Beziehung zu Russland "Teurer Freund" Putin

Erdoğan treibt in Moskau ein Pipeline-Projekt voran, und auch beim Thema Syrien gibt es Fortschritte. So schnell geht der Wandel.

Von Julian Hans, Moskau

Trotz unterschiedlicher Interessen arbeiten Russland und die Türkei eigenen Angaben zufolge bei der Suche nach einer Lösung für den Syrien-Krieg gut zusammen. Einen so vertrauensvollen Dialog Russlands mit der Türkei zu Syrien habe niemand zuvor erwartet, sagte der russische Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdoğan am Freitag in Moskau. "Wir sind sehr froh, dass wir unsere Verbindungen so schnell wiederherstellen können", sagte er laut russischen Agenturen.

Erdoğan nannte Putin seinen "teuren Freund" und betonte, dass vor allem die großen gemeinsamen Energieprojekte gut voran kämen. Russland will die Gaspipeline Turkish Stream durch das Schwarze Meer und das Kernkraftwerk Akkuyu im Süden der Türkei bauen. Über Turkish Stream will Russland Erdgas auch nach Südeuropa verkaufen. Putin hob den "sehr effektiven Kontakt" der Geheimdienste beider Länder hervor.

Moskau und Ankara hatten im Dezember eine Waffenruhe ausgehandelt, die die Kämpfe zwischen den syrischen Regierungstruppen und der Opposition deutlich verringert hat. Zudem brachten sie Friedensgespräche zwischen Assads Regierung und der Opposition abseits der von den UN vermittelten Verhandlungen auf den Weg. Die dritte Runde der Gespräche soll nächste Woche stattfinden.

Zwar unterstützen beide Länder unterschiedliche Konfliktparteien in dem seit 2011 andauernden Bürgerkrieg in Syrien; Moskau steht an der Seite von Präsident Baschar al-Assad, während die Türkei seine Gegner unterstützt. Doch Ankara hat die militärische Übermacht der Russen in Syrien akzeptiert; es hofft, dass Moskau dafür sorgt, dass im syrischen Machtvakuum kein kurdischer Staat entsteht. Moskau und Ankara wollen, dass der Einfluss einer dritten Militärmacht - Irans - nicht überhand nimmt.

Als Zeichen der Wiederannäherung lockerte die russische Regierung am Freitag ein Einfuhrverbot für türkisches Obst und Gemüse. Es ist Erdoğans zweiter Besuch in Russland seit August 2016. Der Abschuss eines russischen Militärjets durch die türkische Luftwaffe hatte 2015 ein Zerwürfnis zwischen Moskau und Ankara ausgelöst.