Berlusconi zur Parlamentswahl 2013 in Italien "Ich kehre traurig zurück"

"Ich trete an, um zu gewinnen", sagte Berlusconi vor einigen Journalisten in Milanello.

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In Zeiten der Not hält sich Silvio Berlusconi für unverzichtbar. Der italienische Ex-Premier hat seine Kandidatur für die Parlamentswahl im kommenden März offiziell bestätigt. Jetzt, da Italien am Abgrund stehe, fühle er sich berufen, wieder in die Politik zurückzukehren.

Berlusconi wurde vor Gericht zu mehreren Jahren Haft verurteilt, feierte anrüchige Partys mit Minderjährigen und musste vorzeitig sein Amt als Premier aufgeben. Doch in Italiens Politik herrschen eigene Gesetze. Nur so ist zu erklären, dass der 76-Jährige am 10. März 2013 noch einmal zu den Parlamentswahl antreten will, um zum fünften Mal Premierminister zu werden.

"Ich trete an, um zu gewinnen", sagte Berlusconi vor einigen Journalisten in Milanello in der Nähe von Mailand. Am Mittwoch hatte er bereits erklärt, aus den eigenen Reihen werde er immer wieder gedrängt, doch noch einmal anzutreten. Nun hat er seine Kandidatur zum Ministerpräsidenten offiziell bestätigt.

Dem Fernsehsender TGCOM24, einem Kanal der von ihm selbst betriebenen Sendergruppe Mediaset, sagte er: "Ich kehre traurig in den öffentlichen Dienst zurück. Und erneut tue ich es aus einem Gefühl der Verantwortung heraus." Er fühle sich berufen, "Italien vor dem Abgrund" zu retten.

Spekulationen über eine Rückkehr Berlusconis auf die politische Bühne hatten sich in den vergangenen Tagen gemehrt, nachdem er dies wiederholt angedeutet hatte. Berlusconi hatte vergangenes Jahr den Posten als Regierungschef für den parteilosen Mario Monti räumen müssen, als sich die Schuldenkrise in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone zuspitzte.

Am Donnerstag hatte Berlusconis Partei "Volk der Freiheit" (PDL) Montis Kabinett erheblich unter Druck gesetzt. Sie entzog der Regierung faktisch die Unterstützung, indem ihre Fraktionen im Senat und Abgeordnetenhaus bei zwei getrennten Vertrauensabstimmungen über die Wirtschaftspolitik jeweils den Saal verließen. Monti gewann die Abstimmungen zwar anschließend, seine Regierung steht seitdem dennoch auf wackeligen Beinen.

Die PDL erklärte am Freitag, sie werde in den kommenden Tagen darüber entscheiden, ob sie die Regierung noch vor den nächsten Wahlen, die Anfang März erwartet werden, zu Fall bringe.

Monti rutschte derweil in Umfragen ab. Die Industrieländer-Organisation OECD warnte vor den Folgen wachsender Sorgen an den Finanzmärkten um die politische Stabilität Italiens. Ihr Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan forderte von den Parteien des Landes ein klares Bekenntnis zum Reformkurs.