Karl-Theodor zu Guttenberg flüchtet vor Plagiatsvorwürfen in die Arbeit: Er besucht Soldaten in Afghanistan und übernachtet am gefährlichsten Stützpunkt der Bundeswehr. An der Heimatfront fordern seine Kritiker, ihm sollte der Doktortitel aberkannt werden.
Einen Tag, nachdem Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit laut geworden sind, ist Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zu einem nicht angekündigten Truppenbesuch in Afghanistan eingetroffen. Der Minister habe deutsche Soldaten in einem Außenposten besucht und dort auch die Nacht verbracht, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin.
Anzeige
Nach Informationen der Deutschen Presseagentur (dpa) übernachtete der Minister im Außenposten Nord (OP North) in der Provinz Baghlan. Der Stützpunkt gehört zu den gefährlichsten der Bundeswehr in ihrem Einsatzgebiet in Nordafghanistan. Weitere Einzelheiten - auch zum weiteren Programm des CSU-Politikers - nannte der Sprecher nicht. Guttenberg hatte zwar bereits bei einer früheren Reise einen gefährlichen Posten besucht, aber noch nie im unmittelbaren Kampfgebiet übernachtet.
Auch seit wann die Reise geplant war, wurde nicht bekannt. Nach dpa-Informationen war der Minister am Mittwochabend ursprünglich zu einem Wahlkampftermin in Barleben in Sachsen-Anhalt erwartet worden.
Es handelt sich um die neunte Afghanistan-Reise des Verteidigungsministers seit seinem Amtsantritt im Herbst 2009. Zuletzt war er Mitte Dezember innerhalb weniger Tage zuerst in Begleitung seiner Frau Stephanie und des TV-Moderators Johannes B. Kerner und anschließend mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Hindukusch. Ungewöhnlich ist, dass Guttenberg diesmal nicht von Journalisten begleitet wird.
Nach Recherchen des Bremer Juraprofessors Andreas Fischer-Lescano soll Guttenberg in seiner Dissertation einige Passagen wortwörtlich von anderen Autoren übernommen haben, ohne diese wie vorgeschrieben als Zitate zu kennzeichnen. Der Minister hat den Vorwurf der Täuschung als "abstrus" zurückgewiesen. Die Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft der Uni Bayreuth hat an diesem Mittwoch ein Verfahren zur Prüfung der Vorwürfe eingeleitet. Sie forderte Guttenberg zu einer schriftlichen Stellungnahme auf.
Die Passauer Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig verlangte die Aberkennung des Doktortitels von Guttenberg. Der Minister hatte die ersten Absätze der Einleitung seiner Dissertation aus einem Aufsatz Zehnpfennigs übernommen, der in der FAZ erschienen war. "Es ist mir unverständlich, wie man sich solch eine Blöße geben kann", sagte Zehnpfennig der Zeitung Die Welt. Guttenberg habe sich dumm verhalten.
Sollte Guttenberg seinen Doktortitel verlieren, hält der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold Guttenberg als Verteidigungsminister für ungeeignet. "Guttenbergs Glaubwürdigkeit wäre dann völlig zerstört", sagte Arnold der Mitteldeutschen Zeitung. "Und ein Minister, der seine Glaubwürdigkeit verloren hat, kann nicht mehr wirklich arbeiten." Im Bereich der Bundeswehr, in dem es in hohem Maße auf Vertrauen ankomme, sei dies möglicherweise noch schwerer als in anderen Ressorts.
Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) fordert hingegen, die Vorwürfe sollten "ganz in Ruhe" aufgeklärt werden. "Aufgeregte Kommentare sollten genauso unterbleiben wie Vorverurteilungen", sagte die FDP-Politikerin dem Hamburger Abendblatt.
Der Frankfurter Europarechtler Felix Hanschmann, der gemeinsam mit Fischer-Lescano die Plagiatsvorwürfe gegen Guttenberg erhoben hat, interpretierte die Reaktionen des Ministers auf die Vorwürfe als ein Schuldeingeständnis. Guttenberg räume in seiner öffentlichen Erklärung vom Mittwoch bereits vereinzelte Verstöße ein. "Offenbar hält er die von uns formulierten Vorwürfe nicht für aus der Luft gegriffen", sagte Hanschmann der Passauer Neuen Presse. Guttenberg hatte sich bereiterklärt zu prüfen, "ob bei über 1200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten"; er würde dies bei einer Neuauflage berücksichtigen.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Guttenbergs Doktorarbeit Summa cum laude? - "Mehr als schmeichelhaft" 16.02.2011
- Guttenbergs Dissertation: User-Reaktionen "Falsche Doktorarbeiten, falsche Politiker" 16.02.2011
- Guttenbergs Dissertation Originale und Doktorarbeit im Vergleich 16.02.2011
- Plagiatsvorwurf Guttenberg soll auch in Einleitung abgeschrieben haben 16.02.2011
- Guttenberg in Afghanistan Überraschungsbesuch am Hindukusch 16.02.2011
- Uni Bayreuth kassiert Guttenbergs Doktor "Kein bloßer Bagatellfall" 23.02.2011
- Plagiatsvorwürfe Uni Bayreuth erkennt Guttenberg Doktortitel ab 23.02.2011
(dpa/dapd/Reuters/liv/dgr)
ICE-Strecke
Behauptungen widerlegen könnte:
@ chris2010
in der Anonymität des Internet kann man viel erzählen. Doch die Ausdrucksweise verrät des Geistes Kind.
Zitat: "Die Prüfungen sind schon lange geschafft." Wäre dies wahr, bestätigt es nur zweierlei: 1.) PISA schmeichelt Deutschland noch. 2.) Bei diesen Ansichten über wissenschaftliches Arbeiten und die unzulässigen Schlußfolgerungen sollten akademische Titel zum Schutz derjenigen, die sie verdient erworben haben, wieder aberkannt werden.
Das gilt auch für alle, deren Zitateliste in wissenschaftlichen Arbeiten Telefonbuchumfang annimmt, oder die sich Zitaten nur bedienen, um die Weisheiten anderer unnötigerweise zu verbreiten, wenn es an eigener Eloquenz mangelt. EINZIG die kritische Auseinandersetzung mit Elaboraten anderer dient einem sinnvollen Zweck (jedenfalls war das zu meiner Zeit so üblich). Dazu bedarf es allerdings einer zumindest adäquaten intellektuellen Leistungsfähigkeit.
Zitat: "Ich wusste gar nicht, dass meine Beiträge so von jungendlichem Elan strotzen"
Es ist eher die jugendliche Unbedarftheit, die einen aus jeder Zeile anspringt denn etwas, das auch nur entfernt Beitrag genannt werden könnte. Derlei geistige Deformationen entstehen in einer Spaßgesellschaft wie der deutschen geradezu zwangsläufig.
In vielem lag unser Altbundeskanzler Helumt Kohl völlig falsch, seine Einschätzung vom Freizeitpark Deutschland allerdings war richtig.
In diesem Sinne wünsche ich ein erkenntnisreiches Wochenende.
dass ein Hochwohlgeborener "von und zu" mit blauem Blut sich welchem Zwang auch immer folgend , offenbar nötig hat , suich mit einem erschwindelten Dr. weiter zu veredlen .Da muß wohl ein Psychiater her.
Tatsächlich, ich lese schon "LAgasthenie"
Dürften aber wohl eher meine schlechten Augen sein - oder vielleicht doch Ihre Orthographie?
Ja, ich weiß, das ist abstrus und nur ein Fehler von Ihnen, den Sie im nächsten Post verbessern. Ich unterstelle Ihnen auch keine Absicht, da es ja wirklich nur einmal vorgekommen ist. Ich verurteile Sie also nicht.
Trotzdem: Danke. Sie schmeicheln mir: Die Prüfungen sind schon lange geschafft.
Ich wusste gar nicht, dass meine Beiträge so von jungendlichem Elan strotzen :-)
Aber ich mach jetzt Schluß für heute. Lassen Sie uns morgen weiterstreiten.
Die Herrschaften von sueddeutsche.de wollen auch Feierabend machen...
"chris2010 schreibt Das lasse ich mir eben nicht gefallen."
wenn Sie beleidigend werden, dann dürfen Sie sich nicht wundern, daß niemand mit Ihnen diskutieren will.
Das lernt man eigentlich recht früh im Leben.
Tut mir leid, aber dieses Mal kann ich Sie leider nicht unterstützen.
Mir reicht das, was ich gesehen habe. Die Auszüge finden sich ja schnell im Netz.
Sie werden nie jemandem zweifelsfrei zu 100% nachweisen können, ob er Zitate versehentlich oder absichtlich nicht gekennzeichnet hat.
Aber das Ausmaß der Verstöße ist verdächtig.
Es ist auf jeden Fall nicht nachvollziehbar, dass etwas derart Existenzielles wie eine richtige Zitierweise ständig vergessen wird - in einer Doktorarbeit (!) und eben nicht auf dem Einkaufszettel.
Auch die Kommission muss und wird sich hier eher auf Wahrscheinlichkeiten als auf Fakten stützen:
Ab einem gewissen Ausmaß ist jedoch eine Absicht oder zumindest Unwissenheit um die wissenschatliche Arbeitsweise (was auch seine Arbeit gefährden wird) nicht mehr zu leugnen.
Die Frage ist nur wo diese Grenze gesetzt wird und ob Guttenberg es wirklich darauf ankommen lässt, als Lügner enttarnt zu werden.
Ich bin enttäuscht von ihm und glaub ihm nix mehr.
Paging