Die Geschichte der Bereicherung an Spenden ist keine neue Erfindung. Wo es viel Geld zu verteilen gibt, ist oft auch die Gier der Verteilenden nicht weit. Meist liegt das Problem in der mangelnden Kontrolle - oder der Gutgläubigkeit.
Der italienische Politiker und Philosoph Niccolò Machiavelli wusste schon im 15. Jahrhundert, was Sache ist. "Die Menschen sind so einfältig und hängen so sehr vom Eindruck des Augenblicks ab, dass einer, der sie täuschen will, stets jemanden findet, der sich täuschen lässt." Die Geschichte von Veruntreuung und Verschwendung von Staatsgeld, von Betrug, Steuerhinterziehung und Bereicherung an Spendenmitteln ist also keineswegs eine Erfindung der Neuzeit. Wo viel Geld zu verteilen ist, ist oft auch die Gier der Verteilenden nicht weit. Meist liegt das Problem in der mangelnden Kontrolle oder der Gutgläubigkeit der Kontrollierenden.
Bild vergrößern
TH für Treberhilfe: Die Organisation, die sich in Berlin um Obdachlose und sozial Benachteiligte kümmert, geriet im Februar unter Verdacht. Ihr damaliger Geschäftsführer Harald Ehlert nutzte den Maserati als Dienstwagen mit Chauffeur. (© dpa)
Anzeige
Besondere Schlagzeilen gibt es stets, wenn es im sozialen Bereich, wo mit Spendengeld hantiert wird, zu Unregelmäßigkeiten kommt. Dabei muss es nicht einmal um persönliche Bereicherung oder Vorteilsnahme gehen - dies kann man besonders gut am Beispiel des Kinderhilfswerks Unicef studieren. Dort wurden 2007 einem pensionierten Mitarbeiter, ohne dass es einen schriftlichen Vertrag gab, für die Spendenwerbung Provisionen gezahlt, und zwar 280.000 Euro für zwei Jahre. Die Folge dieser Enthüllung: mehrere Millionen Euro entgangene Spenden, der Rücktritt des gesamten Vorstands, der Absprung mehrerer tausend Fördermitglieder und der Entzug des Spendensiegels.
Nach diesem Skandal haben zahlreiche Hilfsorganisationen ihre Transparenzregeln überarbeitet, stellen ihre Tätigkeitsberichte ausführlicher als bisher im Internet dar oder lassen Hilfsprojekte in Entwicklungsländern von unabhängigen Wirtschaftsprüfern auf ihre Effizienz und Sinnhaftigkeit testen.
Doch in schöner Regelmäßigkeit hört und liest man auf dem Feld der gemeinnützigen Organisationen vom recht eigennützigen Griff in die Kasse.
Derzeit muss sich zum Beispiel in Berlin der Vorsitzende des Frauennothilfe-Vereins Hatun & Can vor dem Landgericht wegen Betrugs verantworten. Der Vereinschef soll 690.000 Euro erschlichen haben. Einen Teil davon soll er für Genussmittel, Bekleidung, Elektrogeräte, die Wohnungsrenovierung bei einer Freundin sowie Urlaub in Spanien ausgegeben haben. Der Mann weist freilich alle Vorwürfe zurück. Auch die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer gehörte zu den Spendern. Sie hatte eine halbe Million Euro auf das Vereinskonto überwiesen, die sie bei "Wer wird Millionär?" gewonnen hatte. Sie war es schließlich auch, die die Ermittlungen gegen den Mann in Gang brachte, als er ihr nicht darlegen konnte, was mit der Spende passiert war.
Spektakulär war jüngst auch der Fall der Treberhilfe, eines Berliner Projekts für Obdachlose. Der Chef der gemeinnützigen GmbH fuhr zu "Repräsentationszwecken" einen Maserati als Dienstwagen, der mehr als 114.000 Euro gekostet haben soll. Als auch die Höhe seines Jahresgehalts massiv kritisiert wurde, trat er im Frühjahr von seinem Posten als Geschäftsführer zurück. Kürzlich hat nun der Berliner Senat Konsequenzen aus der "Maserati-Affäre" gezogen und die Zusammenarbeit mit der Treberhilfe im Bereich der Beratungstätigkeit und der Straßensozialarbeit mit jugendlichen Obdachlosen beendet. Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) hat zudem im Bundesrat eine noch schärfere Kontrolle sozialer Einrichtungen vorgeschlagen.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Spendenbetrug RSS
- Holocaust-Entschädigungsgelder FBI deckt Millionenbetrug auf 10.11.2010
- Skandal um Frauennothilfe "Abenteuerliches Rechtskonstrukt" 29.10.2010
- Alice Schwarzer: Spendenaffäre Wie gewonnen, so zerronnen 19.02.2010
- Umstrittener Armenhelfer Ende einer Dienstfahrt 26.02.2010
- Entschädigungszahlungen Neunzehn Dollar pro Jahr 11.11.2010
- Spendenbetrug Mit Schwarzer-Spende zum Luxusauto 31.03.2010
- Spenden für Haiti Vorsicht vor schwarzen Schafen 14.01.2010
(SZ vom 11.11.2010/wolf)
ICE-Strecke
schade, dass noch nicht einmal die sz sich nicht zu schade ist, auf den maserati-zug aufzuspringen bzw. zumindest anständig recherchiert. bei der treberhilfe in berlin geht es nicht um veruntreuung von spendengeldern, da sich die TH niemals aus Spendengeldern finanziert hat. es geht hier um die grundsatzdiskussion, ob die managementebene eines sozialen unternehmens in ihrem handeln/der verwendung von erwirtschafteten geldern mit der eines wirtschaftsunternehmens gleichzustellen ist oder nicht. da die meisten projekte der TH weder zuwendungsfinanziert noch über spendengelder getragen werden, liegt der schwerpunkt der maserati-diskussion wohl doch eher auf einer moralisch-ethischen ebene. leider scheint es der autor des obigen artikels auf der suche nach zeilen nicht mehr so genau mit den inhalten genommen zu haben, was ich bei einer von mir sehr geschätzten zeitung wie der sz vorausgesetzt hätte.
Wieder so ein "Leistungsträger" der von der CDU hofiert wurde der sein (?) Auto abgeben muss!
Der neue CDU Wählertyp ist eben korrupt und landet eben irgendwann vor Gericht!
Das Ausgeben von Geld das auszugeben eigentlich Anderen zusteht - ist immer angenehmer als Hand an das sauer selbstverdiente zu legen.
Wer hier jedoch den Finger auf halbseidene Spendensammler richtet - hat tatsächlich den größten Schurken glatt übersehen: Den Staat.
Zitat:"Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) hat zudem im Bundesrat eine noch schärfere Kontrolle sozialer Einrichtungen vorgeschlagen."
Kaum zu glauben. Die Verantwortung haben und den Hintern nicht bewegen. In dieser Hinsicht ist die gesamte Politikerkaste gleich.
Wie in den Artikel beschrieben,der Missbrauch von Spenden hat einen lange Tradition und meisst sind dann auch noch 3. Klassige Anwaelte mit von der Partie. Der Missbrauch von Berlin wie oben geschrieben hat in der Tat sehr viel mit blinden Vertauen und krimmineller Energie zu tun. Nur gesehen will das ganze vorher niemand und gewusst sowieso nicht,leider ein altes Spiel.
Paging