sondern eine Tatsachenbehauptung: "Was passiert, wenn wir Afghanistan verlassen".

Das sei herzzerreißend, schrieb Scocca - und komplett falsch. "Wir sind 2001 in Afghanistan einmarschiert. Die Nase der jungen Frau wurden 2009 von den Taliban abgeschnitten." Korrekter wäre seiner Meinung nach: "Was noch immer in Afghanistan passiert, obwohl wir dort sind."

Außenminister Guido Westerwelle äußerte sich derweil ebenfalls über Afghanistan - und bekräftigte das Ziel Deutschlands, seine Truppenpräsenz am Hindukusch so rasch wie möglich zu verringern. Er hält einen militärischen Sieg über die Aufständischen für ausgeschlossen. "Wir werden keine militärische Lösung haben, sondern eine politische", sagte Westerwelle.

Immer mehr zeige sich, dass der von Deutschland mit angestoßene Prozess der Aussöhnung der einzig richtige und erfolgversprechende Weg sei. Erst vor wenigen Tagen hatte der afghanische Präsident Hamid Karsai Friedensverhandlungen mit den Islamisten in seinem Land bestätigt.

Im kommenden Jahr werde es auch im deutschen Verantwortungsbereich in Nordafghanistan eine Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Behörden geben. Dies hab man "fest im Blick". Nur dadurch werde die Voraussetzung geschaffen, die deutschen Soldaten schrittweise abzuziehen. Ein Abzugsdatum nannte Westerwelle nicht. Er sagte lediglich, dass bis 2014 der Übergabeprozess abgeschlossen sein soll.

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