Von Thomas Öchsner

Die Bundesregierung will Praktikanten schützen, doch in den Ministerien bekommen sie oft kein Geld. Diese Sparsamkeit bringt auch Arbeitsminister Scholz in Erklärungsnöte.

Wenn es nach der DGB-Jugend geht, ist der Fall klar. Jeder Praktikant, der zwei, drei Monate in einem Unternehmen oder einer Behörde arbeitet, sollte monatlich 300 Euro Aufwandsentschädigung bekommen.

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Bundesarbeitsminister Olaf Scholz kämpft für die Rechte von Praktikanten. In seinem Ministerium sieht es jedoch für jährlich hundert Praktikanten finster aus: Sie erhalten kein Geld. (© Foto: dpa)

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Beide Seiten hätten davon etwas, findet die Gewerkschaft. "Der Praktikant kann besser beurteilen, ob die Tätigkeit etwas für ihn ist. Und der Betrieb, der einen Mithelfer hat, kann prüfen, ob die Nachwuchskraft vielleicht später einmal als fester Mitarbeiter in Frage kommt", sagt Bundesjugendsekretär René Rudolf.

Der Bundesregierung ist die Problematik bewusst. Dort verhandeln Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) und Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) gerade zäh über Pläne für einen besseren Schutz von Praktikanten.

Heuchlerisch

Die Opposition findet das heuchlerisch, denn: In den Ministerien werden die Praktikanten in der Regel nicht bezahlt. Diese Sparsamkeit bringt die Bundesregierung nun in Erklärungsnöte. Wenn der Arbeitsminister ein Anrecht der Praktikanten auf eine angemessene Vergütung festschreiben wolle, sie aber im eigenen Haus nicht bezahle, "stimmen Reden und Handeln nicht überein", sagt der FDP-Finanzexperte Volker Wissing.

Was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, ist auf gewisse Weise sogar konsequent. Das liegt an einem feinen Unterschied, den das Arbeitsministerium macht: Es gibt Hochschulabsolventen und junge Leute mit abgeschlossener Berufsausbildung, die sich mit der vagen Aussicht auf eine feste Stelle von Praktikum zu Praktikum hangeln und für harte Arbeit schlecht oder gar nicht bezahlt werden. Das ist die "Generation Praktikum", deren Ausbeutung Scholz künftig verhindern will.

Und es gibt Schüler und Studenten, die in einen Betrieb hineinschnuppern, um etwas dazuzulernen. "Solche Praktikanten machen eher zusätzliche Arbeit, als die Arbeit zu erleichtern", sagt ein Sprecher des Ministeriums. Und deshalb müsse man sie auch nicht bezahlen.

Die jährlich knapp hundert Praktikanten im Hause Scholz erhalten deshalb lediglich Essensgutscheine für die Kantine und Fahrtkostenzuschüsse. Auch in anderen Bundesministerien bekommen sie kein Geld. Nur das Entwicklungshilfeministerium rückt großzügige 100 Euro heraus.

Geld nur bei Mehrwert

In der Bundestagsverwaltung, die jährlich 500 Praktikumsplätze an Studenten vergibt, wird ebenfalls nichts gezahlt. Selbst der Scholz-Kritiker Wissing räumt ein, dass er in seinem Abgeordnetenbüro nur Praktikanten honoriere, die ihm "einen Mehrwert bringen". Und in der FDP-Fraktion im Bundestag heißt es lapidar, man bezahle keine Praktikanten.

Anders in der grünen Bundestagsfraktion: Dort erhalten Praktikanten mindestens 250 Euro im Monat. Brigitte Pothmer, Arbeitsmarktexpertin der Partei, fordert, dass sich alle Ministerien dazu verpflichten sollten, eine Aufwandsentschädigung zu zahlen und die jungen Leute nicht mit Kantinengutscheinen abzuspeisen.

Auch Frank Schneider vom Verein Fairwork, der sich für die Rechte von Praktikanten starkmacht, wünscht sich eine Vergütung von 200 bis 400 Euro pro Monat: "Damit lassen sich Extrakosten bezahlen." Dies sehen wohl auch manche der Betroffenen so: Bundesaußenminister Walter Steinmeier (SPD) erhielt im Sommer einen Brief von Praktikanten aus seinem Haus mit der Bitte, ihre Arbeit angemessen zu entlohnen. Schließlich würden sie ja nicht nur ins Ministerium hineinschnuppern. Die Antwort lautete: Nein.

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(SZ vom 11.12.2008)