Von Nico Fried

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Dalai Lama am Sonntag im Kanzleramt empfangen - trotz der Kritik aus China.

Trotz erster konkreter Gegenmaßnahmen der chinesischen Regierung hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag den Dalai Lama empfangen. Sie sicherte ihm ihre Hilfe bei seinen Bemühungen um die Wahrung der kulturellen Identität Tibets zu.

Dalai Lama, Merkel, dpa

Der Dalai Lama und die Bundeskanzlerin im Berliner Kanzleramt. (© Foto: dpa)

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Sie habe auch die Politik des gewaltlosen Strebens nach religiöser und kultureller Autonomie des geistlichen Oberhaupts der Tibeter gewürdigt, erklärte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm nach dem einstündigen Gespräch im Kanzleramt.

Bei dem privaten, informellen Treffen mit der Kanzlerin habe der religiöse Führer über seinen Einsatz für seine tibetische Heimat berichtet. Der Friedensnobelpreisträger von 1989 habe dabei die friedliche, gewaltfreie Natur seines Einsatzes hervorgehoben, der ein Streben nach Unabhängigkeit Tibets von der Volksrepublik China ausdrücklich ausschließe, so Wilhelm.

Der Dalai Lama sah seine guten Beziehungen zur Kanzlerin bestätigt. Er sei froh, dass die CDU-Politikerin "die alte Freundschaft" bewahrt habe. Häufig gebe es Menschen, die in hohen Positionen eine erstaunliche Distanz aufbauten - Merkel gehöre nicht dazu, sagte der 72-Jährige.

Peking sagte kurz vor dem Treffen im Kanzleramt eine für Sonntag in München geplante zweitägige Konferenz im Rahmen des deutsch-chinesischen "Rechtsstaatsdialogs" kurzfristig ab.

Offiziell wurden dafür technische Gründe genannt. An der Veranstaltung sollte auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries teilnehmen. Zuvor hatte das chinesische Außenministerium Deutschland aufgefordert, den Dalai Lama nicht einreisen zu lassen.

Das Kanzleramt hatte deutlich gemacht, dass es sich um ein privates Treffen Merkels mit dem Dalai Lama handele, mit dem keine politische Anerkennung der Autonomiebestrebungen verbunden sei. Merkel treffe sich auch mit anderen Religionsführern.

Dennoch hatte die chinesische Regierung nach Bekanntwerden des bevorstehenden Besuches den deutschen Botschafter in Peking, Michael Schäfer, einberufen und gegen das Treffen protestiert. Die Kritik Chinas schießt nach Worten des Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), "weit über das Ziel hinaus".

Die Reaktion aus Peking sei "nicht unerwartet, aber ebenso unberechtigt", sagte Polenz. Gerade wegen der Kritik aus Peking sei es richtig, dass Merkel "die Eiertänze, die andere Bundesregierungen früher um diese Frage gemacht haben, nicht wiederholt".

Mit dem Empfang des Dalai Lama setze Merkel ein Signal, dass Deutschland die Entwicklung in Tibet nicht gleichgültig sei und sich Sorgen um die tibetische Kultur und die dortige Lage der Menschenrechte mache.

In Begleitung des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) war der Dalai Lama am Sonntagmittag in Berlin gelandet. Der Friedensnobelpreisträger gilt als Symbol des Autonomiestrebens der Tibeter gegen die Herrschaft Chinas.

Die chinesische Armee war 1951 in Tibet einmarschiert. Seitdem betrachtet Peking die Region als Teil Chinas. 1959 verließ der Dalai Lama das Land und stellte in der indischen Stadt Dharamsala eine Exilregierung auf. Seine Heimat hat er seitdem nie wieder besucht.

Auch Koch, der seit Jahren Kontakt zum Dalai Lama pflegt, würdigte Merkels Haltung. Es sei gut, dass sie sich "nicht hat beirren lassen".

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(SZ vom 24.09.2007)